Interview mit Elinor Lüdde : Druckversion

Nachwuchsschauspielerin Elinor Lüdde wurde für ihre Leistung in "Meer is nich" mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. EINSTIEG hat mit ihr über Musik, Schauspielerei und das Studieren gesprochen.


"Schauspiel und Musik unter einen Hut bringen"

EINSTIEG: Lena ist Schlagzeugerin und drückt ihre Gefühle über die Musik aus. Hat die Schauspielerei eine ähnliche Funktion für Sie?

 

Elinor Lüdde: "Für mich stellt die Schauspielerei eine Möglichkeit dar, mich selbst ausdrücken und kreativ auszuleben. Andererseits funktioniert das immer nur innerhalb, der von der Rolle vorgegebenen Schranken. Nur richtet sich die Rolle nicht nach dir und wenn du einen beschissenen Tag hast, der Drehplan aber eine Szene voll Heiterkeit vorsieht, musst du es schaffen dich in diese Stimmung zu versetzen. Die Kunst liegt darin, die vorhandene Energie zu bündeln und umzulenken. Hat was von Selbstmanipulation. Bei der Musik kann ich freier sein, kann mich viel mehr dem Moment hingeben, ohne vorher das Hirn einschalten zu müssen. Von daher ist das persönliche Ausdrücken beim Schauspiel begrenzt."

 

EINSTIEG: Was war die besondere Herausforderung dieser Rolle für Sie?

 

Elinor Lüdde: "Die Rolle an sich war schon die große Herausforderung für mich. Ich habe vorher, neben Schultheater- und Komparserie-Erfahrungen, nur in Kurzfilmen gespielt. Von daher war „Meer is nich“ schon ein ganz anderes Kaliber. Abgesehen mal von der für mich anfangs sehr erschreckenden Tatsache, dass ich schlicht in jeder Szene zu sehen bin. So gesehen war das Ganze mit den 32 Drehtagen auch für eine Hauptrolle ungewöhnlich viel Arbeit. Eine andere besondere Herausforderung war, dass ich hier zwei Dinge miteinander kombinieren konnte, die für mich Kreativität bedeuten."

 

EINSTIEG: Welche Wirkung wünschen Sie sich nach dem Besuch von "Meer is nich" beim Kinozuschauer?

 

Elinor Lüdde: "Ich hoffe, dass die Zuschauer etwas sehen in dem Film, was Ihnen einen Anstoß gibt über ihr Leben nachzudenken. Reflektierte Selbstkritik an der eigenen Lebensführung, und der Frage, ob man so lebt und ist, wie man eigentlich möchte. Ich kann einfacher beantworten, was ich mir nicht wünsche: Dass der Zuschauer mit einer Leere nach Hause geht. Wenn das nicht der Fall ist, bin ich schon glücklich."

 

EINSTIEG: Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung für ihr aktuelles Studium gefallen?

 

Elinor Lüdde: "Die Entscheidung, Kulturwissenschaft zu studieren, kam schleppend und nicht richtig motiviert. Ich war mir an dem Punkt nicht sicher, was ich will, und von daher war es auch zum Teil eine pragmatische Entscheidung. Mir war klar, dass ich irgendetwas machen muss, schon allein aus finanziellen Gründen. Da kam für mich dann aufgrund der Freiräume nur das Studium in Frage. Und da ich nicht unsere Band „sleazy, inc. operated“ unter dieser Entscheidung leiden lassen wollte, musste ich schauen, welche Stadt von meinem damaligen Heimatort Weimar nicht allzu weit entfernt ist. Also hab ich mich in Leipzig beworben und bin zum Glück angenommen worden. Das Fach Kulturwissenschaften hab ich eher aus Interesse als aus guten Aussichten auf einen sicheren Job gewählt."

 

EINSTIEG: Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor?

 

Elinor Lüdde: "Mein großes Ziel wäre natürlich das Schauspiel mit der Musik unter einen Hut zu bringen. Beide Kunstformen bieten die Möglichkeit der kreativen Selbstentfaltung. Durch den Film und die Arbeit mit einem Schauspielcoach haben sich mir Türen geöffnet, die ich weiterhin mit professioneller Hilfe erkunden möchte. Ob ich nun damit später meinen Lebensunterhalt verdienen kann, ist erstmal zweitrangig neben dem schlichten Drang nach persönlicher Weiterentwicklung. Ich weiß, wie Lena in dem Film, dass ich nicht glücklich werden könnte, wenn ich einzig und allein für einen Job lebe, den ich nicht mal gerne mache. Da müssen Risiken eingegangen, aber auch Kompromisse gemacht werden. Und selbst wenn ich irgendwann eine Stelle als Kulturmanagerin finde und darin meine Bestimmung erkenne, ist es gut."

 

Lies auch unser Interview mit "Meer is nich"-Regisseur Hagen Keller. [1]

 

Wer mal reinhören möchte in die Musik von "sleazy, inc. operated":
http://www.myspace.com/sleazyincoperated [2]

Übersicht der Hyperlinks

[1]http://www.einstieg.com/schueler/magazin/inhalt/interview-mit-hagen-keller/
[2]http://www.myspace.com/sleazyincoperated

Interview mit Elinor Lüdde : Letzte Änderung 28.08.2008, 07:02 Uhr