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01. September 2017  

Duale Ausbildung

Trotz Rekordbeschäftigung weniger Ausbildungsplätze

Der Exportschlager duale Ausbildung droht in Deutschland branchenübergreifend zum Auslaufmodell zu werden. Während die Beschäftigungszahlen kontinuierlich steigen, wird in Betrieben immer weniger ausgebildet.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein Forschungsprojekt des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Universität in Göttingen, das von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde. Die Untersuchung zeigt, dass die Ausbildungsquote rückläufig ist, obwohl der Arbeitsmarkt in Deutschland immer neue Rekorde bei den Beschäftigtenzahlen verzeichnet. Während es zwischen 1999 und 2015 einen Zuwachs an Beschäftigten in Höhe von 12,1 Prozent gegeben hat, ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Auszubildenden um 6,7 Prozent zurückgegangen. Seit der Finanzkrise 2008 geht die Entwicklung von Ausbildung und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung besonders stark auseinander. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht in der Entkopplung von Arbeit und Ausbildung eine Gefahr: "Wenn Unternehmen in der aktuell guten Konjunktur- und Beschäftigungslage nicht mehr junge Menschen ausbilden, ist der Fachkräftemangel hausgemacht."

Großbetrieben sind gefordert

Die unterschiedliche Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung zeigt sich in allen Betriebsgrößen. Bei Kleinst- und Kleinbetrieben zeigt sich der Effekt aber besonders stark, der klassische Mittelstand zeigt sich dagegen relativ stabil. In Kleinstbetrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern ging zwischen 1999 und 2015 die Zahl der Beschäftigten leicht um 3,2 Prozent zurück. Die Zahl der Auszubildenden sank jedoch im gleichen Zeitraum um ein Drittel. Mehr als die Hälfte dieser Betriebe sind den Branchen Handel oder Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zuzurechnen. Absolvierten im Jahr 2008 noch rund 225.000 junge Menschen ihre Ausbildung in Kleinstbetrieben, waren es 2015 gut 75.000 weniger. Für die Ausbildungsquote, also das Verhältnis von Auszubildenden zu Beschäftigten, bedeutet dies seit 2008 einen Rückgang von 7,5 auf weniger als 5 Prozent. Ähnlich läuft die Entwicklung für Kleinbetriebe mit einer Belegschaft von 6 bis 49 Mitarbeitern. Diese Betriebe erbringen etwa ein Drittel der gesamten Ausbildungsleistung. Bei ihnen sank die Ausbildungsquote von 7,4 Prozent im Jahr 2008 auf 5,8 Prozent 2015. Das entspricht einem absoluten Rückgang um mehr als 65.000 auf rund 540.000 Auszubildende.

Einzig Betriebe mit einer Belegschaft von 50 bis 249 Mitarbeitern haben im Untersuchungszeitraum einen Anstieg Auszubildenden an Auszubildenden zu verzeichnen (+11,3 Prozent). Allerdings sinkt auch hier die Ausbildungsquote, da die Zahl der Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum um 19,3 Prozent gestiegen ist. 

Großbetriebe mit mehr als 500 Beschäftigten bilden über den gesamten Untersuchungszeitraum im Verhältnis zu ihren Belegschaften am wenigsten aus. Im Jahr 2015 lag ihre Ausbildungsquote bei 4,4 Prozent. "Großbetriebe sollten ihre Ausbildungsaktivität steigern" fordert deshalb Dräger, denn gerade sie verfügten über die notwendigen Mittel und Strukturen. 

Flexiblere Ausbildungswege und individuelle Unterstützung

In Deutschland bleibt schon heute jeder Achte in der Altersgruppe der 20- 29-Jährigen ohne Berufsabschluss. Vom Rückgang der Ausbildungsplätze sind besonders Jugendliche betroffen, die maximal einen Hauptschulabschluss haben und tendenziell häufiger in Klein- und Kleinstbetrieben ausgebildet werden. "Wir können es uns nicht leisten, junge Menschen ohne Berufsabschluss ins Leben starten zu lassen", so Dräger. Neben dem Ausbau von Unterstützungsangeboten für Betriebe bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher fordert die Bertelsmann Stiftung deshalb auch eine Ausbildungsgarantie der öffentlichen Hand. Diese soll jedem jungen Menschen die Chance auf einen Berufsabschluss eröffnen. 

Mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel sieht Dräger die Notwendigkeit, die berufliche Bildung für junge Menschen und Unternehmer wieder attraktiver zu machen: "Wir brauchen flexiblere Ausbildungswege und mehr individuelle Unterstützung für Azubis und Ausbilder. Der Staat muss mehr in die Berufsschulen investieren und erfolgreichen Absolventen sowohl berufliche Weiterbildungsperspektiven als auch Wege in die Hochschulbildung anbieten."

Quelle: Pressemittteilung Bertelsmann Stiftung
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