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22. Mai 2017  

Chancengleichheit

Ausbildungschancen junger Migranten sinken wieder

Für junge Migranten ist die Suche nach einem Ausbildungsplatz in den Jahren 2004 bis 2016 deutlich weniger erfolgreich gewesen als für Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Ihre schlechteren Chancen können jedoch keinesfalls allein auf ihre geringeren schulischen Qualifikationen zurückgeführt werden.
Junger Mann bedient Maschine.

Konnten zwischen 2010 und 2012 noch 35 Prozent der Ausbildungsstellenbewerber mit Migrationshintergrund eine duale Berufsausbildung beginnen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 29 Prozent. Bei den Bewerbern ohne Migrationshintergrund unterschrieben immerhin 47 Prozent einen Ausbildungsvertrag. Dies zeigt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf Basis von Befragungen ausbildungsreifer Jugendlicher, die bei der Bundesagentur für Arbeit als Bewerber um einen Ausbildungsplatz gemeldet waren. 

Zwar konnten die Bewerber mit Migrationshintergrund deutlich niedrigere allgemeinbildende Schulabschlüsse aufweisen, ihre schlechteren Einstellungschancen können jedoch keinesfalls allein auf ihre geringeren schulischen Qualifikationen zurückgeführt werden. Denn selbst bei gleichem Schulabschluss erhielten junge Menschen mit Migrationshintergrund viel seltener einen Ausbildungsplatz. Sogar bei Vorliegen einer Studienberechtigung haben sie im vergangenen Jahr seltener einen Ausbildungsplatz gefunden als Jugendliche ohne Migrationshintergrund mit Hauptschulabschluss. Besonders schwer haben es Bewerber, deren Familien aus der Türkei oder arabischen Staaten stammen. Nur 22 Prozent der Bewerber türkisch-arabischer Herkunft erhielten 2016 einen Ausbildungsvertrag. Zum Vergleich: 30 Prozent der Jugendlichen mit Herkunft aus osteuropäischen Staaten beziehungsweise der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) und 27 Prozent derjenigen mit südeuropäischer Herkunft waren bei der Ausbildungssuche erfolgreich. 

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die jungen Migranten zunehmend in Deutschland geboren wurden und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Im Jahr 2016 traf dies auf 65 bzw. 60 Prozent zu. Somit haben sie Deutsch als erste Sprache im Kindesalter gelernt. 2016 war für 67 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund Deutsch die Muttersprache. 

Der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund an allen gemeldeten Bewerbern ist zwischen 2004 und 2016 um 9 Prozent auf 29 Prozent gestiegen. Von der großen Zahl der 2015 und 2016 nach Deutschland geflüchteten jungen Menschen waren im Jahr 2016 erst sehr wenige als Bewerber bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Diese Gruppe ist daher in den Befragungsdaten, die der BIBB-Analyse zugrunde liegen, noch so gut wie nicht repräsentiert. 

In den kommenden Jahren, so das Fazit des BIBB-Beitrags, bedarf es nicht nur im Hinblick auf die berufliche Qualifizierung junger geflüchteter Menschen großer Anstrengungen. Insbesondere müssen auch die Ausbildungsmöglichkeiten im dualen System für die große Zahl junger Migranten und Migrantinnen, die schon in Deutschland geboren sind oder bereits längere Zeit hier leben, wesentlich verbessert werden.

Quelle: Pressemitteilung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Schlagworte:
 
ChancenAusbildungsvertragMigration

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