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19. Februar 2009  

Hotelmanager an der Swiss Hotelmanagement School

Club der zukünftigen Hotelmanager

Wer an der Swiss Hotelmanagement School studiert, braucht vor allem eins: Disziplin. Belohnt wird er dafür mit einer Ausbildung, die das Prädikat international wirklich verdient. Stefan Moskopp
Hotelmanagement

Die Ausbildung an der renommierten Swiss Hotelmanagement School ist international bekannt. © Anke Tillmann

Das Wochenende vor dem Semesterauftakt an der Swiss Hotelmanagement School (SHMS) in Caux erinnert an die Eröffnungsszene des Hollywood-Klassikers "Club der toten Dichter", der in einem Internat in den USA spielt. Alle paar Meter liegen sich junge Menschen in den Armen, die gerade aus den Ferien zurückgekommen sind. Dazwischen sieht man aber auch immer wieder Gesichter, die noch nicht so recht wissen, ob sie sich freuen sollen. Denn sie sind zum ersten Mal im „Caux-Palace“, wollen in zwei Tagen ihr Hotelmanagement-Studium aufnehmen, und haben bislang erst ihre Zimmer kennengelernt. Auch Mario Dulic und George Alastair Laird, der den filmreifen Namen seinem schottischen Vater verdankt, gehören zu den Erstsemestern, allerdings haben sie es etwas einfacher. Denn sie sind alte Schulfreunde, kommen beide aus Dietzenbach bei Offenbach und haben sich gemeinsam für die Ausbildung in der Schweiz entschieden. 

 

Open House und open minded

Außerdem haben sie sich beim so genannten Open House vor ein paar Monaten genau darüber informiert, was an der SHMS auf sie zukommt. An diesem "Wochenende der offenen Tür" lädt die Swiss Education Group (SEG) regelmäßig Interessierte aus aller Welt kostenlos zum Besuch ihrer vier Hotelschulen in die Schweiz ein. Mario und George haben sich nicht zuletzt wegen der schönen Umgebung für die SHMS in Caux bei Montreux entschieden. „Dieses großartige Gebäude, eingerahmt von den Alpen und dem Genfer See – das ist schon sehr beeindruckend“, so George. Bei seiner Eröffnung 1902 war das „Caux-Palace“ das größte und luxuriöseste Hotel der Schweiz. In seiner Glanzzeit hatte es Berühmtheiten aus aller Welt zu Gast. Und so wohnen die Studenten an der SHMS heute also in Zimmern, in denen sich früher John D. Rockefeller oder Edgar Wallace aufgehalten haben.

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Mario, der vor dem Besuch des Open House eigentlich "Internationales Recht" studieren wollte, war außerdem „sehr angetan von dem starken Praxisbezug“ an der Hotelschule. So steht bereits nach fünf Monaten das erste von zwei fünfmonatigen Praktika an, die man weltweit absolvieren kann. Benjamin aus Hamburg beispielsweise ist gerade von seinem Praktikum in Schottland wiedergekommen. Dort hat er seine an der SHMS erworbenen Kenntnisse in eine große Hotelkette eingebracht. „Das Studium hier eröffnet einem weltweit gute Jobchancen“, so der 22-Jährige, der später gerne in Asien arbeiten möchte. Der Weg zum Hotelmanager ist allerdings kein Zuckerschlecken und beginnt sofort mit einigen Einbußen: So wird Mario einen Teil seiner langen Haare los, bei George muss der Bart ab, und andere Studenten müssen sich ihrer Ohrringe und Piercings entledigen. Und auch die Schuluniform, die sich George und Mario abholen, lässt befürchten, dass die Individualität hier auf der Strecke bleiben könnte. Doch ganz anders als bei den toten Dichtern, steht freiheitliches Denken in Caux ganz oben auf der Wunschliste der Professoren und Dozenten. "Wir wollen Studenten, die neugierig und open minded sind", sagt Emanuel Donhauser, der Akademische Direktor der Schule.

Dass hier ein offener Geist herrscht, spürt man an jeder Ecke, überall sieht man Studenten, die sich angeregt unterhalten, es wird viel gelacht. Zur Unterstützung der guten Laune gibt es an der SHMS zahlreiche Freizeitangebote, man kann verschiedene Sportarten ausüben, es gibt ein großes Theater und auch das Feiern kommt nicht zu kurz: Im Keller gibt es sogar eine hauseigene Disco namens "Grotto", in der regelmäßig eine ausgelassene Stimmung ganz abseits von Benimm-Regeln und Schuluniform herrscht. "Wir verlangen viel von unseren Studenten, dafür müssen wir ihnen auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit geben, sich zu erholen und mal abzuschalten", sagt Donhauser. Auch wenn sich Mario und George bislang nur davon erholen müssen, einige Formalitäten erledigt und ihre Zimmer bezogen zu haben, trudeln sie am Sonntagabend noch in der "Grotto" ein. Die Kennenlernphase haben sie bereits erfolgreich eingeleitet, jedenfalls werden sie von ein paar Studentinnen und Studenten begleitet, mit denen sie sich angeregt auf Englisch unterhalten.

Man spricht englisch

Ohne Englischkenntnisse ist man an der SHMS aufgeschmissen. Denn nicht nur der Unterricht findet ausschließlich auf Englisch statt, auch die Kommunikation mit den Kommilitonen ist ohne kaum möglich. Schließlich kommen Studenten aus rund 60 Nationen zusammen. Scott aus Hawaii etwa teilt sich ein Doppelzimmer mit einem Studenten aus Kambodscha. "Ich habe mich bewusst gegen ein eigenes Zimmer entschieden, um durch meinen Mitbewohner eine andere Kultur näher kennenzulernen", betont Scott. Auch für Tamara aus Frankfurt war das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturkreise ein Grund, nach Caux zu kommen. 

"Es ist toll, wie sich die verschiedenen Nationalitäten hier mischen", sagt die 19-Jährige, die in der Dominikanischen Republik geboren wurde, ihr Abitur in den USA gemacht hat und sich nun das Zimmer mit einer Kommilitonin aus Hongkong teilt. Manchmal trifft man in Caux aber auch ganz zufällig auf ein Stück Heimat. So wohnt Sasivimol zwar mit einer Kanadierin zusammen, verbringt aber die meiste Zeit mit Kulkalya, die ebenfalls aus Bangkok kommt. Kennengelernt haben sich die beiden – na klar! – im Englischkurs. 

Dass die Internationalität in Caux ganz groß geschrieben wird, zeigt sich auch – wie der Name schon sagt – am "International Day". An diesem Tag, der jedes Jahr im November stattfindet, präsentieren die unterschiedlichen Nationen in Caux typische Speisen und Getränke aus ihrer Heimat, dargebracht in landestypischer Kleidung. Bei dieser kleinen "Weltausstellung" können die neuen Studenten dann zum ersten Mal in größerem Rahmen zeigen, was sie inzwischen alles gelernt haben in Sachen Küche und Service.

Motto: carpe diem

Das Motto, das Robin Williams im "Club der toten Dichter" an seine Schüler weitergibt, gilt auch in Caux: carpe diem. Auf jeden Fall hat man viel Zeit, "den Tag zu nutzen", wenn man schon um sechs Uhr aufstehen muss. "Die Uhrzeit ist wirklich extrem gewöhnungsbedürftig", stöhnt George, dessen erster Studientag in der Küche beginnt, während Mario zuerst im Service ran muss. George kocht gerne und freut sich insofern auf den "Küchendienst". Zum Meisterkoch wird man in Caux allerdings nicht ausgebildet, vielmehr werden den Studenten die wichtigsten Regeln für den reibungslosen Ablauf in einer Restaurant-Küche und für den korrekten Umgang mit Nahrungsmitteln vermittelt. Außerdem lernen sie, wie man Speisen auch fürs Auge herrichtet. Im Service bekommen die Neulinge vom Food and Beverage Manager Mr. Liow erst einmal die Grundregeln eingetrichtert. "Man muss Schuhe tragen, die man polieren kann", formuliert der Hongkonger seinen Wunsch nach glänzenden Schuhen. Klar, dass an diesem Abend noch einige Schuhbürsten zum Einsatz kommen werden. Die nächste Kleidungsansage ist bei jungen Menschen heutzutage eigentlich überflüssig: "Keine weißen Socken!"

Danach gibt es die erste praktische Lektion. "Wenn sich Gäste an einem Tisch einfinden, stellt man sich auf 12 Uhr, damit man alles gut im Blick hat. Später läuft alles im Uhrzeigersinn ab und dabei streng nach der Regel Ladies first." Auf die Frage von Liow, woher diese Redewendung eigentlich komme, zeigt niemand auf. "Bei Tisch haben die Herrscher früher immer zunächst die Frauen probieren lassen, um sich vor einem möglichen Giftattentat zu schützen", erklärt er schließlich mit todernster Mine, um sich anschließend vor Lachen auszuschütten: "Das war nur ein Witz", fährt Liow fort, „ tatsächlich haben die Herrscher damals den Frauen am Tisch das Essen zuerst reichen lassen, damit ihr eigenes noch heiß war, wenn es dann losging." Liow lacht wieder, bleibt aber dabei, dass dies der wirkliche Ursprung von "Ladies first" sei.

Danach geht es ans "table setting", also an das korrekte Eindecken des Tisches. Schon das Auflegen der Tischdecke ist eine Wissenschaft für sich, an der einige zu verzweifeln drohen. Immer und immer wieder versuchen sie nachzumachen, wie Liow die Decke mit ein paar eleganten Handgriffen so auf dem Tisch platziert, dass ihre Ecken und Kanten völlig symmetrisch verlaufen. Später erhalten die Studenten ihre erste Lektion darin, wie sie Speisen und Getränke zu servieren haben. Aufmerksamkeit und Konzentration sind extrem hoch, nicht zuletzt weil einige der Erstsemester das Erlernte bereits abends umsetzen sollen, wenn sie anderen Studenten der SHMS Speisen und Getränke servieren müssen. Aber auch die Theorie kommt am ersten Tag nicht zu kurz: Im Klassenverband erhalten die Neulinge ihre ersten Vorlesungen in Sachen Management, bevor dann wieder die Praxis ruft. An diesem Abend muss die „Grotto“ ohne Mario und George auskommen. Der erste Tag in Caux fordert seinen Tribut, und der Wecker kennt nun mal keine Gnade – im Club der zukünftigen Hotelmanager.

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