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09. Juni 2009  
Wartesemester mit Ausbildung, Praktika oder Kurse nutzen

Abwarten und Tee trinken?

Durch strenge Zulassungsbeschränkungen können immer weniger Schulabgänger direkt mit ihrem Wunschstudium starten. Vor allem die von dem Servicecenter Hochschulstart vergebenen Fächer sind berüchtigt für ihren hohen NC. Doch Wartesemester sind keine vertane Zeit, wenn man sie sinnvoll nutzt: zum Beispiel mit einer Ausbildung, einem Praktikum oder speziellen Vorbereitungskursen. Annette Kamps
Wartesemester

Wartesemester sinnvoll nutzen ©Niggl/pixelio.de

Anna Schüttert möchte Grundschullehrerin werden – die Arbeit mit Kindern ist genau ihr Ding. 2007 hat die inzwischen 20-Jährige ihr Abi gemacht und zunächst keinen Studienplatz für ihr Traumfach bekommen. Kein Problem, vom Lernen hatte sie eh erst mal genug. Anna entschied sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim, das sie nicht nur fachlich weitergebracht hat: „Ich konnte mich dadurch zum Sommersemester bewerben, wenn die NCs nicht so hoch sind. Zum Wintersemester hätte ich niemals einen Platz bekommen, so groß wie der Andrang dann ist!“

Doch weil Anna im Sommer noch mitten im FSJ war, wurde ihr der Platz freigehalten – so dass sie im Oktober an der Uni Köln durchstarten konnte. Gleiches gilt übrigens auch für andere freiwillige Dienste sowie Zivil und Wehrdienst. Wer während einer solchen Beschäftigung einen Studienplatz erhält, soll schließlich nicht benachteiligt werden, weswegen das Servicecenter Hochschulstart die Sonderregelung „Erneute Auswahl nach einem Dienst“ eingeführt hat.

Ihren Kommilitonen ist Anna durch ihre Praxiserfahrungen um einiges voraus. Sie ist sich nicht nur sicherer, dass der Job ihr liegt, sondern ist auch für das erste Praktikum gut gewappnet: „Ich habe gelernt, Kinder in schwierigen Situationen zu motivieren, aber auch Grenzen zu setzen. Und auch vor Extremsituationen habe ich mittlerweile keine Angst mehr.“ Anna hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden, doch es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Wartesemester sinnvoll zu überbrücken. Wer sich beispielsweise für ein Medizinstudium bewirbt und nicht gerade mit einem Abi-Schnitt von 1,2 oder besser aufwarten kann, zieht früher oder später einen Ablehnungsbescheid von hochschulstart.de aus seinem Briefkasten. Und um über die Wartesemester-Quote an einen Studienplatz zu kommen, muss man häufig Geduld beweisen.

Nicht einfach drauf los studieren

Wer sich jetzt denkt „Okay, dann studier’ ich halt so lang was anderes“ und sich in einen nicht zulassungsbeschränkten Studiengang einschreibt, begeht einen großen Fehler: So schön es sein mag, schon mal ins Studentenleben hineinzuschnuppern – Studienzeiten werden nicht als Wartezeit anerkannt! Eine wesentlich bessere Lösung ist eine Ausbildung in einem verwandten Beruf, im Gesundheitswesen beispielsweise in einem Pflegeberuf oder als Rettungssanitäter. „Man sammelt nicht nur Grundlagenwissen und praktische Erfahrung im künftigen Arbeitsgebiet, sondern kann schon mal Kontakte knüpfen und sich für spätere Nebenjobs qualifizieren“, sagt Christoph Schaub, Pädagogischer Leiter an der Berliner „medakademie“, die solche Kurse im Angebot hat.

Anstatt sich das Studium also durch Kellnern zu finanzieren, erlangt man bei der Arbeit im Rettungswagen oder auf Station ganz nebenbei jede Menge Berufserfahrung. Ein weiterer Vorteil: Das zur Ausbildung gehörende klinische Praktikum zählt bereits fürs Studium. Noch mehr „Anerkennung“ findet die Ausbildung zum Biologisch-technischen Assistenten (BTA) an der Rheinischen Akademie Köln. Fünf Module, unter anderem Chemie und Mikrobiologie, sind inzwischen akkreditiert und werden in einem späteren naturwissenschaftlichen Studium mit insgesamt 60 Credit Points angerechnet. Da lassen sich schon mal ein bis zwei Semester einsparen, so dass man durch die zweijährige Ausbildung wirklich kaum Zeit verliert. Bevor sich das Ganze jedoch auch finanziell auszahlen kann, muss man erstmal selbst in die Tasche greifen: Der einjährige Grundlehrgang zum Rettungssanitäter kostet insgesamt knapp 1.000 Euro, die BTA-Ausbildung 280 Euro im Semester.

  1. Teil: Wartezimmer zum Studium
  2. Teil: Alternative Praktikum
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PraktikumWartesemesterhochschulstart.de

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