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09. September 2011  
Deutschlandstipendium

"Das Gesamtpaket zählt"

Das Deutschlandstipendium soll einmal zehn Prozent aller Studierenden unterstützen. Malte Ganßauge, 22, studiert im fünften Semester Wirtschaftsinformatik an der Uni Münster und erhält das neue Deutschlandstipendium seit April. Interview: Daniel Schwitzer
Malte ist einer der ersten Stipendiaten des neuen Deutschlandstipendiums. © privat

Malte ist einer der ersten Stipendiaten des neuen Deutschlandstipendiums. © privat

Malte, du bist einer der ersten Studierenden, die das neue Deutschlandstipendium erhalten. Wie genau lief das Auswahlverfahren ab?

Ganßauge: Ich bekam einen Brief von einem Professor meiner Fakultät, in dem er mich über das neue Stipendium informierte und mich ermutigte, es doch zu probieren. Also habe ich mich schriftlich bei der Uni beworben, mit Lebenslauf, Anschreiben und den üblichen Unterlagen. Daraufhin wurde ich zur Auswahlrunde ins Münsteraner Schloss eingeladen. Zu der Zeit war ich allerdings gerade für ein Praktikum auf den Philippinen und konnte nicht persönlich erscheinen. Das Interview lief dann telefonisch über Skype.

Worum ging es in dem Auswahlgespräch?

Ganßauge: Der Schwerpunkt lag  auf meinem Lebenslauf. Ich glaube, die Hochschul- und Unternehmensvertreter wollten sehen, dass ich nicht einfach nur stur vor mich hin studiere und den ganzen Tag in der Bibliothek Bücher wälze, sondern nebenbei auch nach links und rechts schaue und andere Erfahrungen sammele. Fragen zum Studium selbst gab es nur ganz am Rande.

Also zählen nicht nur gute Noten, wenn man Stipendiat des Deutschlandstipendiums werden will?

Ganßauge: Noten sind sicher erst mal wichtig, um überhaupt auf sich aufmerksam zu machen und in die engere Auswahl zu kommen. Aber letztlich kommt es auf das Gesamtpaket an. Soziales Engagement spielt eine große Rolle.

Zum Beispiel?

Ganßauge: Ich habe vor meinem Studium ehrenamtlich beim Roten Kreuz gearbeitet und dort im mobilen Dienst hilfebedürftige Menschen betreut. Später habe ich mich bei der internationalen Studentenorganisation AIESEC engagiert und darüber viele Menschen weltweit kennen gelernt. So kam auch der Kontakt zu der NGO auf den Philippinen zustande, für die ich zuletzt zwei Monate bei einem Entwicklungshilfeprojekt mitgearbeitet habe.

Das Deutschlandstipendium bringt dir jeden Monat 300 Euro. Davon kann man als Student nicht leben. Wie finanzierst du dich?

Ganßauge: Meine Eltern unterstützen mich bislang, aber das wird in Zukunft schwer für sie, weil meine beiden Schwestern jetzt auch anfangen zu studieren. Bis vor kurzem habe ich außerdem an einem Lehrstuhl an der Uni gearbeitet, das war ein ganz guter Nebenverdienst.

Gerade bist du zum Auslandssemester nach Australien aufgebrochen. Wird dein Stipendium währenddessen weiter ausbezahlt?

Ganßauge: Ja, das Stipendium gilt auch im Ausland, und darüber bin ich froh, denn die Lebenshaltungskosten hier in Melbourne sind viel höher als in Deutschland. Allein mein WG-Zimmer kostet mich jeden Monat 700 Euro. Ohne das Deutschlandstipendium hätte ich vermutlich einen Kredit aufnehmen müssen.

Hast du einen Tipp für andere Studierende, die sich um das Deutschlandstipendium bewerben wollen?

Ganßauge: Seid im Vorstellungsgespräch ganz ihr selbst. Wenn ihr nicht die besten Noten habt, könnt ihr mit eurer Persönlichkeit immer noch viel herausreißen. Und denkt daran, im Studium auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

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