Geld bekommt, wer schon Geld hat
Viele der partei- und kirchennahen deutschen Stiftungen fördern mit ihren Stipendien in erster Linie Kinder aus wohlhabenden Akademikerhaushalten. Kinder aus einkommens- und bildungsschwachen Haushalten gibt es unter den Stipendiaten nur wenige.
In keinem anderen europäischen Land hängen die persönlichen Bildungschancen so stark vom Elternhaus ab wie in Deutschland - das ist schon lange bekannt. Wer aus einem Akademikerhaushalt kommt, hat gute Chancen, erst das Gymnasium besuchen und danach dann auch studieren zu dürfen. Wer aus einer "Arbeiterfamilie" stammt, hat dagegen kaum Chancen, aufzusteigen – unabhängig von Fleiß und Intellekt.
Eine neue Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) hat nun auf eine weitere Facette des Problems aufmerksam gemacht: Die großen deutschen Stiftungen, die begabte Studenten unterstützen sollen, fördern in erster Linie Studierende aus wohlhabenden Akademikerhaushalten. Kinder aus einkommens- und bildungsschwachen Haushalten sind unter den Stipendiaten stark unterrepräsentiert.
Rund 130 Millionen Euro stellt das Bundesbildungsministerium jährlich für die Förderung begabter Studenten zur Verfügung. Mit der Auswahl der Stipendiaten hat es elf so genannte Begabtenförderungswerke beauftragt, von denen neun eine große Nähe zu Parteien oder Kirchen aufweisen.
Das HIS hat nun die soziale Herkunft der rund 20.000 Stipendiaten untersucht und festgestellt, dass vor allem Akademikerkinder gefördert werden: Jeder zweite kommt aus dieser Gruppe. Kinder, deren Eltern einen niedrigen oder mittleren Sozialstatus (nach Beruf und Bildung) haben, stellen dagegen nur 9 beziehungsweise 19 Prozent.
Über die Gründe für diese Schieflage ist bislang nichts Konkretes bekannt. Zu vermuten ist, dass "Arbeiterkinder" schon unter den Bewerbern unterrepräsentiert sind, weil sie die Fördermöglichkeiten nicht kennen oder Hemmungen haben, sich zu bewerben. Darüber hinaus wird auch das Auswahlverfahren selbst kritisiert. Die Wochenzeitung DIE ZEIT zitierte dazu in ihrer Ausgabe vom 24. September 2009 Michael Hartmann, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt: "Bei vielen Auswahlgesprächen geht es nicht um fachliche Kenntnisse, sondern um das Wissen um Kunst und Literatur", sagt Hartmann über das Auswahlverfahren der Studienstiftung des deutschen Volkes.
Klar, dass bei Themen wie diesen Vorteile hat, wer aus einem bildungsstarken Haushalt kommt.
- Finanzierung eines Auslandsstudiums: Wie zahl' ich das bloß?
- Bafög, Studienkredit, Nebenjob und andere Quellen zur Studienfinanzierung: Woher kommt das Geld fürs Studium?
- Stipendien und Stiftungen in der Übersicht: Nicht nur für Überflieger
- Online-Portal MyStipendium.de bietet Informationen zur Studienfinanzierung: Mehr als nur die üblichen Verdächtigen
- Erste Ergebnisse der Initiative Stipendienspenden: Spenden für ein Studium


