Home
27. Juni 2017  

Digitale Bildung

Deutschland braucht ein Update

Die voranschreitende Digitalisierung in allen Bereichen erfordert auch neue Wege der Technikbildung für Schüler. Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Schüler mit einem sechsten Platz bei 18 Ländern nur im oberen Mittelfeld.
Junge  sitzt mit Tablet am Tisch.

Hauptgrund für den Entwicklungsrückstand sind laut dem MINT Nachwuchsbarometer 2017 von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung der Mangel an zeitgemäßer IT-Ausstattung der Schulen sowie fehlende Fort- und Weiterbildungen von Lehrkräften. 

„Digitale Kompetenzen lassen sich mit Tafel und Kreide nur schwer aufbauen. In Deutschland erwerben Schülerinnen und Schüler ihr digitales Know-how weitgehend in der Freizeit“, sagt acatech Präsidiumsmitglied und wissenschaftlicher Projektleiter des Trendreports Ortwin Renn. „Drei von vier Neuntklässlern nutzen zu Hause fast täglich den Computer, aber nur ein Prozent auch in der Schule.“

Vermittlung von Anwendungskompetenzen reicht nicht

Auch an Grundschulen wird nur vereinzelt mit digitalen Medien gelehrt. Bei den 6 bis 8-Jährigen nutzen nur 20 Prozent den PC regelmäßig im Unterricht oder nutzen ihn in Pausen oder Nachmittagsangeboten. An weiterführenden Schulen sind die Lehrinhalte überwiegend auf Internet-Recherchen (81 Prozent) und die Bedienung von Programmen (73 Prozent) ausgerichtet. Seltener werden technische Grundlagen (36 Prozent) oder das Programmieren einer Website (26 Prozent) vermittelt. 

„Wir alle nutzen digitale Medien, blicken aber selten hinter die Benutzeroberfläche. Dabei wird unsere Welt zunehmend durch Programmcodes gesteuert“, sagt Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft bei der Körber-Stiftung. „Nur Anwendungskompetenzen zu vermitteln, greift daher zu kurz. Digital mündig werden Schüler erst, wenn sie die Technik in ihrer grundlegenden Funktionsweise und in ihrer sozialen und ethischen Dimension verstehen.“

Eltern und Lehrer benötigen Unterstützung und Fortbildung

Wenn es um die Nutzung und den Umgang mit digitalen Medien geht, sind die Eltern erster Ansprechpartner. Allerdings stößt knapp ein Drittel laut eigenen Aussagen selbst an Grenzen bei der digitalen Gerätenutzung und trifft keine Vereinbarung, welche Inhalte sich ihre Kinder im Netz ansehen dürfen. 59 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Schule Programmierkenntnisse vermittelt und über 80 Prozent wollen in Sachen digitaler Bildung mit Schule und Lehrkräften an einem Strang ziehen.

Auch die Lehrkräfte stehen den digitalen Nutzungsmöglichkeiten offen gegenüber, sehen aber Nachholbedarf in den eigenen digitalen Anwendungskompetenzen. Im Studium wurde nur jeder Fünfte auf den Einsatz digitaler Medien im Studium vorbereitet. Immerhin haben sich im Schuljahr 2015/2016 über 50 Prozent dahingehend weitergebildet. 

Die Herausgeber der Studie fordern eine bessere Qualifizierung der Lehrkräfte, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung im Schulunterricht, zudem den gezielten Ausbau von Angeboten zur Talent- und Motivationsförderung, insbesondere mit außerschulischen Initiativen.

MINT als Berufswunsch eher selten

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat der Mangel an MINT-Berufen stark zugenommen. 237.500 Arbeitskräfte fehlten Ende April 2017. Ein Plus von 38 Prozent innerhalb eines Jahres. Viele junge Menschen, insbesondere Mädchen meiden technische Fächer und Berufe. An beruflichen Schulen herrscht ein alarmierender Mangel an MINT-Lehrkräften. Der Anteil der Studienanfängerinnen und -anfänger in MINT-Fächern hat sich mit 39 Prozent kaum verändert. Informatik gewinnt weiter an Beliebtheit, während das Interesse an Elektrotechnik und Maschinenbau rückläufig ist. Der Frauenanteil in den MINT-Fächern an den Unis verharrt mit 31 Prozent auf niedrigem Niveau.

Quelle: Pressemittteilung Körber-Stiftung
Schlagworte:
 
MINTMedienDigitalisierungSchule

Unternehmen stellen sich vor

Mehr zum Thema