Keine Müdigkeit vorschützen
"Suchen stressresistenten Abiturienten, bieten optimale Karrierechancen"- so könnte es in einem Inserat für ein duales Studienangebot stehen. EINSTIEG hat einem "dualen Studenten" über die Schulter geschaut.Denis Buss
Es ist 8 Uhr 15 - Georg Blesinger fährt den Computer hoch. Sein erster Blick gehört der morgendlichen Entwicklung an den Börsen. Er muss schauen, wie sich die Devisenkurse entwickeln, und das wird am heutigen Tag nicht sein letzter Blick auf die Finanzmärkte sein. Anlageberatung, Kundengespräch und Baufinanzierung sind Blesingers täglich Brot - daneben heißt es aber auch büffeln für Klausuren und Extraschichten einlegen für die regelmäßigen Praxisberichte: Georg Blesinger absolviert ein duales Studium bei der Deutschen Bank und parallel dazu an der Berufsakademie Mannheim. Eine Ausbildung mit hohem Stressfaktor, aber auch großen Karrierechancen!
Theorie und Praxis im Wechsel
Das duale Studium ist in Blockphasen unterteilt. "Das bedeutet, dass ich im Wechsel drei Monate BA, also Berufsakademie, und drei Monate Praxiseinsatz in der Bank habe." Während der praktischen Phase wird Blesinger sehr stark ins Tagesgeschäft bei der Deutschen Bank eingebunden. Er hilft Kollegen bei der Vorbereitung von Terminen und geht auch mit ins Gespräch, sofern der Kunde einverstanden ist. "Zum Teil unterstütze ich den Tag über die Mitarbeiter bei der Bearbeitung von Kundenaufträgen und nehme selber Aufträge an" - aber eines nach dem anderen: Was liegt heute für Georg Blesinger an? Ein "Spezialauftrag"! Er soll die Berufsausbildungsabteilung unterstützen, indem er schriftliche Einstellungstest von Ausbildungsbewerbern durchführt. "Eine schöne Aufgabe," findet der duale Student, "der Ausbildungsbereich interessiert mich sehr. Manchmal darf ich für die Deutsche Bank mit auf Ausbildungs- und Schülermessen fahren. Überhaupt ist es eine schöne Abwechslung, wenn ich die Möglichkeit bekomme, bei der Organisation von Kunden-Events zu helfen."
Nach diesem Spezialauftrag warten bis zum Abend wieder alltägliche Aufgaben auf den Studenten. Zu Beginn seiner Ausbildung hatte er ständig direkten Kundenkontakt am Schalter. Im Moment sitzt er hauptsächlich in einem Großraumbüro und hat nur mit Kunden zu tun, die vorher einen Termin ausgemacht haben. Nachdem Blesinger abends den PC ausgeschaltet hat, erledigt er noch die Post - dann ist frei. Das ist allerdings nicht immer so: "So richtig hart wird es zwischen dem ersten und zweiten Semester. Dann ist ein zehnseitiger Praxisbericht für die BA zu schreiben. Dies wiederholt sich nach dem zweiten Semester, und diese Berichte sind abends nach der Arbeit oder am Wochenende anzufertigen. Im Mai hatte ich darüber hinaus noch meine mündliche Prüfung zum Wirtschaftsassistenten, die während der Praxisphase stattfand. Um diese zu meistern, musste ich mir sogar eine Woche Urlaub nehmen, um in Ruhe lernen zu können."
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