Vom Campus ins Casino
Wer einen Studentenjob sucht, landet in der Regel in einem Büro oder einer Kneipe. Es geht aber auch ungewöhnlich.
Wer in Köln über die KVB, die Kölner Verkehrsbetriebe, redet, der motzt meist über Verspätungen und Ausfälle. Nicht so Sinan Sayan. Der 24-jährige Student hat bei dem Unternehmen seinen Traum-Nebenjob gefunden – mehrmals pro Woche fährt er als Straßenbahnfahrer durch Köln. "Meine Freunde haben über meinen neuen Job erst mal gelacht. Aber inzwischen wollen die auch alle Bahnfahrer werden", sagt Sinan, der Mathe- und Geschichtslehrer werden will.
Durch die Nacht- und Wochenendfahrten lässt sich der Job gut mit seinem Studium verbinden, außerdem verdient Sinan mehr als seine Freunde, die kellnern oder Büroarbeiten erledigen. Dafür nimmt er aber auch einiges in Kauf: "In der Schule war ich der absolute Morgenmuffel, aber für den Job stehe ich um drei Uhr auf." Der Lohn: Er darf "Kölns dicksten Schlitten fahren", wie es in der Ausschreibung des Jobs hieß. Das Fahren der 652,5 PS starken Straßenbahn ist ihm von Anfang an leicht gefallen. Schwieriger sei der sechswöchige Lehrgang gewesen, den er erst mal hinter sich bringen musste.
Als Straßenbahnfahrer ist Sinan für die Sicherheit seiner Fahrgäste verantwortlich. "Durch meinen Job bin ich verantwortungsbewusster geworden, außerdem bringt mich nichts mehr so leicht aus der Ruhe", schmunzelt Sinan. Er genießt es, vorne in seiner Führerkabine den Überblick zu haben – auch, wenn er höllisch aufpassen muss, kein Signal zu überfahren. Eins kann er sich aber auch nach sechs Monaten nicht vorstellen: "Als Fahrkarten-Kontrolleur würde ich nicht arbeiten wollen." (Julia Kunze)
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