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10. November 2009  

High School Aufenthalte in Neuseeland

Kia Ora, Neuseeland

Gleich für mehrere Monate tauschen viele Jugendliche die eigene Familie und die Schule in der Heimat gegen ein neuseeländisches Pendant. EINSTIEG sagt dir, welche Eindrücke man dabei gewinnen kann, für wen sich ein solcher Aufenthalt lohnt, und worauf man bei der Planung achten sollte. Melanie Walkenbach
Schulaustausch Neuseeland

Zur Schule gehen am anderen Ende der Welt - ein High School Aufenthalt in Neuseeland macht's möglich. © B. Muirhead

Teil 2 unserer Neuseeland-Reihe. Teil 1 findet ihr hier.

Mehr Pampa geht wirklich nicht. Das denkt wahrscheinlich jeder Großstädter, der nach Maungaturoto kommt. Ungefähr 100 Kilometer nördlich von Auckland liegt das 1.000-Seelen-Dorf auf Neuseelands Nordinsel. Trotz der Abgeschiedenheit verschlägt es immer wieder Schüler aus aller Welt hierher, die Zeit als Gast an der Otamatea High School verbringen. Denn wer Natur und Stille genießen möchte, Theater, Kinos und Clubs nicht vermisst, ist hier genau richtig.

Am anderen Ende von Neuseeland, im Süden der Südinsel, liegt Queenstown, das sich selbst als "The World’s Favourite Adrenaline Destination" bezeichnet. Schüler der hier ansässigen Wakatipu High School kommen nicht nur in den Genuss einer intensiven Betreuung an der Schule, sondern haben die Qual der Fun-Sportart-Wahl: Skydiving, Bungee Jumping, Jetboating, Canyon Swinging, Whitewater Rafting, Paragliding, Heli-Skiing.

Stephanie Tinnemann, 17 Jahre alt, hat sich genau die Mitte ausgesucht: Seit Juli ist sie Gastschülerin der Cambridge High School. Die englisch anmutende Kleinstadt mit 16.000 Einwohnern liegt im Zentrum der Nordinsel und gilt als neuseeländisches Mekka für Pferdefreunde. Auch rudern und Rad fahren lässt es sich hier gut. Aber warum reist ein junges Mädchen überhaupt so weit – rudern, reiten und Rad fahren kann man doch auch zuhause in Deutschland? "Fließend Englisch sprechen, neue Erfahrungen sammeln, neue Freunde finden und viel Spaß dabei haben", lautet Stephanies Antwort. "Für Neuseeland hab ich mich entschieden, weil man hier nicht einfach mal so für einen Urlaub hinkommt wie zum Beispiel nach England oder Irland." Neuseeland nimmt nach den USA und Kanada bei deutschen Schülern bereits Platz 3 der beliebtesten Länder ein. Julia Hilbk, 16, die gerade ein halbes Jahr am Waimea College in Richmond auf der Südinsel verbringt, bestätigt Stephanies Meinung: "Ich bin viel selbstständiger geworden, außerdem offener und selbstbewusster, weil ich auf fremde Leute zugehen muss."

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Beide haben ihren Aufenthalt nicht selbst organisiert, sondern die Unterstützung einer der zahlreichen Vermittlungsorganisationen wie Give oder Education First (EF) in Anspruch genommen. Wie man die passende Agentur findet, erklärt Claus Daniel Bartel, ehemaliger Austauschschüler und Autor des Ratgebers "The Best Year of My Life": "Die Organisation sollte Erfahrungen haben, also nicht neu am Markt sein. Persönliche Auswahl- und  Bewerbungsgespräche sowie Vorbereitungsseminare sind genauso wichtig wie Erfahrungsberichte von Ehemaligen. Die Organisation sollte selbst im Gastland vertreten sein oder vor Ort einen Partner haben. Ein Ansprechpartner muss in der Nähe schnell erreichbar sein, um bei Problemen oder Fragen helfen zu können. Wichtig ist auch, dass die Gastfamilien sorgfältig ausgewählt werden. Angebotene Nachtreffen und Elternabende zeigen, dass die Organisationen auch während und nach dem Gastaufenthalt um das Wohl der Familien bemüht ist."

Doch über eines muss sich jeder im Klaren sein: So wie zuhause ist es nie, immer kommt die eine oder andere Überraschung auf den Schüler zu. Auch in Neuseeland unterscheidet sich vieles von deutschen Gewohnheiten, weiß Daniela Brouwer von EF zu berichten: "Die Häuser haben kaum Isolierung und teilweise auch nur elektrische Heizungen. Die meisten Neuseeländer sind nicht so materiell orientiert wie die Deutschen und daher auch mit weniger sehr zufrieden. Das Essen ist anders, typisch sind beispielsweise Süßkartoffeln. Frisches Gemüse und Milchprodukte sind ziemlich teuer, deshalb kann man nicht jeden Tag einen knackigen Salat oder Frischkäse erwarten. Für Allergiker ist es wichtig zu wissen, dass es in Neuseeland sehr viele Haushalte mit Katzen gibt."

Um eins kommt also keiner, der sich für einen High School Aufenthalt interessiert, herum: sich umfangreich zu informieren, sich in Foren (z.B. www.studyingnewzealand.com/forum) auszutauschen und sich dann auf eine spannende Zeit zu freuen. Denn die – da sind sich alle Experten und Ehemaligen einig – hat man bestimmt!

 

Was kann ein Auslandsaufenthalt einem Oberstufenschüler nutzen? EINSTIEG Abi hat drei Experten gefragt.

Susanne Troll, Autorin des Ratgebers "die auslandsreise": "Selbst wer später im Inland arbeitet, braucht Sprachkenntnisse im Berufsleben, denn Deutschland ist eine Exportnation. Begegnungen bedeuten interkulturelle Erfahrungen, die für die persönliche und berufliche Entwicklung immer wichtiger werden. Viele Oberstufenschüler brauchen zudem eine kleine Auszeit, bevor die Schule zu Ende ist, weil sie nicht wissen, was – oder ob – sie studieren sollen. Dafür ist ein Auslandsjahr die ideale Möglichkeit."

Christiane Horn, Info-Portal "New Zealand Educated": "Immer mehr deutsche Schüler verlängern ihren Schulaufenthalt in Neuseeland und machen dort ihr Abitur. Die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Kultusministerkonferenz (KMK) erkennen den neuseeländischen Schulabschluss (NCEA) als direkte Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland an, können aber nur Empfehlungen geben. Denn die deutschen Hochschulen entscheiden meist eigenständig, welcher Bewerber angenommen wird. Daher sollte man im Vorfeld mit der deutschen Wunschhochschule die Bedingungen absprechen. Schüler mit neuseeländischem Abitur sind besonders bei FHs beliebt, weil sie an neuseeländischen Schulen bereits Grundlagen in beruforientierten Bereichen wie Design, Technologie, Betriebswirtschaft etc. lernen."

Thomas Terbeck, "weltweiser – der unabhängige Bildungsberatungsdienst": "Auch in der verkürzten gymnasialen Oberstufe (G8) haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, für bis zu zwölf Monate den Schulalltag und das Leben einer Familie in einem anderem Land kennen zu lernen. Gerade, weil ein Schüleraustauschprogramm selten völlig problemfrei verläuft, wächst man an dieser Herausforderung auch persönlich, erwirbt die so oft beschworenen Schlüsselqualifikationen und lernt nebenbei noch eine Fremdsprache."

 

Link-Tipps

www.dfh.org: Der Deutsche Fachverband High School e.V. (DFH) ist der Zusammenschluss deutscher Organisationen für Schüleraustausch und Schulaufenthalte im Ausland zum Zweck der Qualitätssicherung. Hier gibt es Informationen zum Thema insgesamt, Tipps zur Finanzierung und zur Auswahl der passenden Organisation.

www.ausgetauscht.de: "Ausgetauscht" ist eine offene Anlaufstelle von und für Beteiligte an interkulturellen und familienbasierten Schüleraustauschprogrammen. Das sind insbesondere Austauschschüler, Eltern, Gastfamilien, Lehrer, Fachleute und Anbieter. Es gibt Erfahrungsberichte und Foren, Tipps und Entscheidungshilfen.

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