"Mit Kunst-Unterricht kann man mich jagen"
Lisa Hartung hat mit 17 ihr Abi gemacht und studiert jetzt, mit 19, im neunten Semester Mathe und VWL an der Uni Bonn. Im Interview erzählt sie, wie man Schule und Frühstudium unter einen Hut bekommt – und was sie an Mathe fasziniert.Julia Kunze
Lisa, wie bist du auf die Idee gekommen, Mathe zu studieren?
Lisa: Seit der siebten Klasse nehme ich an Mathe-Wettbewerben teil, zum Beispiel an der Mathe-Olympiade. Das hat mir immer Spaß gemacht, aber in der Schule habe ich mich meistens gelangweilt. In der zehnten Klasse schlug mein Klassenlehrer mir vor, ich könne mich doch mal in Mathe-Vorlesungen an der Uni setzen. Das hat mir gut gefallen, deshalb bin ich dabei geblieben.
Was ist der größte Unterschied zwischen Schule und Uni?
Lisa: Ich fand die Schule immer schlimmer als die Uni. Zur Uni zwingt einen keiner, aber in der Schule muss man seine Zeit über weite Strecken absitzen.
Wie haben deine Lehrer und Mitschüler reagiert?
Lisa: Unterschiedlich. Bei manchen gilt Mathe ja als uncool, die haben dann komisch geguckt. Manche Lehrer waren ein bisschen beleidigt, wenn ich wegen einer Vorlesung ihren Unterricht ausfallen lassen musste. Aber mein Mathe-Lehrer hat gesagt: Hier hast du ein Stück Kreide, erzähl mal! Und dann hat er mich den Unterricht halten lassen. Er wolle mich didaktisch unterrichten, hat er gesagt.
Wie kommst du mit den anderen Studenten zurecht? Seid ihr Schülerstudenten Außenseiter?
Lisa: Durch die Mathewettbewerbe kannte ich bereits eine Menge Leute, die schon studiert haben, deswegen habe ich mich gleich wohl gefühlt. Die anderen Schülerstudenten lernt man in Bonn auch schnell kennen, es gibt nämlich jede Woche eine zusätzliche Uni-Veranstaltung nur für Schüler. Wir gehen auch ganz normal mit anderen Studenten feiern.
Was hältst du von Leuten, die Mathe absolut nicht kapieren
Lisa: Ich habe absolutes Verständnis dafür, wenn jemand versucht, Mathe zu verstehen, aber merkt, dass das einfach nicht sein Ding ist. Aber wenn Leute sagen: "Ich mag Mathe aus Prinzip nicht" und sich gar nicht richtig damit beschäftigen, finde ich das nicht so gut.
Du hast einen Abi-Schnitt von 1,9. Gibt es trotzdem Fächer, die du aus Prinzip nicht magst?
Lisa: Kunst kann ich zum Beispiel gar nicht ausstehen, mit dem Unterricht kann man mich jagen. Ansonsten fand ich eigentlich nur Mathe richtig toll. Physik und Chemie auch, aber Mathe mag ich am liebsten.
Was ist der größte Unterschied zwischen MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und, zum Beispiel, Geisteswissenschaften?
Lisa: Ich glaube, bei MINT geht es darum, methodische Fähigkeiten zu entwickeln. Ich finde es toll, dass man Aussagen auf das logische Grundgerüst reduziert und nicht um den heißen Brei herumrechnet. Die Theorien sind schlüssig - da braucht man nicht mehr groß zu diskutieren. Bei Geisteswissenschaften hatte ich immer das Gefühl: Jetzt haben wir hier einen Text, gucken mal, was drin steht, und das kann dann die oder die Aussage haben, da kann man aber drüber streiten. Ich glaube, ich bin eher ein logischer Mensch.
Was würdest du jemandem raten, der sich noch nicht sicher ist, ob er ein Frühstudium machen möchte?
Lisa: Einfach mal ausprobieren! Man kann jederzeit wieder aufhören, und es ist keine Schande, wenn es einem zu viel wird.
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