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20. Mai 2011  

Auf Weltreise mit Round-the-world-ticket

Die Eintrittskarte zur Welt

Round-the-World-Tickets ermöglichen eine Komplettumrundung der Erde per Flugzeug – mit fast beliebig vielen Zwischenstopps. Wer eine Weltreise plant, kann mit ihnen kräftig sparen. Chris Tomas
Round-the-world-Ticket

Mit einem Round-the-world-Ticket geht's um die Welt.

18.600 Kilometer – viel weiter weg von ihrem Zuhause hätte Judith Schneider ihre Silvesterparty 2010 nicht verbringen können. Anstatt mit Freunden und Familie im winterlichen Heidelberg anzustoßen, ließ die 24-Jährige im neuseeländischen Christchurch die Korken knallen – mit Menschen, die sie erst seit zwei Stunden kannte. Fünf Wochen zuvor war sie noch durch die Straßen New Yorks geschlendert, und schon am Neujahrstag saß sie wieder im Flieger: Australien wartete, und danach Vietnam, Thailand, Indien, Nepal und Bahrain. 

Judith hat sich einen Traum erfüllt, den viele träumen – sie ist auf Weltreise gegangen. Nachdem sie ihr Lehramtsstudium abgeschlossen hatte, verschob sie kurzerhand ihren Berufseinstieg, um innerhalb von fünf Monaten einmal um den Globus zu fliegen. Eine Tour wie ihre machen so genannte Round-the-World-Tickets möglich: Sie gelten nicht, wie sonst üblich, für Hin- und Rückflug, sondern bieten eine Komplettumrundung der ganzen Welt. Gereist wird immer in dieselbe Himmelsrichtung, entweder nach Westen oder nach Osten, mit einer wählbaren Anzahl von Zwischenstopps. 

 

Kleine Airlines gehören mit ins Round-the-word-Ticket

Round-the-World-Tickets werden nicht von einzelnen Fluggesellschaften angeboten, sondern von Verbünden mehrerer Airlines, die zusammen über ein Streckennetz um den kompletten Erdball herum verfügen. Die beiden größten sind Star Alliance und OneWorld. Star Alliance vereint Airlines wie Lufthansa, Thai Airways, United oder Singapore Airlines, OneWorld hat Gesellschaften wie British Airways, American Airlines oder Qantas unter seinem Dach. Oft jedoch sind es erst die kleinen Fluggesellschaften, die die Angebote eines Airline-Verbundes interessant machen: Sie bringen Weltreisende auch in entlegene Regionen wie Zentralafrika oder die südpazifischen Inseln.

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Jeder Airline-Verbund hat verschiedene Roundthe-World-Tickets im Angebot. Sie unterscheiden sich vor allem in der Anzahl der Meilen, die während der Reise abgeflogen werden dürfen. Wer sich wiederum nur für einen Kontinent interessiert, für den kommt ein zonenbasiertes Ticket in Frage, in dem mehrere Flüge innerhalb einer Region oder eines Kontinents enthalten sind. So lässt sich gegenüber dem Kauf der Einzeltickets für die gleichen Flüge sparen.

Nicht für jeden Weltenbummler ist ein Round-the-World-Ticket die beste Wahl. Wer plant, große Strecken nicht immer mit dem Flieger zurückzulegen, sondern auch Etappen am Boden einlegen möchte, ist je nach Route mit mehreren Einzeltickets besser beraten. Das allerdings setzt voraus, die Reise von vornherein durchzuplanen – denn während sich bei einem Round-the-World-Ticket die Flüge immer wieder und relativ problemlos umbuchen lassen, können bei Einzeltickets hohe Gebühren anfallen.

Viele Reisebüros haben vorgefertigte Routen im Angebot, die Licht in den Ticketdschungel bringen und sich außerdem nach persönlichen Vorlieben variieren lassen. Wer unter 26 Jahre alt ist, bekommt sie zum Teil sogar günstiger. "Ich habe mir erst überlegt, in welche Länder ich gerne reisen würde, und dann im Freundeskreis gefragt, wer eventuell Zeit und Interesse hat, eine Teilstrecke mitzumachen", sagt Judith Schneider. Eine der von ihrem Reisebüro angebotenen Touren passte fast genau zu ihren Interessen: "Nur Neuseeland habe ich noch hinzugefügt." Ihre Reise kombinierte sie mit Freiwilligenarbeit vor Ort: In Hanoi wird sie für einige Wochen Englisch unterrichten, in Nepal in einem Nationalpark arbeiten. "Ich wollte einfach mal eine Zeitlang an einem Ort bleiben und etwas Nützliches tun", erklärt sie. 

 

Eine Weltreise ist kein Erholungsurlaub

Damit konnte sie auch einer Gefahr entgegenwirken, die vielen Langzeitreisenden droht: der Travel-Burnout. Wer Monate oder gar ein ganzes Jahr herumreist, braucht immer wieder Ruhephasen, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Angehende Globetrotter sollten sich daher genau überlegen, wie viele Stopps sie auf ihrer Reise einlegen wollen. Das Maximum bei einem Round-the-World-Ticket, 15 Flughäfen, klingt zwar verlockend, ist aber in der Praxis kaum zu schaffen. Auch Judith hatte auf ihrer Tour mit schwierigen Phasen zu kämpfen und sich mehrfach gefragt, ob die Reise wirklich eine so gute Idee war. Doch die positiven Eindrücke überwiegen: "Zu wissen, dass man gerade die Welt umrundet, das gibt einem immer wieder neues Selbstbewusstsein."

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