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24. März 2009

Kolumne vom 17. März 2009

Mein Bett


Meine Hausarbeit nimmt Gestalt an – zumindest in meinem Kopf und in meinem Bett. Denn auf meiner Matratze stapeln sich gerade Bücher diverser Fachgebiete. Irgendwie landet immer alles, womit ich mich momentan beschäftige, entweder auf oder neben meinem Bett. Ob jemand über die Zweideutigkeit dieser Aussage lachen will, sei jedem selbst überlassen.

 

Ich meine damit nur: Am Fußende liegen ein paar Zeitungsartikel, am Kopfende ein Buch, zwischen Bett und Wand finden sich in der Ritze einige Notizen, und mein Laptop liegt sowieso immer in Griffbereitschaft. Seit letzter Zeit schlafe ich nun auch mit ZERFASS, Ansgar; BOELTER, Dietrich; ARMBORST, Matthias und noch vielen weiteren Menschen, die ich in der Bibliothek "aufgelesen" habe. Ha, noch ein Wortwitz und ich fall' vom Stuhl.

 

Aber bitte zeigt Verständnis: Wenn man sich die ganze Zeit mit ernster Fachliteratur beschäftigt, dann braucht man auch mal einen Ausgleich. Schön, dass ich diese Kolumne habe, in der ich mit Worten wie SCH***E und A****L**H so wunderbar unzensiert herum werfen kann. In meiner Hausarbeit geht das nicht. Da heißt es: Seriosität wahren, einen wissenschaftlich-intellektuellen Eindruck machen und Sätze formulieren, die man nie sagen würde. Mir fällt das irgendwie schwer.

 

Ich kenne Studenten, die verfolgen den Gedanken, eine wissenschaftliche Arbeit sei nur dann von Erfolg geprägt, wenn die Einhaltung diverser Richtlinien, wie das Anlegen von möglichst langen Schachtelsätzen, bei denen man schnell den Überblick verliert – und meist auch noch mit unnötigen Einschüben, die ohnehin Gesagtes noch einmal wiederholen, geschmückt werden, so dass keiner mehr den Durchblick behält –, das Verwenden möglichst vieler Substantive und weniger Verben, was zum Zwecke eines schweren Verständnisses diene, und deie Benutzung von Passivsätzen, damit auch der Verstand des letzten Menschen geraubt geworden sein wird, befolgt werden.

 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Blah die Professoren wirklich beeindrucken kann. Es ist doch viel schwerer, einen verständlichen Text zu schreiben, als einen undurchsichtigen Brei voller schwer verdaulicher Satzkonstruktionen zusammenzurühren. Der muss doch jedem Dozenten schwer auf den Magen schlagen. Ich werde meine Hausarbeit in klare Worte zu packen. In der Einleitung hat das auch schon mal gut geklappt; es kommen die Begriffe "halbgar" und "ausbügeln" vor – und meine Arbeit lautet nicht "Die Auswirkungen von RTLs Erziehungsreportagen auf die alltägliche Hausarbeit" (wobei das wohl ein ziemlich interessantes Thema wäre).

 

Ich werde mich mal wieder auf mein Bett legen und mir den SCHMIDT schnappen. Ich bin teilweise einfach ein alter Römer. Die haben sich auch immer hingelegt. Dabei haben sich so schöne Sprüche wie "ne discere cessa" ausgedacht – höre nicht auf zu lernen. Allerdings werde ich jetzt mein Bett wohl eher für seinen eigentlich Zweck benutzen. Auch dafür gibt es in Latein einen wunderbaren Spruch: "memento dormi".*

 

Jetzt bin ich vom Stuhl gefallen. In Zukunft schreibe ich auch liegend.

 

Bis zum nächsten Mal,

 

Euer Steffen

 

* Heute in der Rubrik "Der ach so intellektuelle Steffen erklärt seine Pointe":

 

Es heißt eigentlich "memento mori" und meint "Bedenke, dass Du sterben musst". "Memento dormi" ist nur eine unheimlich schlechte Verballhornung und bedeutet "Bedenke, dass Du schlafen musst". Wahrscheinlich ist die Übersetzung auch noch falsch. Fragt einen Latein-Lehrer, wenn Ihr mich bloßstellen wollt.

 

 

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