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30. Januar 2014  

Auslandsstudium in den Niederlanden, Großbritannien, Schweiz, Österreich, USA und Frankreich

Raus aus der Komfortzone

Rund 120.000 Deutsche studieren im Ausland. Manche bleiben nur für ein Semester, andere absolvieren ihren kompletten Bachelor oder Master in der Ferne. In unserem Ratgeber fürs Auslandsstudium stellen wir die sechs beliebtesten Länder vor – und ein paar Alternativen.
Auslandsstudium

Ob für ein Semester oder das komplette Studium - viele deutsche Studenten zieht es ins Ausland. © Anke Tillmann, Einstieg

Warum?

Die beste Möglichkeit, Deutschland für ein paar Monate den Rücken zu kehren, bietet sich während des Studiums. Hast du erst mal deinen Abschluss in der Tasche und fängst an zu arbeiten, wirst du vielleicht nicht mehr die Zeit für solch ein Abenteuer finden. Also schnell die Koffer packen!

Wie lange?

Das ist dir überlassen. Ob für eine Summer School, ein Gastsemester, ein volles Studienjahr oder sogar einen kompletten Studiengang – alles ist möglich.

Wohin?

Fast überall auf der Welt findest du Hochschulen, die interessante Studienprogramme anbieten. Besonderen Einfallsreichtum legen die deutschen Auslandsstudierenden allerdings nicht an den Tag: Rund drei Viertel von ihnen sind jedes Jahr in denselben sechs Ländern eingeschrieben. Diese stellen wir deshalb im Folgenden ein wenig genauer vor. Und nennen gleichzeitig jeweils eine Alternative.

 

Niederlande 

Einwohner: 16,7 Millionen 

Hauptstadt: Amsterdam

Sprache: Niederländisch 

Deutsche Studierende/Jahr: 25.028 (2011)

 

Das Hochschulsystem
In den Niederlanden gibt es ein zweigleisiges Hochschulsystem: In den Universiteiten wird der Schwerpunkt auf die Wissenschaft gelegt, während die Hogeschoolen einen stärkeren Praxisbezug bieten. Im Vordergrund steht dabei der "problemgesteuerte Unterricht": Die Studierenden werden in Gruppen eingeteilt und lösen unter Anleitung von Tutoren spezifische Probleme aus dem Berufsalltag.

 

Unterrichtssprachen
Zwar gibt es auch englisch- oder sogar deutschsprachige Studiengänge, in den meisten Fällen wird jedoch auf Niederländisch unterrichtet. Viele Hochschulen haben Intensiv-Sprachkurse im Programm, in denen die Teilnehmer vor Studienbeginn innerhalb weniger Wochen so viel lernen, dass sie in den Vorlesungen und Seminaren zurechtkommen. An den Universiteiten sind die Anforderungen höher als an den Hogescholen.

 

Kosten und Finanzierung
Ein Studienjahr kostet derzeit 1.713 Euro (Wintersemester 2011/12) fällig. Dieser ermäßigte Satz gilt allerdings nur nur für Studierende, die ihren Wohnsitz in den Niederlanden oder in den angrenzenden deutschen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen haben. Wer weiter weg wohnt und pendelt, zahlt teils deutlich mehr.

Mehr Infos zu Studiengebühren und Fördermöglichkeiten

Zulassung und Bewerbung
Universiteiten verlangen das deutsche Abitur, Hogeschoolen genügt schon die Fachhochschulreife. Die Immatrikulation erfolgt zentral. Die meisten Studienangebote sind zulassungsfrei. In einigen Studiengängen legen die Hochschulen jedoch Aufnahmekriterien fest und/oder verlosen einen Teil der Plätze.

Mehr Infos
www.studieren-in-holland.de

www.studienscout-nl.de

 

Oder vielleicht doch lieber nach...Dänemark?

Unser nördlicher Nachbar bietet ähnlich gute Studienbedingungen wie die Niederlande, die dänischen Hochschulen gehören zu den besten in Europa. Noch dazu ist das Studium dort für EU-Bürger kostenlos. Und auch beim Essen – Hot Dog statt Frikandel – muss man sich nicht großartig umstellen.

 

Großbritannien 

Einwohner: 61,8 Millionen

Hauptstadt: London

Sprache: Englisch 

Deutsche Studierende/Jahr: 15.025 (2011)

 

Das Hochschulsystem 
In Großbritannien studiert man an einer University oder an einem University College. Einige große Universities bilden lediglich den Rahmen für mehrere weitgehend unabhängig arbeitende Colleges.

Unterrichtssprachen
Fast alle Hochschulen verlangen von ihren "foreign students" vor Beginn des Studiums den Nachweis guter Englischkenntnisse in Form eines Sprachzertifikats (zum Beispiel IELTS oder TOEFL). 

Kosten und Finanzierung
Seit Ende letzten Jahres dürfen die britischen Hochschulen für ihre Bachelor-Studiengänge bis zu 9.000 Pfund (ca. 10.400 Euro) Studiengebühren pro Jahr erheben. Es gibt allerdings interessante Vergünstigungen für EU-Ausländer, die ihr komplettes Studium auf der Insel absolvieren. In Wales zum Beispiel müssen diese nur maximal 3.465 Pfund pro Jahr zahlen, den Rest übernimmt die walisische Regierung. Wer sich an einer schottischen Hochschule einschreibt, kann sogar eine komplette Gebühren-Befreiung beantragen.

Mehr Infos zu Gebühren, Kredit- und Zuschuss-Möglichkeiten in Großbritannien

Zulassung und Bewerbung
Die Entscheidung über die Vergabe ihrer Studienplätze liegt allein bei der jeweiligen Hochschule. Für ein Vollstudium in Großbritannien muss man sich dennoch zunächst zentral bewerben. Wer nur einen Teil seines Studiums dort verbringen möchte, erfährt die Bewerbungsmodalitäten beim "Admissions Officer" der Hochschule.

Mehr Infos
www.studieren-in-england.de

www.britishcouncil.de

 

Oder vielleicht doch lieber nach...Irland?

Gerade mal 418 Deutsche (ERASMUS ausgenommen) waren im Jahr 2011 an irischen Hochschulen eingeschrieben. Dabei hat die "Grüne Insel" gegenüber England, Wales und Nordirland einen entscheidenden Vorteil: Will man nicht nur für ein Gastsemester vorbeischauen, sondern bis zum Bachelor dort studieren, zahlt man keine Studiengebühren.

 

 

Österreich 

Einwohner: 8,4 Millionen 

Hauptstadt: Wien

Deutsche Studierende/Jahr: 30.574 (2011)

 

Das Hochschulsystem 
Das österreichische Hochschulsystem ist mit dem deutschen vergleichbar. Es gibt 21 öffentliche und 13 private Universitäten, dazu 18 stärker praxisorientierte Fachhochschulen.

Unterrichtssprachen 
Deutsch. Klar, dass Österreich das Zielland Nummer 1 deutscher Studierender ist. Im Jahr 2009 war jeder fünfte deutsche Auslandsstudierende an einer österreichischen Hochschule eingeschrieben, die meisten davon in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 

Kosten und Finanzierung
Noch ein Pluspunkt für die Alpenrepublik: EU-Bürger studieren an öffentlichen Hochschulen gebührenfrei. Fördermöglichkeiten gibt es trotzdem (Stipendien-Datenbank).  

 

Zulassung und Bewerbung
Das deutsche Abitur bzw. die Fachhochschulreife werden anerkannt. Nicht alle Fächer sind aber zulassungsfrei – Interessenten sollten sich direkt bei ihrer Wunschhochschule über mögliche Beschränkungen informieren. Im Fach Medizin etwa gibt es eine Quotenregelung: 75 Prozent der Studienplätze sind für Österreicher reserviert. Dadurch will man der deutschen "NC-Flüchtlinge" Herr werden.

 

Mehr Infos
www.studieren-in-oesterreich.de

 

Oder vielleicht doch lieber nach...Ungarn?

Von Wien nach Budapest sind es nur zweieinhalb Autostunden. Und auf Deutsch kann man dort auch studieren, zum Beispiel Medizin. In der ungarischen Hauptstadt gibt es sogar eine komplett deutschsprachige Universität.

 

Schweiz 

Einwohner: 7,9 Millionen 

Hauptstadt. Bern

Sprache: Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch 

Deutsche Studierende/Jahr: 13.916 (2011)

 

Das Hochschulsystem 
Die Schweizer Hochschullandschaft gliedert sich in Universitäten – man unterscheidet hier zwischen den zehn kantonalen Unis und den zwei Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) –, Fachhochschulen sowie Pädagogischen Hochschulen. Insbesondere die beiden Züricher Unis genießen international einen hervorragenden Ruf.  

Unterrichtssprachen 
Die Schweiz ist ein multilinguales Land. An den Hochschulen in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich finden die Veranstaltungen auf Deutsch statt. In Genf, Lausanne, Neuchâtel und Fribourg wird auf Französisch unterrichtet. Um in Lugano oder Mendrisio studieren zu können, sollte man Italienisch können. Ob Bewerber einen Sprachtest ab- bzw. einen Sprachnachweis vorlegen müssen, erfahren sie direkt bei der jeweiligen Hochschule.

Kosten und Finanzierung
Die jährlichen Studiengebühren für Nicht-Schweizer variieren von Hochschule zu Hochschule und liegen an den Unis im Schnitt bei knapp 1.500 Franken (ca. 1.200 Euro). Nur die Universität der italienischen Schweiz verlangt mit 8.000 Franken deutlich mehr. Die hohen Lebenshaltungskosten machen das Studium zusätzlich teuer; im Durchschnitt liegen die Preise rund ein Drittel höher als in Deutschland. Ausländische Studierende, die schon einen Bachelor-Abschluss haben, können sich auch für ein schweizerisches Stipendium bewerben.  

Zulassung und Bewerbung 
Die Hochschulen entscheiden autonom über Zulassungsbeschränkungen und wählen ihre Studierenden selbst aus. Die Universitäten akzeptieren das deutsche Abitur, sofern in der Oberstufe bestimmte Fächer belegt worden sind.

Mehr Infos zur Studienbewerbung in der Schweiz

 

Mehr Infos
www.berufsberatung.ch

www.studieren-in-der-schweiz.de

 

Oder vielleicht doch lieber nach...Luxemburg?

Wer's mal so richtig kuschelig haben will, geht zum Studium in den nach Malta kleinsten EU-Mitgliedsstaat. Die einzige Universität im Großherzogtum hat drei Fakultäten und immerhin rund 5.000 Studierende. Unterrichtet wird auf Englisch, Französisch, Deutsch und Luxemburgisch. Damit ist das Land fast genauso vielsprachig wie die Schweiz.

 

 

USA 

Einwohner: 311,5 Millionen 

Hauptstadt: Washington, D.C.

Sprache: Englisch 

Deutsche Studierende/Jahr: 9.347 (2011)

 

Das Hochschulsystem 
Harvard, Stanford, Yale, Caltech – die USA sind das Land mit den weltbesten Hochschulen. Doch es muss nicht immer eine der Elite-Kaderschmieden an der Ost- oder Westküste sein; für ein Gastjahr eignen sich je nach gewünschtem Fach ebenso gut die staatlichen Hochschulen im Landesinneren, an denen zwar vielleicht keine fünf Nobelpreisträger lehren, man dafür aber auch keine 20.000 Dollar Studiengebühren zahlen muss. Bei der Hochschulwahl gilt es zu unterscheiden zwischen Colleges, die ausschließlich Bachelor-Studiengänge anbieten, und Universities, an denen man darüber hinaus auch den Master machen kann. Manche Colleges sind eigenständige Institutionen, andere Teil einer University.

Unterrichtssprachen
Die Hochschulen verlangen von ausländischen Bewerbern, deren Muttersprache nicht Englisch ist, einen zertifizierten Sprachnachweis (vorzugsweise den TOEFL oder IELTS).

Kosten und Finanzierung
Ein Studienjahr in einem Bachelor-Programm kostet an einem staatlichen College durchschnittlich 7.000, an einem privaten 17.000 US-Dollar. An einer staatlichen University zahlt man im Schnitt 8.000, an einer privaten 23.000 Dollar. Dabei können die Gebühren auch innerhalb eines Hochschultyps stark variieren. Viele Hochschulen bieten Stipendien für "foreign students" an. 

Zulassung und Bewerbung 
Das deutsche Abitur wird grundsätzlich anerkannt. Jede Hochschule wählt ihre Studierenden aber in einem individuellen Verfahren aus. Wer nicht über ein Austauschprogramm in die USA geht, bewirbt sich frühzeitig direkt an seiner Wunschhochschule. Empfehlungsschreiben, zum Beispiel von Professoren der Heimat-Uni, sind meistens Pflicht und immer sinnvoll.    

Mehr Infos
www.studyusa.com

www.ed.gov/nle/usnei

www.petersons.com 

www.studying-in-us.org



Oder vielleicht doch lieber nach...Südafrika?

Wem Amerika zu Mainstream ist, der kann sich mit einem Gastsemester am Kap wunderbar von der Masse abheben. Südafrika ist im Aufbruch, bietet ein modernes Hochschulsystem und fernab der Hörsäle unendlich viele Freizeitmöglichkeiten. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Safari durch den Krüger-Nationalpark?

  

Frankreich

Einwohner: 65,5 Millionen 

Hauptstadt: Paris

Sprache: Französisch 

Deutsche Studierende/Jahr: 6.147 (2011)

 

Das Hochschulsystem 
In Frankreich unterscheidet man zwischen Universités und Ecoles supérieures bzw. Grandes écoles. Letztere sind Ausbildungsstätten für Spitzenkräfte in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, dementsprechend hart sind dort die Auswahlprüfungen. Schon der Zugang zu den Vorbereitungskursen für die Prüfungen gilt als schwer. Viele ausländische Studienbewerber entscheiden sich deshalb für eine Université oder versuchen den Quereinstieg, zum Beispiel über ein Austauschprogramm.  

Unterrichtssprachen 
Français, naturellement. Die Hochschulen verlangen von Studienbewerbern einen Nachweis guter Kenntnisse, entweder über interne Tests vor der Immatrikulation oder durch externe Tests (TCF, TEF) bzw. Sprachdiplome (DELF, DALF). 

Kosten und Finanzierung
An staatlichen Hochschulen gibt es keine Studiengebühren. Die privaten Einrichtungen verlangen hingegen bis zu 15.000 Euro pro Studienjahr. Die Lebenshaltungskosten in Frankreich sind in etwa so hoch wie bei uns. An EU-Bürger vergibt das Französische Studierendenwerk CNOUS Stipendien. Ähnlich wie beim deutschen Bafög entscheiden soziale Kriterien über die Förderung.

Zulassung und Bewerbung 
Das deutsche Abitur wird in Frankreich anerkannt. Für die meisten Studiengänge bewirbt man sich direkt an der Hochschule. Die Einschreibung an den Universités ist nur zum Wintersemester möglich (gilt nicht für Erasmus-Studierende). Seit 2011 verlangen einige Unis eine Online-Bewerbung. In zulassungsbeschränkten Fächern werden die Bewerber vor der Immatrikulation zu Eignungsprüfungen gebeten.

Mehr Infos
http://www.in-frankreich-studieren.de

www.studying-in-france.org

 
Oder vielleicht doch lieber nach...Kanada?

Die Französischkenntnisse perfektionieren kann man auch in Übersee, allerdings nur in der Provinz Québec. Allein neun Universitäten (davon sieben frankophone) hat die größte Stadt Montréal. Damit weist die Metropole noch vor Boston die höchste Studentendichte aller nordamerikanischen Städte auf.

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