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17. November 2008  

Auslandsaufenthalte aus Personalersicht

Timbuktu für den Lebenslauf?

England oder Timbuktu? Au-pair oder Auslandssemester? Ein Auslandsaufenthalt darf in keinem Lebenslauf fehlen. Denkt man. Doch was erwarten die Unternehmen tatsächlich von ihren Bewerbern? Annette Kamps
Ausland Lebenslauf

Auslandserfahrungen bereichern jeden Lebenslauf...oder? © Anke Tillmann / Einstieg GmbH

Immer mehr Studenten verbringen mindestens ein Semester im Ausland. Laut Statistischem Bundesamt waren es zuletzt 83.000. Eine davon war Danijela Simic, die gleich zweimal während des Studiums das Weite suchte, erst in Südafrika, danach in Polen. Die 26-Jährige profitierte nicht nur sprachlich von ihren Auslandserfahrungen: „Insbesondere während meines Studiums in Südafrika habe ich mich intensiv mit den wirtschaftlichen und sozialen Problemen des Landes beschäftigen können. Und mein Studium in Polen hat mir die Herausforderungen eines neuen EU-Mitgliedsstaates vor Augen geführt.“

Eine solche Horizonterweitung wissen die meisten Unternehmen zu schätzen. Vor allem Global Player setzen Auslandserfahrung voraus, damit ihre Mitarbeiter weltweit in internationalen Teams besser zurechtkommen. „Allein in der deutschen Zentrale arbeiten Menschen aus mehr als vierzig Nationen, da muss man gegenüber kulturellen Unterschieden unbedingt offen sein“, sagt Tina Vollmer, Human Resources Managerin bei der Adidas Group. Und durch nichts erhalte man einen besseren Einblick in andere Kulturen als durch einen Auslandsaufenthalt. Neben der kulturellen steht die sprachliche Kompetenz im Vordergrund, denn viele Vokabeln oder Redewendungen lassen sich vom heimischen Schreibtisch aus kaum erlernen. 

 

Praktikum, Auslandssemester oder komplettes Studium? 

Es gibt zahlreiche Varianten, fremde Kulturen und Sprachen kennen zu lernen, doch welche sehen Personaler am liebsten? Pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn jede hat Vorund Nachteile: Während Au-pair oder Work and Travel sich direkt nach der Schule anbieten, um eine Sprache zu erlernen oder zu vertiefen, kann man an der Uni oder durch ein Praktikum noch Fachkenntnisse mitnehmen.

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Robindro Ullah, zuständig für die Nachwuchsgewinnung bei der Deutschen Bahn AG, bevorzugt die praktische Erfahrung im Ausland: „Man lernt neben der Mentalität der Menschen auch unterschiedliche Arbeitsmethoden kennen. Außerdem vertieft man die Sprache hinsichtlich der Arbeitsbegrifflichkeiten.“ Doch auch ein Auslandssemester wird gerne gesehen – und hat den Vorteil, dass man live erlebt, wie es an anderen Unis abläuft. Man sollte allerdings darauf achten, dass Studienleistungen anerkannt werden, damit man keine Zeit verliert. Noch wichtiger ist die Anerkennung natürlich, wenn man ein ganzes Studium im Ausland absolviert. Denn wer sich in Deutschland bewirbt, sollte einen hier gültigen Abschluss vorweisen. Ullah sieht einen weiteren möglichen Stolperstein für die Karriere: „Wenn man komplett im Ausland studiert, kann es sein, dass man die Methoden und Techniken der Arbeitswelt in Deutschland zu wenig kennt.“ In diesem Fall kann man den Spieß einfach umdrehen und ein „Auslandssemester“ in Deutschland verbringen.

Was das „Reiseziel“ angeht, herrscht Einigkeit in den Personalabteilungen: In welchem Land man seine Erfahrungen sammelt, spielt nur eine untergeordnete Rolle – Hauptsache, es passt zum Studium bzw. zum Job, den man später ausüben möchte. Beliebt sind vor allem englischsprachige Länder, doch aufgrund ihrer zunehmenden Bedeutung als internationale Wirtschaftspartner haben China und Indien als Zielländer immens aufgeholt. „Generell kann man sich in jedem Sprach- und Kulturraum weiterbilden, weiterentwickeln und wichtige Erfahrungen sammeln“, sagt Nadine Bergner von der Deutschen Bank. Je fremder die andere Kultur der eigenen ist, desto mehr kann man aus einem Land mitnehmen. Und um auch wirklich etwas davon zu haben, sollte man mindestens sechs Monate fernab von zuhause verbringen, da sind sich die Personaler einig. Weniger ist in diesem Fall nicht mehr – und alles unter zwei Monaten ist Urlaub. 

Ausland – ein Muss? 

Keine Sorge: Wer aus organisatorischen oder finanziellen Gründen nicht die Gelegenheit hatte, einige Zeit in einem anderen Land zu verbringen, steht auf dem Arbeitsmarkt nicht automatisch im Abseits. Zwar ist vielen international tätigen Unternehmen Auslandserfahrung inzwischen sehr wichtig, doch wer sie nicht mitbringt, kann dies mit anderen Fähigkeiten ausgleichen. Die Mitarbeiterauswahl beruhe grundsätzlich auf dem Gesamtbild, so Claudia Spöth, Personalreferentin bei der Ferchau Engineering GmbH. „Ein Auslandsaufenthalt kann ein i-Tüpfelchen sein, ist aber nicht ausschlaggebend.“ Studienleistungen, Praktika und Persönlichkeit können die fehlende Erfahrung auf dem internationalen Parkett also wettmachen. Unabhängig davon, wie wichtig Auslandserfahrung für die ersten Schritte auf der Karriereleiter ist, persönlich profitiert man auf jeden Fall von ihr. Das kann Danijela Simic nur bestätigen: „Es gab viele schwierige Momente, trotzdem gehören diese beiden Semester zu meinen schönsten Lebensabschnitten. Ich habe gelernt, mich in einer fremden Umgebung mit unbekannten Aufgaben zurechtzufinden. Außerdem habe ich viele neue Freunde kennengelernt, die jetzt irgendwo verstreut über die ganze Welt leben und die ich definitiv wiedersehen möchte!“ 

 

Wie lange? 

  • mindestens zwei, am besten sechs Monate 

Wie? 

  • Auslandssemester (darauf achten, dass die im Ausland erbrachten Studienleistungen von eurer Uni anerkannt werden) 
  • Praktikum
  • komplettes Studium (Abschluss sollte in Deutschland anerkannt sein; deutschen Arbeitsmarkt im Auge behalten) 

Wo? 

  • Am besten in einem englischsprachigen Land, inzwischen werden China und Indien auch sehr gerne gesehen. Entscheidend ist jedoch der Zusammenhang mit Studium bzw. angestrebten Job. 
Schlagworte:
 
AuslandLebenslaufAuslandsstudiumAu Pair

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