Zu laut skypen
Wer ist dran mit Spülen? Wie oft muss das Klo geputzt werden? Und warum stehen noch die Bierkästen von der Geburtstagsparty im Flur? Das Leben in einer Wohngemeinschaft birgt jede Menge Konfliktstoff. Keiner weiß das besser als "WG-Psychologe" Ludger Büter.Stefan Holzbrecher

Ludger Büter hilft, wenn es Konflikte in einer Wohngemeinschaft gibt. © Eric Lichtenscheidt / Studentenwerk Köln
Herr Büter, zu Ihnen kommen WGBewohner, die Streitigkeiten mit ihren Mitbewohnern nicht allein lösen können. Was sind das für Konflikte?
Natürlich gleicht kein Streitfall dem anderen, aber zwei Probleme begegnen mir immer wieder: mangelnde Hygiene und Lärm. Vor kurzem hat mir zum Beispiel jemand berichtet, er sei von seinem Mitbewohner regelrecht bedroht worden, weil er sich manchmal nicht an den Putzplan halte. Diese Geschichte ist richtig eskaliert – da kam es sogar zur Strafanzeige. Das ist natürlich ein Extremfall, aber unterschiedliche Auffassungen davon, wie sauber die Wohnung sein sollte, gibt es sicher in vielen WGs.
Und der Lärm?
Auch das ist ein sensibles Thema. Wer für eine Prüfung lernen muss, den kann schon lautes Türenknallen oder der laufende Fernseher in Rage bringen. Einmal beschwerte sich jemand bei mir, weil die Mitbewohnerin im Nebenzimmer regelmäßig mitten in der Nacht sehr laut per Skype mit ihrer Familie in Übersee telefonierte. Und kürzlich musste ich eine junge Dame bitten, ihr Liebesleben etwas leiser zu gestalten, weil Mitbewohner und Nachbarn im Wohnheim sich gestört fühlten.
Finden denn die Mitbewohner durch Ihre Hilfe immer wieder zusammen?
Das ist ganz unterschiedlich. Ich bleibe mit vielen Studenten, die ich beraten habe, per E-Mail eine Weile in Kontakt. Daher weiß ich von WGs, in denen sich die Bewohner ausgesprochen und eine dauerhafte Lösung gefunden haben. Einmal habe ich allerdings zwei Studenten vorschlagen müssen, in meiner Gegenwart auszulosen, wer die WG verlassen muss, denn die beiden schienen unlösbar zerstritten zu sein. Da keiner von beiden ausziehen wollte, haben sie sich noch einmal ausgesprochen und ihren Streit schließlich doch beigelegt.
Gibt es Tricks, mit deren Hilfe man Streit mit dem Mitbewohner vermeiden kann?
Das fängt bei einem selbst an! Wer in einer WG lebt, sollte eine gewisse Offenheit mitbringen und vor allem bereit sein, Kompromisse einzugehen. Wenn Vereinbarungen unter mehreren getroffen werden, ist es sinnvoll, diese aufzuschreiben – das hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem ist es nie verkehrt, mit gutem Beispiel voranzugehen: Wer seine Mitbewohner um mehr Sauberkeit bittet, wird vor allem dann Erfolg haben, wenn er auch mal Schmutz beseitigt, den er gar nicht selbst verursacht hat.
Diplom-Psychologe Ludger Büter arbeitet in der Abteilung "Studentisches Wohnen" des Kölner Studentenwerks. Seit 2009 ist er dort als Streitschlichter für WG-Bewohner im Einsatz - ein bundesweit bislang einmaliger Service.
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