Du kannst alles werden - sogar Bananenbieger!
In seinem Buch "Morgens 15:30 in Deutschland" berichtet Comedian und Langzeit-Student David Werker aus seinem Studentenleben.Julia Kunze
David Werker studiert Germanistik an der Universität Siegen und berichtet seit 2007 auf kleinen und großen Bühnen als Comedian aus seinem Studentenleben. Spätestens seit seinen Auftritten im Quatsch Comedy Club und bei TV Total ist er deutschlands berühmtester Langzeitstudent. Gerade ist sein erstes Buch erschienen: "Morgens 15:30 in Deutschland. Handbuch für aufgeweckte Studenten"
Um wie viel Uhr bist du heute aufgestanden?
Werker: Heute bin ich um 19:30 Uhr aufgestanden, weil um acht ja die Läden schließen. Ich verbringe ziemlich viel Zeit im Bett. Das liegt auch an meiner Wohnung, einem „modern geschnittenen 0,5-Zimmer-Appartement“. Da kann ich ganz bequem die Nudeln vom Herd nehmen, ohne aus dem Bett aufzustehen!
Warum sollten Studienanfänger dein neues Buch lesen?
Werker: Wer sich fürs Studieren entscheidet, muss sich zunächst einige Fragen beantworten: Studiere ich Atomphysik oder doch lieber angewandte Konsolenspiellehre? Wie lebe ich von 80 Euro im Monat? Und wie wird in einer Stunde aus einem 2-Seiten-Wikipedia-Artikel eine 40-Seiten-Hausarbeit? All das erkläre ich in dem Buch, und außerdem gibt es wichtige Tipps wie „Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert“.
Wenn du noch mal wählen könntest: Studium, Ausbildung oder DSDS?
Werker: Ich würde mich erneut für das Studium entscheiden. Und wieder nicht auf Lehramt oder auf Magister studieren, sondern einfach auf gut Glück! Schließlich ist es nirgendwo so einfach, nette Mädels kennenzulernen wie an der Uni. Du sagst einfach: „Entschuldigung, sind wir nicht zusammen in der Statistikvorlesung?“ Sie antwortet: „Nein, ich mach hier nur sauber.“ Und schon ist man im Gespräch!
Du reitest ja gern auf dem „faulen Studenten“ rum. Findest du die Klischees in Zeiten von Bachelor und Master nicht überholt?
Werker: Die Kritik am Bachelor, das sei ein schweißtreibendes Powerstudium, wird doch von den Medien völlig aufgebauscht. Ich kenne genug Bachelor-Studenten, die nach dem dritten Semester gerade erst kapiert haben, wo überhaupt die Uni ist!
Mal angenommen, du wärst nicht Comedian geworden. Was wäre nach dem Uni-Abschluss gekommen?
Werker: Vermutlich hätte ich mein Studium abgebrochen. Dazu sagt man ja heute: Bachelor! Und dann? Keine Ahnung: Als Germanistikstudent ist man es gewohnt, dass die Leute über einen lachen. Und ich studiere in Siegen – wenn du das bei Google Earth eingibst, siehst du auf jedem zweiten Hausdach: „HELP!“ Bei diesen Voraussetzungen ist es im Grunde unausweichlich, dass ich das auf der Bühne verarbeiten muss.
Was empfiehlst du Abiturienten, die sich gerade überlegen, was sie aus ihrem Leben machen wollen?
Werker: Mein dringender Appell: Schmeißt euer Leben nicht achtlos weg – studiert nicht in Siegen! Und wenn doch, lasst euch die Zeit wenigstens als "soziales Jahr in einem Krisengebiet" anrechnen! Ansonsten stehen einem als Abiturient alle Wege offen: Ob Arzt, Anwalt oder Animateur, ob Geologe, Grafiker oder Ghostbuster, ob Beamter, Bezirksrichter oder Bananenbieger, du kannst alles werden, was du dir vorstellen kannst!
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