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31. Januar 2012  
Steffens UNIversum vom 31. Januar 2012

333

333, bei Issos... Wer weiß, wie der Satz endet, hat was für die Schule gelernt. Aber auch fürs Leben? Eher nicht, findet Blogger Steffen.

Unser Blogger Steffen weiß jetzt, wer sich im Jahr 333 mit wem geprügelt hat.

Es ist Klausurenphase: Viele Studenten treffen sich nun in Lerngruppen und versuchen einander das zu erklären, was keiner so richtig verstanden hat. Oder sie pauken den Stoff ganz allein und vertrauen darauf, dass das ja alles nicht so schwer ist. Mich persönlich hat es dieses Jahr nicht so hart mit der Anzahl an Klausuren getroffen – meinen Mitbewohner dafür umso mehr: Der schreibt dieses Semester 11 – in Worten: elf – Klausuren. Und deswegen kloppt er sich momentan alle möglichen Formeln und Zahlen rein, bis sein Kopf vollkommen zu- und er selbst total ver-ballert ist. Denn bei vielen seiner Klausuren geht es nur um eines: ums auswendig lernen.

Ich habe nie wirklich verstehen können, was das pure Reinprügeln von Fakten bringen soll, die nur wenige Tage nach der Klausur ohnehin wieder verschwinden. Noch absurder aber wird es, wenn irgendwelche Zahlen im Kopf bleiben, über die man aber kaum etwas anderes weiß als ihre bloße Existenz. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist die Schlacht bei Issos um 333 v. Chr. Wenn irgendein Deutscher, der auch nur ein bisschen im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, "Issos" hört, kann er sofort eines dazu sagen: "Drei, drei, drei – bei Issos Keilerei." Aber da hört es dann meistens schon mit dem Wissen auf. Kaum jemand weiß noch, warum er sich diesen Satz mal gemerkt hat. Wer hat da eigentlich gekämpft? Wo liegt Issos überhaupt? Und warum ist die Schlacht so wichtig?

Ich selbst musste auch erst einmal bei Google nachschauen, was es mit diesem historischen Ereignis auf sich hat. Doch jetzt bin ich schlauer und kann alle diese Fragen beantworten. Und damit wird deutlich: Es ist nicht wichtig, alle möglichen Informationen auswendig zu können, man muss nur wissen, wie man an sie herankommt. Danach beginnt das eigentlich Bedeutsame: Welche Schlüsse ziehe ich daraus? Es ist durchaus nicht schlecht, etwas über eine Schlacht zu wissen, bei der ein zahlenmäßig deutlich unterlegenes Heer den Sieg davontragen konnte; und zu wissen, was dieser Sieg wohl aus dem Ego des Anführers gemacht hat.

Mir geht es so, dass sich Informationen erst dann wirklich in mein Gedächtnis einbrennen, wenn ich mit ihnen konkret etwas verbinden kann. Und da ich in der Schule nie wirklich begreifen wollte, warum wir überhaupt etwas über die Französische Revolution lernen mussten, habe ich den genauen Ablauf der Ereignisse heute schon wieder vergessen – auch wenn ich ihn damals in der Klausur ziemlich genau widergeben konnte.

Daher hasse ich Auswendig-Lernen-Klausuren. Sie verlangen nur eines: stumpf etwas einzuprägen und dann wiederzugeben. Darüber nachzudenken ist nicht gefordert. Denn eines ist klar: Hätten die Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts dasselbe gemacht und alles einfach nur hingenommen, was ihnen seit Jahren gepredigt wurde, wären sie sicherlich nicht Teil des heutigen Geschichtsunterrichts geworden.

Und wer jetzt auch wissen möchte, was 333 v. Chr. bei Issos passiert ist und was man daraus vielleicht lernen könnte, dem sei gesagt: Guckt es selber nach – und zieht eure eigenen Schlüsse.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Steffen

Schlagworte:
 
BlogKolumneGeschichte

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