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16. März 2017  

Chancenspiegel 2017

Bessere Chancen, aber Unterschiede wachsen

Seit der ersten Pisa-Studie 2000 haben sich die Leistungen der Schüler verbessert und immer weniger bleiben ohne Abschluss. Dass die soziale Herkunft bei der Chancenverteilung eine Rolle spielt, ist bekannt. Doch auch unter den Bundesländern gibt es Unterschiede.

Zwar wurde das Schulsystem in Deutschland in den vergangenen Jahren modernisiert, die einzelnen Bundesländer haben sich dabei aber unterschiedlich entwickelt. Zu dieser Erkenntnis kommt der Chancenspiegel 2017, den die Bertelsmann Stiftung, die Technische Universität Dortmund und die Friedrich-Schiller-Universität Jena Anfang März veröffentlichten. Laut Chancenspiegel sind die Schulsysteme in allen Bundesländern leistungsstärker und gerechter geworden, allerdings auf unterschiedlichem Niveau und mit anderen Schwachstellen. Positiv ist, dass seit 2002 immer mehr Schulen zu Ganztagsschulen ausgebaut wurden und sich das Land seit 2009 in der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap zu fördern. Zudem machen viele Länder ihre Schulsysteme durchlässiger und ermöglichen mehr Schülern das Abitur oder Fachabitur. Erfreulich ist auch, dass Förderschüler mittlerweile besser integriert sind und häufiger eine reguläre Schule besuchen. „Bei zunehmender Vielfalt in den Klassenzimmern gibt es in den Bildungssystemen aller Bundesländer Verbesserungen. Das ist ein Verdienst von Politik und Lehrern", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. 

"Die generellen Verbesserungen hinsichtlich der Chancengerechtigkeit dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt und diese seit 2002 noch gewachsen sind", betont Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund.  Der Anteil der Ganztagsschüler schwankt zwischen 15 Prozent in Bayern und 80 Prozent in Sachsen. In Mecklenburg-Vorpommern besuchen sieben Prozent der Schüler eine Förderschule, in Bremen 1,5 Prozent. Auch bei der Exklusion sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern seit 2002 größer geworden. Die Abstände der Bundesländer beim Erwerb der Hochschulreife haben in den letzten 12 Jahren ebenfalls zugenommen. Die Aussicht auf ein Studium reicht von 62 Prozent in Hamburg bis 38 Prozent in Sachsen-Anhalt. Bleiben in Brandenburg nur knapp vier Prozent der ausländischen Schüler ohne Schulabschluss, sind es in Sachsen sogar 27 Prozent.  „Welche Institutionen wie auf die Chancengerechtigkeit der Schulsysteme wirken, ist zukünftig verstärkt zu erforschen. Eindeutig ist, dass in Bund und Ländern über Standards gerechter Schulsysteme diskutiert werden sollte", so die Professoren Berkemeyer und Bos. 

Die Hochschulpolitik  steht vor großen Herausforderungen. Dies gilt vor allem für den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. So liegen Neuntklässler aus sozialökonomischen Milieus in ihren Lesekompetenzen immer noch zwei Jahre hinter ihren gleichaltrigen Mitschülern aus privilegierten Milieus zurück. War das Risiko eines Schulabbruchs sowohl für deutsche als auch für ausländische Schüler lange Zeit gesunken, steigt es für letztere nun wieder leicht an.

Im Interesse der Jugendlichen und der Gesellschaft muss das Schulsystem für vergleichbare Chancen sorgen und allen Schülern ein Mindestmaß an vergleichbaren Fähigkeiten vermitteln. „Bessere Chancen für alle Schüler gibt es nur, wenn Bund und Länder mehr in die Schulsysteme investieren und gemeinsame Qualitätsstandards für ganztägige und inklusive Schulen vereinbaren“, erklärt Jörg Dräger.

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SchulentwicklungSchulstrukturPISAGanztagsschule

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