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30. März 2009  

Etikette im Ausland

Die drei goldenen Regeln

Wer in ferne Länder reist, muss so manche Klippe umschiffen und gerät fast zwangsläufig in peinliche Situationen. Unser Autor Dirk Mönkemöller verrät, wie man im Ausland trotzdem als polyglotter Bildungsreisender durchgeht – immer schön Etikette bewahren! Dirk Mönkemöller

Er weiß, wie man im Ausland garantiert in kein Fettnäpfchen tritt: Dirk Mönkemöller

„How ya like your kangaroo, mate?“, will Billy von mir wissen – ob ich mein Fleisch „durch“ wolle oder extra kross gegrillt. Billy, ein drahtiger Typ mit weit aufgerissenen Augen, turnt vor dem Grill herum wie eine Hexe vor ihrem blubbernden Zaubertrank. Er hat sichtlich Freude daran, einer Gruppe skeptisch dreinblickender Austauschstudenten aus Deutschland sogleich ihr erstes Känguru-Mahl zu servieren. Wir befinden uns auf dem Campus einer Uni nahe Sydney, das Wetter ist toll und die Leute um uns herum sind supernett. Vier Wochen lang werden wir mit den australischen Studis in einem Austauschprojekt zusammenarbeiten. Doch eine harmlose Einladung zum Barbecue wird für uns zur Gewissensfrage, als wir erfahren, dass – extra für uns! – eines dieser possierlichen Beuteltiere auf dem Grill landet. Einige von uns sind nicht wirklich begeistert. Aber keiner will unsere Gastgeber vor den Kopf stoßen – und so probiert jeder das gegrillte Känguru. Als ich meinen ersten Bissen in den Mund schiebe, guckt mich Billy fragend an. Ich sage das, was man immer sagen sollte, wenn man etwas Ungewohntes isst: „Mhhh... tastes like chicken“.

Wie uns ergeht es regelmäßig Unmengen von Schülern, Studenten und Azubis, die in ferne Länder reisen, um ihren Lebenslauf mit einem Auslandsaufenthalt zu adeln. Sie begeben sich in schwierige Gewässer, wo es so manche Klippe zu umschiffen gilt. Häufig sind es unscheinbare Details, die einen auf Kiel laufen lassen und in peinliche Situationen bringen. Wer etwa in den meist konservativen ländlichen Teilen der USA mit Methoden nach Art der MTV-Show „Date my Mom“ auf Flirttour geht oder die Ausdrucksweise der Darsteller eines Quentin-Tarantino-Films nachahmt, sollte sich nicht über Ablehnung wundern. Oder Italien: Hier sollte man sich nicht zu vielen Aperitifs hingeben, die traditionell vor dem Abendessen in geselligen Runden genossen werden. Schließlich kann in Italien nur glänzen, wer nach dem Essen auch noch souverän einen Caffè (Espresso) bestellen und in maximal zwei Schlücken herunterstürzen kann.

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Hände waschen in Frankreich

Oder Frankreich: Hier erleidet man schnell Schiffbruch, wenn man sich – etwa im Restaurant – ganz normal nach einer Toilette erkundigt. Die Franzosen verschlüsseln dieses Anliegen, indem sie sich erkundigen, wo man sich die Hände waschen könne. Apropos Hände: Mein Freund Tim hat neulich von einem peinlichen Erlebnis während eines beruflich bedingten Aufenthalts in der Türkei berichtet. In Deutschland hatte er immer gesehen, wie sich türkische Männer zur Begrüßung auf die Wangen küssen. Tim dachte also, es sei unter Türken verpönt, sich zur Begrüßung die Hand zu geben – und verteilte großzügig Wangenküsse an quasi fremde Männer. Die wunderten sich zwar, ließen sich aber nichts anmerken. Erst einige Schmatzer später wurde Tim aufgeklärt, dass sich türkische Männer sehr wohl per Handschlag begrüßen. Nur wer sich schon länger kennt, setzt Wangenküsse ein. 

Ein Ende der Blamage-Fahnenstange ist derweil nicht in Sicht: Immer exotischer werden die Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte, schließlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Asien einen Billigflug entfernt liegt. Aber keine Angst! Wer die von mir kreierte und hier erstmals publizierte Drei-Regeln-Regel befolgt, kann immer und überall als polyglotter Bildungsreisender punkten: 1. Jeden Auslandsaufenthalt mit seriöser Reiseliteratur vorbereiten. Niemals mit einem Welt- und Menschenbild aus der Glotze verreisen. 2. Bussis niemals zu voreilig verteilen. 3. Wenn etwas komisch schmeckt, lautet das Zauberwort: „Mhhh... tastes like chicken“.

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