Probieren kommt vor dem Studieren
Die Entscheidung für eine Hochschule prägt das Leben und sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Delaney wollte sich nach ihrer Schulzeit in Kairo bei der Hochschulwahl nicht auf das Durchforsten von Internetseiten und Broschüren beschränken und nahm ihre Wunsch-Unis in Athen, Weimar und Heidelberg persönlich unter die Lupe.Robert Piterek
Als Delaney Stöckli-Freji aus dem Flugzeug von Kairo nach Athen steigt, steht der 19-Jährigen ein Abenteuer bevor. Es geht darum, die richtige Hochschule zu finden und damit eine Vorentscheidung für ihr späteres Berufsleben zu treffen. Delaney hat viel vor: Über das Internet hat sie drei Hochschulen in Griechenland und Deutschland ausgewählt, die sie besuchen will. In den letzten Wochen und Monaten hat sie mit zahlreichen Universitäten telefoniert, über StudiVZ mit etlichen Studenten ihrer Fachrichtung gechattet und alles über Städte, Leute und ihre Unis in Erfahrung gebracht, was die modernen Telekommunikationsmedien hergeben. „Ich brauche die regelmäßigen Chats mit anderen Jugendlichen, um mich bei wichtigen Entscheidungen nicht so alleine zu fühlen“, erklärt Delaney. Doch Realität und virtuelle Realität unterscheiden sich, das weiß sie und deshalb ist sie hier. Ihr Ziel: Die „University of Indianapolis Athens“, ein privater Ableger einer US-Universität, an der sie eine Probewoche absolvieren will. Die griechische Hauptstadt ist der Abiturientin der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo nicht unbekannt. Sie war schon vier Mal hier, zwei Mal davon über ihre Schule in Kairo: Als Geigerin beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und beim Simulationsprojekt „Model United Nations“, bei dem Konferenzen der Vereinten Nationen nachgestellt werden und sich Jugendliche als künftige „Weltenlenker“ ausprobieren können.
Die private Uni liegt mitten im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Vom Klassenraum aus kann man das gewaltige Felsplateau mit der Akropolis darauf deutlich erkennen. Die Probewoche ist nicht kostenlos, aber man bekommt sein Geld zurück, wenn es einem nicht gefällt. Das klingt fair. Die Unterrichtssprache ist Englisch, die Kurse sind klein. Schon nach einigen Tagen bemerkt Delaney, dass ihr immer wieder die gleichen Gesichter begegnen. „Das ist schön, wie ein Zuhause“, sagt sie. Gut gefällt ihr auch, dass die Studenten aus verschiedenen Ländern und nicht nur aus Griechenland kommen. Aber sie erkennt auch Nachteile: „Es ist eine kleine Uni; wenn man einen Kurs nicht mag, kann man nicht so leicht wechseln, weil das Angebot nicht so groß ist.“ Die Probewoche ist vorüber, sie hat Delaney so gut gefallen, dass sie sich entscheidet, zunächst für ein Semester an der „Indianapolis“ zu bleiben. Sie wählt Betriebswirtschaft als Hauptfach und Internationale Beziehungen als Nebenfach und belegt Kurse in Englisch, Wissenschaft und Gesellschaft, Anthropologie und Buchhaltung. Auch das Land ist nach ihrem Geschmack: „Die griechische Kultur ist eine Mischung aus der arabischen und der europäischen. Ich denke, ich könnte mich schnell daran gewöhnen.“
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