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07. März 2017  

Nachhilfe

Kinder aus wohlhabenden Familien in der Überzahl

Kommerzielle Nachhilfe ist in Deutschland ein Milliardengeschäft. Doch anstatt die durch das Bildungssystem verursachten sozialen Differenzen auszugleichen, verstärkt die außerschulische Förderung diese weiter.
Korrigierter Aufsatz

Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zeigt, dass vom privaten Nachhilfeunterricht abseits der staatlichen Aufsicht vor allem Kindern aus höheren Schichten profitieren. Die zwischen März 2012 und Juli 2013 von einem Forscherteam der Universität Duisburg-Essen durchgeführte Befragung, an der sich fast 400 Nachhilfeinstitute beteiligten, ist die erste ihrer Art. Geleitet wurde sie von den Bildungsforschern Klaus Birkelbach und Rolf Dobischat von der Universität Duisburg-Essen sowie Birte Dobischat.

Eine offizielle Statistik darüber, wie viele Schüler überhaupt Nachhilfe bekommen, gibt es nicht. Auch die besagte Studie ist nicht repräsentativ, liefert aber wichtige Orientierungsdaten. Mit Sicherheit kann man danach sagen, dass die Zahl der Schüler, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, seit den 70er Jahren zugenommen hat. Verschiedene Studien belegen, dass je nach Art und Abgrenzung der Studien zwischen 6 und 27 Prozent aller Schüler zur Nachhilfe gehen. Besonders hoch ist der Anteil der Fünfzehnjährigen – 29 Prozent nehmen Untersuchungen zufolge die privaten Förderstunden in Anspruch. 

Eine Milliarde Euro werden laut Schätzungen für Nachhilfestunden ausgegeben. Bildungsforscher führen dies zurück auf den gestiegenen Leistungsdruck, den sich zunehmend verschärfenden Wettbewerb um die aussichtsreichsten Bildungswege sowie den gestiegenen Ehrgeiz der Eltern und der daraus resultierenden Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulsystem. Den Eltern gehe es dabei nicht um die Lerninhalte, sondern vielmehr um die Zeugnisse. Nachhilfe bekommen schon längst nicht mehr nur versetzungsgefährdete, sondern vor allem durchschnittliche Schüler.

Doch nicht alleine die Noten entscheiden darüber, ob ein Schüler zur Nachhilfe geht oder nicht. Vielmehr sind es Ehrgeiz und Geldbeutel der Eltern. Die Umfrage der Forscher unterstreicht, „dass kommerzielle Nachhilfe soziale Ungleichheiten tendenziell verstärkt“, so Birkelbach und Rolf und Birte Dobischat. Die meisten Schüler  (62 Prozent) stammen nach Einschätzung der befragten Nachhilfeinstitute aus der „mittleren Mittelschicht“. 26 Prozent gehören der „oberen Mittelschicht“, zwei Prozent der Oberschicht an. Die drei höchsten Statusgruppen seien damit „deutlich überrepräsentiert“, so die Forscher, „während Kinder aus unterer Mittel- (neun Prozent) und Unterschicht (ein Prozent) „etwa im gleichen Ausmaß unterrepräsentiert sind.“ An der ungleichen Verteilung, die vor allem auf das soziale Milieu zurückzuführen ist, hat auch die Möglichkeit zur Lernförderung nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz für einkommensschwache Familien nichts geändert. 

Schlagworte:
 
SchuleNachhilfeBildungChancen

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