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06. Dezember 2010  

Auslandsstudium in England

Studieren auf der Insel

England gehört unter deutschen Studenten zu den beliebtesten Ländern für ein Auslandsstudium. Kein Wunder: Die Studienbedingungen sind hervorragend – und die Studentenpartys auch. Carolin Mader

"Ich habe meine Entscheidung noch nicht eine Sekunde bereut", sagt Anna. Seit knapp sechs Wochen studiert die Hamburgerin an der University of Bristol. Um zu erfahren, "wie das Leben im Land von Harry Potter und den Beatles so ist." Und natürlich, um Auslandserfahrung zu sammeln und die berühmten Studentenpartys kennen zu lernen. Dafür, sagt die 22-Jährige, bleibe beim relativ gelassenen Stundenplan der internationalen Studenten nämlich jede Menge Zeit: "Mehr als vier Seminare pro Woche hat hier kaum ein Erasmus-Student". Man müsse sich zwar intensiver auf seine Lehrveranstaltungen vorbereiten als in Deutschland, aber mit ein wenig Zeitmanagement sei das Pensum bequem zu schaffen. "In England geht Qualität vor Quantität", sagt Anna.

Schon vor dem Semesterstart hat ihre Uni ihr Seminare vorgeschlagen und Kontaktdaten von Dozenten gemailt, damit sie sich über ihre Seminare informieren und Fragen zur Organisation des Studium stellen kann. Diesen Service weiß Anna zu schätzen: "In Deutschland wird man mit sowas nur zur Studienberatung geschickt."

Auch Simon Hoerder, der seit Oktober 2009 an der University of Bristol studiert, bestätigt die ausgezeichnete Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden. Der 27-jährige Bayer, der in Bochum "Sicherheit in der  Informationstechnik" studiert hat, will in Bristol seinen Doktortitel erwerben. "Bristol hat für mich sowohl zeitlich als auch thematisch super gepasst. Und da ich einige der Professoren bereits vom Namen kannte, war ich mir sicher, hier in einer anregenden und herausfordernden Umgebung zu landen", erinnert sich Simon. Im Forschungsstand gibt es laut Simon zwischen der University of Bristol und der Ruhr-Universität Bochum in seinem Fach keinen großen Unterschied – doch an der englischen Uni wird sein Doktorandenstudium durch ein Forschungsprojekt finanziert. "In Deutschland hätte ich eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter gehabt und bei Vorlesungen als Übungsleiter aushelfen müssen. Hier kann ich mich nur auf die Forschung konzentrieren."

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Während Simon die Freiheiten in der Forschung genießt, freut sich Anna über die guten Lernbedingungen: "In Hamburg sitzen oft dreißig Studenten in einem Seminar. Diskussionen kommen dort selten zustande. Hier sind die Kurse kleiner und die Dozenten nehmen sich Zeit." Allerdings haben die guten Studienbedingungen auch ihren Preis: Bis zu 3.500 Euro können die jährlichen Studiengebühren an staatlichen Hochschulen in England betragen.

Doch nicht nur das Studium kostet. Auch der Lebensunterhalt schlägt in Großbritannien erheblich zu Buche. Es gibt zwar Studentenrabatte für Bahnreisen oder Fahrten mit Fernreisebussen. Die Mietpreise liegen in vielen Städten allerdings deutlich höher als in Deutschland. Für ein Zimmer im Studentenwohnheim zahlt man hier umgerechnet zwischen 450 und 600 Euro. WG-Zimmer sind ähnlich teuer – ohne Nebenkosten.

"Andauernd wird gefeiert"

Trotzdem, findet Simon, sei die Erfahrung ihren finanziellen Aufwand wert: "Die meisten Menschen sind hier entspannter als in Deutschland, und die Gesellschaft ist viel durchlässiger. Wie viele dunkelhäutige Professoren und Dekane gibt es schon an deutschen Unis?"

Auch Anna liebt das Leben auf der Insel. Da sie im Studentenwohnheim lebt, hat sie schnell Anschluss gefunden und sich ins Studentenleben gestürzt: "Andauernd wird hier irgendwas gefeiert. Klar, das Studentenleben kostet, aber hier jobbt fast jeder neben dem Studium, und mit dem Studentenausweis bekommt man jede Menge Rabatte."

 

Großbritannien und seine Studienbedingungen

Einwohner: 60,5 Millionen

Sprache: Englisch

Studiengebühren/Jahr: max. 3.000 Pfund (ca. 3.500 Euro)

Deutsche Studierende/Jahr: 12.100

 

Das Hochschulsystem

In Großbritannien studiert man an einer University oder an einem University College. Einige große Universities bilden lediglich den gemeinsamen Rahmen für mehrere weitgehend unabhängig arbeitende Colleges. Daneben gibt es als eigenständige Bildungseinrichtungen Colleges of Higher Education. Sie bieten berufsbezogene Studien- und Weiterbildungsprogramme an. Akademische Abschlüsse verleihen nur wenige von ihnen.

 

Unterrichtssprachen

Fast alle Hochschulen verlangen vor Beginn des Studiums den Nachweis guter Englischkenntnisse in Form eines Sprachzertifikats (z.B. IELTS, TOEFL oder Cambridge Certificate).

 

Kosten und Finanzierung

Im Undergraduate-Bereich (Bachelor-Studiengänge) erheben britische Hochschulen jährliche Gebühren von bis zu 3.000 Pfund. Dazu kommt das teure Leben auf der Insel: In einem Monat können leicht Kosten von 900 bis 1.200 Euro entstehen – zusätzlich zu den Studiengebühren. Wer sein ganzes Studium in Großbritannien absolvieren möchte, kann das Studiendarlehen der britischen Regierung in Anspruch nehmen: www.slc.co.uk

 

Zulassung und Bewerbung

Die Entscheidung über die Vergabe ihrer Studienplätze liegt allein bei der jeweiligen Hochschule. Wer ein Vollstudium in Großbritannien plant, muss sich dennoch zunächst zentral beim "Universities and Colleges Admissions Service" (UCAS) bewerben. Wer nur einen Teil des Studiums hier verbringen möchte, erfährt die Bewerbungsmodalitäten beim "Admissions Officer" der Hochschule.

 

Link-Tipps:

www.studieren-in-england.de

http://www.studying-in-england.org/de/

www.britishcouncil.de

www.ucas.ac.uk

Schlagworte:
 
AuslandsstudiumAuslandssemesterEnglandGroßbritannien

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