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01. März 2013  

Auslandssemester inklusive - Bi- und trinationale Studiengänge

Doppelabschluss hält besser

Ein Studium, zwei Abschlüsse: Wer einen binationalen Studiengang absolviert, studiert sowohl in der Heimat als auch in der Fremde. Dank der Auslandssemester gibt es am Ende die Abschlüsse beider Länder. Patrick Agis-Garcin

Ob Mailand, Malmö oder Miami – die Chance auf ein Auslandssemester abseits der heimischen Hörsäle lassen sich viele Studenten nicht entgehen. Doch nur wenige verbringen gleich ihre halbe Studienzeit außer Landes – so wie Jennifer Sobotta. "Nach dem Abi wusste ich nur, dass ich etwas mit Sprachen machen wollte", sagt die 26-Jährige. Dass sie dies nicht nur im heimischen Bonn, sondern auch im weit über 1.000 Kilometer entfernten Florenz tun würde, ahnte sie damals allerdings noch nicht. Im Internet stieß Jennifer auf den binationalen Studiengang "Deutsch-Italienische Studien". An binationalen Studiengängen sind Partnerhochschulen aus zwei Ländern beteiligt – in ihrem Fall kooperiert die Uni Bonn mit der Uni Florenz. "Die Möglichkeit, ein Studium zu gleichen Teilen im In- und Ausland zu verbringen, war ganz neu für mich", sagt Jennifer. Am Ende eines binationalen Studiums mit Auslandssemester gibt es eine besondere Belohnung: Die Studenten erhalten entweder – wie Jennifer – einen speziellen gemeinsamen Abschluss ("joint degree") oder jeweils eine eigene Urkunde von beiden Hochschulen ("double degree").

Doppelabschlüsse gibt es sowohl in Bachelor- als auch in Master-Studiengängen. Universitäten und Fachhochschulen, die Studienprogramme mit Doppelabschlüssen anbieten, beantragen unter anderem beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eine finanzielle Förderung. Über diese Fördergelder stellen die Hochschulen auch Stipendien für Studenten bereit. Wer ein Stipendium erhalten möchte, bewirbt sich dabei direkt bei der jeweiligen Hochschule, die ihre Stipendiaten in der Regel nach Leistung auswählt.

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Stipendium inklusive

Ein Stipendium besteht aus einer einmaligen Reisekostenpauschale sowie einem monatlichen Förderbetrag, plus Übernahme der Krankenversicherung. Die Höhe des Stipendiums richtet sich nach den Fördersätzen des DAAD für das jeweilige Land der Partnerhochschule und schwankt deshalb stark. Die Studiengebühren, die in manchen Ländern während der Auslandssemester anfallen, werden den deutschen Gaststudenten mitunter ermäßigt oder sogar ganz erlassen. Dennoch ist ein binationales Studium oft ein teurer Spaß, den auch ein Stipendium nicht immer abdecken kann: "Die Lebenshaltungskosten und Mietpreise sind in Florenz um einiges höher als in Deutschland", erklärt Jennifer.

Immer mehr Angebote

Seit der DAAD sein Doppelabschlussprogramm eingeführt hat, ist das Angebot auf fast 130 Studiengänge gewachsen. Dass Studiengänge nach dem bi- oder sogar trinationalen Modell, bei dem noch eine dritte Partnerhochschule in einem weiteren Land hinzukommt, immer beliebter werden, ist dabei kaum verwunderlich – schließlich profitieren sowohl Hochschulen als auch Studenten davon. Während die Hochschulen mit den Kooperationen ihr internationales Profil schärfen, kommen die Studenten sogar selbst in den Genuss gleich mehrerer Vorteile: Oft ist ein Auslandsaufenthalt mit einem Zeitverlust verbunden, doch in den Doppelabschluss-Studiengängen ist das anders – dort sind sie im Voraus fest eingeplant. Weil die Partnerhochschulen ihre Studiengänge gemeinsam entwickeln und den Lehrplan miteinander abstimmen, gibt es darüber hinaus garantiert keine Probleme bei der Anerkennung von Scheinen und Prüfungen. "Um die Organisation und Formalitäten muss ich mir keine Sorgen machen", sagt auch Jennifer. "Die Kooperation zwischen den Unis in Bonn und Florenz besteht seit Jahren und ist dementsprechend eingespielt."

Ein weiterer Pluspunkt: Die Hochschulen nehmen ihren Studenten in der Regel vor der Abreise mit Sprachkursen und Vorbereitungstreffen die Angst vor dem Auslandsabenteuer und erleichtern den Neuankömmlingen mit Orientierungswochen und Ansprechpartnern die Gewöhnung an das neue Umfeld. "Vor meiner Abreise gab es ein Treffen, bei dem die wichtigsten Fragen und letzte Details geklärt wurden, zum Beispiel der Ablauf nach der Ankunft und Ansprechpartner vor Ort." Nicht zuletzt können ein Doppelabschluss und die damit verbundene Auslandserfahrung wichtige Vorteile bei der späteren Jobsuche sein – und diese ist durch den anerkannten internationalen Abschluss auch im Land der Partnerhochschule möglich. "Aus meiner Zeit in Italien kann ich viel mitnehmen, nicht nur den Sprachenerwerb vor Ort, sondern auch den Austausch mit einer anderen Kultur", sagt Jennifer. "Da bleibt auch abgesehen vom rein Fachlichen einiges hängen."

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