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06. Oktober 2009  

Mit Working Holiday Visum zum Work & Travel nach Australien

Aussteigen für Anfänger

"Work & Travel": Ein Jahr lang ein fremdes Land bereisen und zwischendurch mit Ferienjobs die Reisekasse auffüllen: In Australien, Neuseeland, Kanada und Japan ist das mit einem Working Holiday Visum möglich.  Stefan Holzbrecher
Working Holiday Visum

Ein Jahr lang in Australien leben und arbeiten - das Working Holiday Visum macht's möglich. © Travelworks.de

Es ist Heiligabend, und draußen flimmert bei 45 Grad Hitze die Luft. Drinnen, im Bus, ist es nicht viel kühler. Der Fahrer hat eine Kassette mit Weihnachtsliedern eingelegt, aber keinen der Reisenden versetzt das in die Stimmung, die sich sonst zum Weihnachtsfest bei Kerzenschein und Schneeflocken vor dem Fenster verbreitet.

Mit im Bus sitzt auch Daniela Kohr. Sie kommt gerade aus Perth, Millionenstadt an der Westküste Australiens, und will in ein Kaff irgendwo im Landesinneren. Seit sieben Wochen ist sie in Australien – vor sich hat sie noch sieben Monate.

Daniela hat sich entschieden, etwas von der Welt zu sehen, bevor sie in Deutschland ins Berufsleben startet. Mit 24 hat sie letztes Jahr ihre Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen, danach zog es sie ins Ausland. Ihre Wahl fiel auf Australien: „Weiter weg geht halt nicht.“ Weil sie nicht nur Urlaub machen, sondern Menschen und Kultur wirklich kennen lernen wollte, entschied sie sich für einen Work & Travel-Aufenthalt: Mit einem Working Holiday Visum reiste sie neun Monate lang durchs Land und füllte zwischendurch mit kleinen Nebenjobs die Reisekasse auf. In Melbourne begrüßte sie als Hostess die Besucher eines Restaurants, auf einerabgelegenen Farm jobbte sie als Nanny, in einer Bar zapfte sie Bier und auf einer Plantage sortierte und verpackte sie Bananen – alles Jobs, die für Work & Travel-Trips typisch sind. Gerade um das „fruit picking“, das Pflücken, Sortieren, Verpacken und Etikettieren von Obst, kommt kaum jemand herum. Es gibt aber auch ausgefallenere Arbeiten: Working Traveller haben schon Flugzeuge betankt, in Krokodilgehegen gearbeitet oder als Wahlkämpfer Parteien unterstützt, die sie selbst gar nicht wählen dürfen.

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Doch keiner dieser Rucksacktouristen reist nur zum Arbeiten nach Australien. Von den neun Monaten, die Daniela dort war, verbrachte sie nur etwa dreieinhalb mit Nebenjobs. In der restlichen Zeit erkundete sie mit dem Rucksack auf dem Rücken das Land. Das geht natürlich ins Geld: „Durch das Jobben allein kann man so eine Reise auf keinen Fall finanzieren“, sagt Daniela.

Rund 3.000 Euro solle man mindestens mitbringen. Tatsächlich ist ein gefülltes Bankkonto sogar eine Bedingung dafür, ein Visum zu bekommen. Wer nicht belegen kann, dass er genügend „Notreserven“ hat, geht leer aus. Je nach Land liegt das Minimum bei 2.000 bis 3.000 Euro. „Viele unserer Kunden arbeiten daher bereits vor ihrer Reise für ein paar Wochen“, erklärt Tanja Kuntz von der Reiseagentur Travelworks, mit deren Hilfe Daniela ihre Reise vorbereitet hat Travelworks und andere Agenturen bieten den Reisenden einen Rundum-Service: Sie beantragen Visum und Steuernummer, buchen Flüge, reservieren einen Platz für die ersten Nächte im Youth Hostel und sind Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt. Obwohl viele diese Services schon nach den ersten paar Wochen im Ausland gar nicht mehr in Anspruch nehmen, schätzen die meisten das Gefühl, sich im Notfall an jemanden wenden zu können, der die eigene Sprache spricht und schnell und unbürokratisch hilft. Vorgeschrieben ist das Beauftragen einer Agentur jedoch nicht. Wer bereits Auslandserfahrung hat und die Landessprache beherrscht, kann seine Reise auch auf eigene Faust organisieren und schont damit die Reisekasse. 

Inzwischen ist Daniela zurück in Deutschland, aber Australien bleibt sie weiter verbunden: „Dort sind die Menschen lockerer als hier, und ein bisschen was von dieser Lebensart möchte ich mir bewahren. Öfter mal entspannt bleiben, nicht so verbissen sein.“ In ihren eigentlichen Beruf, Industriekauffrau, möchte sie erstmal nicht zurück. Stattdessen sucht sie einen Job, in dem sie rumkommt: „Am liebsten in der Reisebranche.“

 

Work & Travel

Jährlich reisen etwa 20.000 junge Deutsche mit Working Holiday Visa ins Ausland. Das mit Abstand beliebteste Ziel ist Australien, gefolgt von Neuseeland, Kanada und Japan. Bis zu 12 Monate lang dürfen sich Besitzer eines Visums im jeweiligen Land aufhalten und mit Aushilfsjobs Geld verdienen. Wer ein Working Holiday Visum erhalten möchte, muss eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen: In Australien, Neuseeland und Japan müssen Bewerber zwischen 18 und 30 Jahre alt sein, in Kanada zwischen 18 und 35 (entscheidend ist der Tag der Beantragung des Visums). Die Zahl der Visa für Kanada ist begrenzt. Die Botschaft empfiehlt daher, das Visum frühzeitig zu beantragen. Für alle Länder gilt: Vor der Einreise muss der Besitz einer Mindestmenge an Geld nachgewiesen werden. In Australien sind dies ca. 3000 Euro, in Neuseeland ca. 2.200 Euro. In Kanada ist die Summe nicht exakt vorgeschrieben. Als empfehlenswert gelten 2.500 bis 3000 Euro. Je nach Land müssen zudem eine Bescheinigung über eine Krankenversicherung, ein polizeiliches Führungszeugnis oder ein Motivationsschreiben vorgelegt werden.

 

Freiwilligenarbeit im Ausland

Wer sich für einen Freiwilligendienst entscheidet, verbringt – ähnlich wie bei einem Work & Travel-Aufenthalt – eine Zeit im Ausland, um dort zu arbeiten. Allerdings fließt bei der Freiwilligenarbeit kein Geld: Die Teilnehmer arbeiten ehrenamtlich in sozialen oder ökologischen Projekten in Schwellenund Entwicklungsländern. Kost und Logis werden jedoch in der Regel gestellt.

 

Wwoofing

„WWOOF“ steht für „World Wide Opportunities On Organic Farms“. Ähnlich wie bei der Freiwilligenarbeit arbeiten Teilnehmer nicht gegen Geld, sondern ausschließlich gegen Kost und Logis. Das Besondere: Es handelt sich um Arbeiten auf Bio-Bauernhöfen überall auf der Welt. Über das WWOOF-Netzwerk sind Farmbesitzer, Reisende und Interessierte vernetzt.

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