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17. Mai 2013  

Bachelor Plus

Ab ins Ausland dank Extrajahr

Während des Bachelor-Studiums bleibt oft wenig Zeit für einen Auslandsaufenthalt. Wer will, kann sich gezielt für einen vierjährigen Studiengang "Bachelor Plus" bewerben und als Stipendiat wichtige Zusatzqualifikationen für die Zukunft sammeln. Anika Lautz

Wenn Michael Fox, 24, über sein Auslandsjahr in den USA spricht, merkt man ihm sofort an, dass er gerne an diese Zeit zurückdenkt. "Ich wollte schon immer wissen, ob sich das Leben an einer amerikanischen Uni wirklich so abspielt, wie ich es mir vorgestellt habe." Im fünften Semester ist er während seines Architektur-Studiums "Bachelor Plus" an der Technischen Universität München für ein Jahr nach Atlanta geflogen. Die Erfahrungen, die er dort gesammelt hat, will er nicht mehr missen. "Das Campus-Leben war ganz anders als bei uns. Die Klassen waren kleiner, die Förderung besser und die persönliche Bindung zwischen Professor und Studenten enger. Dafür war der Unterricht nicht so anspruchsvoll."

Mit Bachelor Plus Zeit gewinnen

Dass er sich seinen Wunsch erfüllen und ein Jahr in den USA verbringen konnte, war nur möglich, weil er als Stipendiat am so genannten Bachelor-Plus-Programm teilnimmt. Diese Förderung hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ins Leben gerufen und hilft damit Hochschulen, vierjährige Bachelor-Studiengänge einzurichten und ein Auslandsjahr in den Studienplan zu integrieren. "Bisher ging das immer auf Kosten der Studienzeit. Innerhalb von nur drei Jahren ist so ein Auslandsaufenthalt einfach schwer unterzubringen", erklärt Birgit Siebe-Herbig, die beim DAAD das Referat Internationalisierung von Studium und Lehre leitet. Denn in den Semesterferien sitzen einem fast immer Hausarbeiten, Prüfungen und das leidige Thema Geldverdienen im Nacken. Und wer ein Urlaubssemester beantragt, kann sich die erbrachten Studienleistungen nicht anrechnen lassen. Mit dem Bachelor-Plus-Programm dagegen können Studenten ihre interkulturellen Kompetenzen ausbauen, ohne Zeit zu verlieren, und erhalten einen Nachweis über ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen.

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Wie genau die Teilnehmer ihren Aufenthalt in der Ferne gestalten, ist ihnen selbst überlassen. Entweder verbringen sie zwei Semester an einer Partneruni, oder sie entscheiden sich für die Kombination aus Studien- und Praxissemester. Bei der Wahl des Ziellandes haben die Studenten klare Präferenzen. "Beliebt sind vor allem Spanien, Großbritannien und Finnland", berichtet Birgit Siebe-Herbig vom DAAD. Viele wollen aber auch nach China oder wie Michael Fox in die USA reisen. Wohin es letztlich geht, hängt von den Partnerunis der eigenen Hochschule ab. Denn nur durch deren enge Absprachen können sich die Studenten sicher sein, dass ihre dort erbrachten Leistungen auch angerechnet werden. Über die Finanzen brauchen sich die Stipendiaten des Bachelor-Plus-Programms während des Auslandsjahres keine Gedanken machen. "Sie erhalten ein monatliches Teilstipendium in Höhe von 300 Euro, eine Reisekostenpauschale und eine monatliche Versicherungspauschale", erklärt Siebe-Herbig. Fallen zusätzlich Studiengebühren an, könne maximal die Hälfte der Kosten übernommen werden. In vielen Branchen sind Auslandserfahrungen ein wichtiges Kriterium bei der Bewerberauswahl, entsprechend groß ist das Interesse am Bachelor-Plus-Programm – vor allem in den Rechts-, Wirtschafts-, Sozial-, Sprach-, Kultur- und Ingenieurwissenschaften.

Voraussetzungen erfüllen

Die Auswahl der Stipendiaten übernehmen die Unis in Eigenregie. Weil pro Studiengang durchschnittlich nur fünf bis sechs Studenten im Jahr durch das Bachelor-Plus-Programm gefördert werden können, müssen die Bewerber ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ein wichtiges Kriterium sind überdurchschnittlich gute Noten. Außerdem verlangen viele Hochschulen ein zusätzliches Motivationsschreiben. In der Regel müssen auch ausreichende Sprachkenntnisse und in Einzelfällen sogar Auslandserfahrungen nachgewiesen werden. Stimmt der Papierkram, steht für viele Studenten noch ein abschließendes Bewerbungsgespräch an.

Hat man das Stipendium des Bachelor-Plus-Programms sicher in der Tasche, heißt es Vorbereitungen treffen. Damit das Leben und Lernen im Ausland möglichst viel Spaß macht, bereiten die Hochschulen ihre Stipendiaten gut darauf vor. Sprachkurse und interkulturelle Workshops helfen, sich auf die anstehenden Herausforderungen einzustellen. Denn wer etwa in den asiatischen oder arabischen Raum reisen will, sollte die Bräuche des Landes kennen. Selbstverständlich werden die Studenten auch während des Auslandssemesters nicht allein gelassen. So stehen an den Partner-Unis in der Regel persönliche Ansprechpartner zu Verfügung. "Vor allem in der Anfangsphase war mein Buddy eine echte Hilfe", sagt Michael. "Er war bei Fragen oder Problemen für mich da und hat mir verraten, wo ich andere Austauschstudenten treffen kann." Nach seiner Rückkehr hat sich Michael für amerikanische Studenten an seiner Hochschule als freiwilliger Helfer zur Verfügung gestellt.

Kontakte knüpfen, Chancen nutzen

Doch für wen ist so ein Studium Bachelor-Plus-überhaupt sinnvoll? In bestimmten Fächern gehört die Auslandserfahrung einfach zwingend dazu. Koreanistik-Studenten beispielsweise sollten mindestens einmal in Südkorea gewesen sein. Und wer sich mit Kulturwissenschaften beschäftigt, darf andere Kulturen nicht nur theoretisch kennen. "Gerade für diejenigen, die direkt nach dem Bachelor ins Berufsleben einsteigen wollen, ist das Förderprogramm ideal. Durch ihre Erfahrungen im Ausland können sie zusätzliche Qualifikationen und eventuell sogar Arbeitserfahrung nachweisen", erklärt Birgit Siebe-Herbig vom DAAD. Aber auch, wer einen Masterstudiengang anschließt, kann davon profitieren. "So ein Auslandsjahr ist eine echte Chance, Kontakte zu knüpfen", sagt Michael. Er will die Möglichkeiten, die sich durch den Bachelor Plus ergeben, auf jeden Fall nutzen. "Freunde, die in den USA arbeiten, haben mir bereits einen Praktikumsplatz angeboten. Und einer meiner amerikanischen Professoren hat auf vielen Kontinenten gute Verbindungen. Wenn ich will, kann ich im Master mit seiner Hilfe noch mal ganz woanders studieren." Und wer weiß, vielleicht zieht Michael auf diesem Weg ja einen echten Traumjob im Ausland an Land.

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