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26. Juni 2012  
Steffens UNIversum vom 26. Juni 2012

WG-Klo-Kartell

Ein Münzteller vor dem WG-Klo, um Geldsorgen loszuwerden? Das ist unserem Blogger Steffen nicht effizient genug. Er hat seine eigene Vorstellung davon, das Geschäft anderer zu seinem eigenen zu machen.
Studentenleben

Unser Blogger Steffen plant einen Bezahlautomaten am WG-Klo zu befestigen.

Wenn ich Besuch habe, dürfen meine Gäste meine Toilette, das Waschbecken und die Dusche benutzen – alles unentgeltlich. Das hört sich selbstverständlich an? Ja, das könnte man meinen. Doch neulich habe ich von einer Person gehört, die in ihre WG auf den Spülkasten ihres WCs eine Spardose gestellt hat. Ganz im Sinne von: "Lasst nicht nur einen Haufen hier".

Ich hatte so etwas bis dato für unmöglich gehalten. Dennoch: So ganz abwegig ist die Idee nicht – vor allem, um die WG-Kasse aufzubessern. Doch das Problem des Systems Spardose ist dasselbe wie das System "Kleiner Teller mit Münzen" bei öffentlichen Toiletten: Das Bezahlen ist freiwillig.

Bei den öffentlichen Toiletten lösen die Angestellten dieses Dilemma, indem sie stets neben ihrem Münzteller stehen und daran mahnend erinnern, dass man doch ein paar Cents abgibt. Damit es nicht zu wenig Cents sind, lassen viele nur die 50-Cent-Stücke liegen. Sie appellieren damit an das soziale Gewissen des Toilettengängers. Ihr Blick sagt förmlich: "Ich weiß genau, was du gerade in meiner Toilette veranstaltet hast. Und ich muss das nachher sauber machen. Und schau hier, alle anderen haben auch 50 Cent reingelegt. Willst du also wirklich als Geizhals gelten?"

Ich verurteile diese Verkaufstaktik nicht. Wie jeder andere Arbeiter wollen auch die Reinigungskräfte das meiste aus ihrem Job herausholen. Es unterscheidet sie wenig von einem Verkäufer, der einem das teuerste Produkt andrehen möchte. Die Idee der sozialen Kontrolle ist gut - allerdings kann ich diese nur schwer bei meinem WG-Klo anwenden. Ich will mich nicht jedes Mal vor unsere Badezimmertür mit einem Münzteller setzen und meinen Gast eindringlich anschauen. Das wäre viel zu aufwändig. Ich habe mir eine einfachere Lösung ausgedacht: Ich installiere einen Bezahlautomaten, der an die Toilette und die Dusche gekoppelt ist.

Wenn also jemand den Klodeckel öffnen möchte, muss er erst eine Münze in den Automaten stecken. Dann wird das Schloss, mit dem der Deckel gesichert ist, automatisch geöffnet und der Gast kann sein Geschäft beginnen. Bei der Dusche wird einfach das Wasser für 10 Minuten aktiviert. Händewaschen ist gratis!

Der Clou: Euro- oder Cent-Münzen nimmt der Automat nicht an. Es müssen spezielle WG-Münzen sein. Und die besitzen nur meine Mitbewohner und ich. Das hat einen sehr wirtschaftlich gedachten Hintergrund: Wenn viele Gäste da sind – etwa zu einer WG-Party – wollen viele auf die Toilette. Es gibt aber nur ein begrenztes Angebot an Münzen. Durch diese künstliche Verknappung können ich und meine Münzkartell-Mitbewohner die Preise immer höher schrauben. So könnten wir dann nicht nur unsere Nebenkosten finanzieren, sondern auch gleich die Party, die nächste Monatsmiete und am Ende sogar den Urlaub auf die Malediven. Es wäre das perfekte WG-Geschäftsmodell, wir würden aus jedem Gast noch den letzten Cent herausholen und unser Luxus-Leben mit den Bedürfnissen anderer bestreiten. Ja, wir könnten dann alle unsere Geldsorgen vergessen.

Unsere Freunde aber auch.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Steffen

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