Studieren auf Pump
Mehrere Banken ermöglichen es Studenten, mit Studienkrediten ihr gesamtes Studium zu finanzieren oder Finanzerungslücken zu schließen.
Wenn du einen Studienkredit in Anspruch nimmst, bekommst du jeden Monat Geld von einer Bank. Theoretisch kannst du so das gesamte Studium finanzieren. Die meisten Studierenden nutzen einen Kredit allerdings eher als Ergänzung – so bleibt der Schuldenberg übersichtlich. Anders als das Bafög musst du das Geld aus dem Kredit nämlich vollständig zurückzahlen – plus Zinsen.
Wie funktioniert ein Studienkredit?
Laufzeit
Die Laufzeit des Kredit ist in drei Phasen unterteilt. Die erste Phase ist die Auszahlungsphase, also die Zeit, in der der Kreditnehmer an einer Hochschule eingeschrieben ist und per Studienkredit monatlich oder einmalig Geld einer Bank in Anspruch nimmt. Die Dauer der Auszahlungsphase ist begrenzt. Je nach Kreditinstitut erstreckt sie sich über maximal 14 Semester.
Auf sie folgt die Karenzphase: Um die Zeit zwischen Studienabschluss und Berufseinstieg nicht finanziell zu belasten, haben Kreditnehmer die Möglichkeit, dem Beginn der Rückzahlungen an die Bank aufzuschieben. Je nach Anbieter kann diese rückzahlungsfreie Zeit auf maximal 24 Monate ausgedehnt werden.
Daran anschließend beginnt die Rückzahlungsphase. In monatlichen Raten zahlen die Kreditnehmer ihre Schulden an die Bank zurück. Auch diese Phase ist zeitlich begrenzt. Die KfW-Förderbank erlaubt eine Streckung auf maximal 25 Jahre, alle anderen Anbieter begrenzen die Phase auf zwischen 5 uns 12 Jahre. Die Gesamtlaufzeit (alle Phasen) des Kredits kann also bis zu 33 Jahre betragen.
Zinsen
Bei den Zinsen unterscheidet man zwischen festem Zins und variablen Zinsen. Ein Festzinssatz wird wird bei Abschluss des Kreditvertrags fixiert und bleibt über die gesamte Kreditlaufzeit konstant. Variable Zinsen werden dagegen regelmäßig an die Entwicklung der Finanzmärkte angepasst (in den meisten Fällen zwei Mal jährlich). Sie können also während der Laufzeit sinken, aber auch steigen. Viele Banken garantieren allerdings einen vorher festgelegten Maximalzinssatz.
Darüber hinaus gilt es, zwischen Nominal- und Effektivzins zu unterscheiden. Fast alle Banken geben bei der Bewerbung ihrer Kredite den Nominalzinssatz an. Dieser stellt jedoch nur einen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten dar. Mögliche Verwaltungsgebühren und andere "versteckte" Forderungen sind hier nicht eingerechnet. Aufschlussreicher ist daher der Effektivzinsatz, bei dessen Berechnung alle Kosten berücksichtigt werden. Er ist daher eine gute Größe, um Angebote verschiedener Banken zu vergleichen.
Gesamtbelastung
Die Gesamtbelastung des Kreditnehmers besteht aus der an ihn ausgezahlten Kreditsumme, möglichen Verwaltungs- und anderen Zusatzgebühren und der Zinsschuld, die während der Laufzeit entsteht. Da die ausbezahlten Beträge jährlich immer wieder neu verzinst werden, entwickelt sich die Gesamtbelastung nicht linear, sondern exponentiell. Wichtig: Zinsen fallen nicht nur während der Auszahlungsphase, sondern während der gesamten Laufzeit des Kredits an. Je kürzer also Karenz- und Rückzahlungsphase sind, desto niedriger bleibt die Zinsbelastung – der Kredit wird billiger. Alle Angebote sind in ihrem Kreditvolumen begrenzt. Die KfW-Förderbank zahlt maximal 54.600 Euro aus, die Höchstgrenzen aller anderen Anbieter liegen darunter.
Worauf sollte man achten?
Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das jährlich Studienkreditangebote miteinander vergleicht, rät, den passenden Kredit in vier Schritten zu finden.
1. Bedarf festlegen
So wenig aufnehmen wie möglich, aber so viel, wie für ein reibungsloses Studium nötig ist.
2. Anforderungen klären
Was ist dir besonders wichtig: ein niedriger Zinssatz? Die Möglichkeit, die monatliche Auszahlungssumme immer wieder zu ändern? Dass die Bank keine Sicherheiten fordert (zum Beispielsweise eine Bürgschaft der Eltern)?
3. Angebote vergleichen
Welche Kredite passen zu deinen Anforderungen? Um das herauszufinden, musst du viele Angebote vergleichen.
4. Persönliche Beratung
Lass dich von den Anbietern, deren Angebote infrage kommen, persönlich beraten und dir ein verbindliches Angebot erstellen. Manche Banken sind flexibel und reagieren im Beratungsgespräch auf Wünsche der Kunden.
Alternative Bildungsfonds
Eine Alternative zu Studienkrediten können so genannte Bildungsfonds sein. Der Unterschied: Die Tilgung erfolgt einkommensabhängig. Nach dem Berufseinstieg zahlt der Absolvent für einen bestimmten Zeitraum einen bereits bei Vertragsabschluss festgelegten Prozentsatz seines Gehalts an den Fondsanbieter zurück. Man hat also keinen fixen Schuldenberg: Wer später viel verdient, zahlt auch mehr zurück. Wer mit einem kleinen Gehalt auskommen muss, tilgt letztlich vielleicht sogar weniger, als er während des Studiums rausbekommen hat. Dementsprechend bemühen sich die Bildungsfonds natürlich, nur die "High Potentials" unter den Studierenden unter ihre Fittiche zu bekommen, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Die Konsequenz ist ein hartes Auswahlverfahren, auf das man sich gut vorbereiten muss. Die meisten Bildungsfonds werden in Deutschland von CareerConcept vermittelt.
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