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24.05.2012  
Ausbildung im Ausland

Azubis ohne Grenzen

Im Studium ist es ganz normal, ein Auslandssemester einzulegen. Schwieriger gestaltet sich der Gang über die Grenze in einer Berufsausbildung. Doch auch für Azubis ist es möglich, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu verbringen, zum Beispiel mit Hilfe des "Europass".

Das Problem

Das duale Ausbildungssystem in Deutschland mit dem regelmäßigen Wechsel zwischen Praxis im Unternehmen und Unterricht in der Berufsschule gibt es sonst fast nirgendwo auf der Welt. In den meisten Ländern findet Berufsausbildung an privaten oder staatlichen Schulen statt. Die Inhalte und Prüfungsordnungen unterscheiden sich von denen in Deutschland. Das macht die Ausbildung im Ausland schwierig. Die gegenseitige Anerkennung von Ausbildungsphasen oder sogar kompletten Berufsabschlüssen ist fast unmöglich.

Recht auf Auslandsaufenthalt

Dennoch steht seit 2005 schwarz auf weiß im Berufsbildungsgesetz, dass Azubis einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland verbringen dürfen und die dort erbrachten Leistungen in Deutschland anerkannt werden. Ein bundesweit einheitliches Austausch- oder Stipendienprogramm gibt es jedoch nicht. Wer sein Recht auf einen Auslandsaufenthalt wahrnehmen will, muss viel selbst recherchieren, organisieren und beantragen. Es lohnt sich jedoch, Ausbilder im Betrieb oder Berufsschullehrer in Sachen Auslandsaufenthalt um Hilfe zu bitten und sich bei ihnen nach Austausch- bzw. Praktikantenprogrammen erkundigen. Solche Programme zur Ausbildung im Ausland beinhalten meist Vorbereitungskurse in Deutschland und können über das EU-Bildungsstipendium Leonardo da Vinci finanziell gefördert werden.

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Rahmenbedingungen für die Ausbildung im Ausland

  • Maximal ein Viertel der Ausbildung kann im Ausland absolviert werden.
  • Ein Auslandsaufenthalt muss als Ausbildungsmaßnahme in den Ausbildungsvertrag aufgenommen werden.
  • Der Ausbildungsbetrieb muss die Ausbildungsvergütung auch während des Auslandsaufenthalts zahlen. Der aufnehmende Betrieb kann einen Teil davon übernehmen.
  • Kosten für Reise und Unterkunft muss der Azubi tragen. Förderprogramme wie Leonardo da Vinci helfen bei der Finanzierung.
  • Der Azubi muss eine Freistellung der Berufsschule beantragen und den versäumten Stoff nacharbeiten.
  • Das Berichtsheft muss auch im Ausland geführt werden.

Der Europass

Damit die im Ausland erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten nach der Rückkehr auch Anerkennung in Deutschland finden, hat die Europäische Union den Europass erfunden. Im Europass werden die Inhalte, die Ziele und die Dauer des Auslandsaufenthalts dokumentiert. Der Europass vermittelt damit einen genauen Überblick über den Umfang der internationalen Erfahrung.

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