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05. Dezember 2017  

Schulnoten, Arbeits- und Sozialverhalten

Wie Betriebe ihre Auszubildenden auswählen

Schulnoten, Bewertungen des Sozialverhaltens und unentschuldigte Fehltage beeinflussen die Bewerberbewertung unabhängig von der Rekrutierungssituation.

Dies zeigt eine Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Die Befragung zeigt aber auch, dass Betriebe mit Rekrutierungsschwierigkeiten etwas eher bereit sind, Bewerber mit schlechteren Leistungsmerkmalen beim nächsten Auswahlschritt zu berücksichtigen als Betriebe in günstigerer Ausgangslage.

Die Betriebe sollten anhand fiktiver Profile angeben, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Bewerber im weiteren Auswahlverfahren berücksichtigt werden. Für Bewerber mit mittlerem Schulabschluss bleiben die schulischen Leistungen in Form von Schulnoten sowie Arbeits- und Sozialverhalten (unentschuldigte Fehltage und Kopfnoten) für die befragten Betriebe wichtige Kriterien bei der Bewerberauswahl. Stecken Betriebe wegen fehlender Nachfrage nach den von ihnen angebotenen Ausbildungsstellen in einer schwierigen Rekrutierungssituation, dann sind sie nach Durchsicht der schriftlichen Bewerbungsunterlagen grundsätzlich eher bereit, sowohl Bewerber mit guten als auch solche mit etwas schlechteren Voraussetzungen beim nächsten Auswahlschritt einzubeziehen. Das heißt aber nicht, dass Betriebe in schwierigen Situationen grundsätzlich Abstriche bei ihren Auswahlkriterien machen und Bewerbern unabhängig von ihren schulischen Leistungen zu einem Vorstellungsgespräch oder Einstellungstest einladen. Diese Tatsache spricht dafür, dass diese Kriterien nach Einschätzung der Betriebe auch bei Problemen auf dem Ausbildungsstellenmarkt unverzichtbar für das erfolgreiche Absolvieren einer betrieblichen Ausbildung sind. Dennoch zeigen die Ergebnisse aus Sicht von WZB-Direktorin Prof. Heike Solga, dass es keine absolut gesetzten Ausbildungsanforderungen gibt und die Betriebe grundsätzlich in schwierigen Situationen auch schlechtere Bewerber berücksichtigen. „Diese Flexibilität sollte mehr genutzt werden, um unbesetzte Ausbildungsplätze für suchende Jugendliche zu öffnen“, so Solga.

Die Studie liefert damit auch einen Erklärungsbaustein für die nach wie vor hohe Zahl unbesetzt bleibender Ausbildungsstellen. BIBB-Präsident Professor Friedrich Hubert Esser appelliert daher an beide Seiten: „Alle Beteiligten sollten sich an ihre eigenen beruflichen Anfänge erinnern und sich vergegenwärtigen, mit welchen Fähigkeiten und Kenntnissen sie selbst ins Berufsleben gestartet sind und wie sie erst im Laufe der Zeit wichtige Erfahrungen gesammelt und berufliche Kompetenzen aufgebaut haben. Betriebe sollten mehr jungen Ausbildungssuchenden die Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen einräumen“. Von den Bewerbern wünscht er sich mehr Mobilität und die Bereitschaft, Regionen in Betracht zu ziehen, in denen Auszubildende verstärkt gesucht werden. 

Quelle: Pressemitteilung Bundesinstitut für Berufsbildung
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