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15. März 2013  

Auslandsaufenthalt in Norwegen

Polarlichter statt Fernsehen

Die Zeit zwischen Zivildienst und Studium hat David Wigand für einen Auslandsaufenthalt genutzt. Der 22-Jährige entschied sich fürs winterliche Norwegen, wo er sich in eisiger Kälte nicht nur Rentieren und Elchen, sondern auch dem sachgerechten Umgang mit Motorsägen stellen musste.
Auslandsaufenthalt Norwegen

David Wigand geht auf eigene Faust nach Norwegen. Bei seinem Auslandsaufenthalt macht er zwischen Elchen und Polarlichtern unvergessliche Erfahrungen. © privat

Wie bist du darauf gekommen, ausgerechnet im tiefsten Winter nach Norwegen zu reisen?

Um Grenzerfahrungen zu machen: Einmal in meinem Leben wollte ich die eisige Kälte und den hohen Schnee Norwegens im Winter und vielleicht sogar Polarlichter erleben, um mir selbst zu zeigen, dass ich es aushalten kann.

Du hast dich gegen einen organisierten Aufenthalt entschieden. Nur aus finanziellen oder auch aus anderen Gründen?

Aus finanziellen und aus ideologischen Gründen. Ich fand es unverschämt, dass bei einer Abmachung, von der zwei Parteien profitieren, nämlich ich als freiwilliger Helfer und diejenigen, denen ich helfe, noch ein Vermittler einspringen muss, der unnötig Geld verlangt. Das muss auch ohne gehen, habe ich mir gesagt, und schließlich hat es auch geklappt.

Und wie hast du deine Gastfamilie gefunden?

Nach wochenlangem Suchen im  Internet habe ich schließlich eine Plattform gefunden, bei der man ohne Vermittlungsgebühr einen Auslandsaufenthalt organisieren kann. Darüber bin ich dann auf meine Gastfamilie gestoßen.

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Welche Ratschläge kannst du bezüglich der Organisation geben?

Man muss sich viel Zeit lassen und alles rechtzeitig planen. Ein halbes Jahr vorher sollte man sich schon mal umsehen, wohin man möchte und ob man allein oder beispielsweise mit einem Freund reisen möchte. Den vielen kostenpflichtigen Vermittlungsorganisationen sollte man nicht glauben, dass es ohne sie nicht geht. Man muss nur länger suchen. Ich persönlich habe vorher wenig mit meiner Gastfamilie abgesprochen. Als ich abflog, wusste ich noch nicht, wie meine Arbeitszeiten aussehen, wo ich wohnen werde und ob es überhaupt warmes Wasser geben würde. Dies alles herauszufinden, war dann aber umso aufregender!

Würdest du  jungen Menschen nach der Schule empfehlen, es genauso zu machen wie du?

Es genauso zu machen, würde ich keinem empfehlen. Schließlich muss  jeder für sich selbst entscheiden, in welches Land er möchte und was er genau machen will. Dass sich eine Auslandserfahrung – egal wo – lohnt, steht für mich jedoch fest. Ich habe so unglaublich viel erfahren und dazugelernt, dass ich sogar ein Buch darüber geschrieben habe. "Elchtest in Norwegen – ein Winter irgendwo in Trøndelag" spiegelt meine Eindrücke und Erlebnisse, die schönen und unschönen Momente meiner Reise wider und ist sicher hilfreich für junge Menschen, die selbst überlegen, später vielleicht ins Ausland zu gehen, als Au-pair oder für ein Work and Travel-Programm.

Was war die schönste Erfahrung in deiner Zeit in Norwegen?

Da gab es sehr viele. Die Freiheit, die Natur, die Selbstfindung, die unendliche Weite, aber vor allem die Rentiere und Elche, die ich auf meinen Wanderungen gesehen habe – und natürlich die Polarlichter.

Gab es auch weniger schöne Momente?

Ja, ich hatte einige gefährliche Begegnungen mit der Motorsäge, die auch anders hätten ausgehen können! Auch, dass ich lange Zeit keinen gleichaltrigen Menschen zum Reden hatte, fand ich schlimm.

Was hast du noch vermisst?

In erster Linie meine Freunde und Familie und gute Gespräche. Dass der Fernseher nur samstagabends eingeschaltet wurde, hatte mich dagegen nach einiger Zeit nicht mehr gestört.

Was studierst du inzwischen und was sind deine beruflichen Ziele?


Ich studiere "Regionalstudien Asien/Afrika" an der Humboldt Universität zu Berlin. Es war übrigens mein Auslandsaufenthalt, der mich dazu ermutigt hat, mich mit anderen Kulturen zu beschäftigen. Vorher wollte ich unbedingt  Psychologie studieren. Ich bereue meine Entscheidung  nicht, das Studium gefällt mir sehr gut. Am liebsten würde ich später im auswärtigen Amt oder in der universitären Bildung arbeiten.

Welche anderen Länder reizen dich für einen längeren Aufenthalt?

Mich zieht es hoffentlich bald etwas weiter weg, nach Afrika und Asien. Vor allem Malaysia und Indonesien interessieren mich, da ich durch mein Studium auch Indonesisch lerne. Dort würde ich gerne ein Auslandpraktikum machen.

Schlagworte:
 
AuslandNorwegenWork and Travel

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