Geplagt vom jahreswechselbedingten Jetlag, bekommt unser Kolumnist Steffen die Nachwirkungen des Schlafrhythmuswechsels noch immer täglich zu spüren. Dabei stehen zu Jahresbeginn doch nicht nur jede Menge Klausuren, sondern auch Unmengen wichtiger Partys an.
Ich will nicht. Ich kann nicht. Ich schaffe es nicht. Aufstehen. Duschen. Frühstücken. Bahn erwischen. Vorlesung. Schreiben. Denken. Die Uni hat mich wieder – doch ich bin dafür überhaupt nicht bereit. Die vorlesungsfreien Tage waren einfach viel zu entspannend und angenehm, als dass ich mir nun vorstellen könnte, wieder mein Hirn anzuschalten. Es ist doch gerade erst dabei, langsam hochzufahren – und das dauert lange, schließlich ist die Hardware nicht gerade die jüngste: In nicht mal zwei Monaten wird sie 24 Jahre, ohne jemals nennenswert nachgerüstet worden zu sein.
Wie kann man nur von mir erwarten, dass ich nur wenige Tage nach Silvester um 8 Uhr morgens in der Uni sitze? Die letzten Wochen hatte ich um die Uhrzeit noch vier bis fünf Stunden Schlaf vor mir. Und nun? Nach fünfmaligem Betätigen der Schlummertaste quälte ich mich gegen 7 Uhr aus dem Bett, schleifte mich zur Dusche, schlürfte zwei Tassen Kaffee und trottete zur Bahn. Im Vorlesungsraum begegneten mir weitere Studenten, die anscheinend genauso gut mit der Umstellung von Frei- auf Uni-Zeit zurechtkamen. Dicke Augenringe, schlurfender Gang, jedes Wort unterlegt mit einem Stöhnen. Die typischen Symptome einer "Ich-brauch-noch-eine-Woche-Urlaub"-Zombie-Manie.
Ein Blick auf den Terminkalender offenbarte dann aber die ganze Misere. In weniger als vier Wochen schreibe ich die Semesterklausuren – insgesamt vier Stück, drei davon innerhalb von 50 Stunden. Hinzu kommen noch ein Projekt für unser Unifernsehen, ein Protokoll und noch ein paar andere Hausaufgaben. Und da ein neues Jahr begonnen hat, habe ich mir auch mal wieder vorgenommen, zum Sport zu gehen – auch wenn sehr treue Leser wissen,
was ich von solchen Vorsätzen halte. Doch schließlich hat sich durch lauter Entspannung und Nichtstun ein nicht unmerkliches Pölsterchen im Bauchbereich gebildet. Und das muss nun irgendwie weg – aber vielleicht verschwindet es wegen des unmenschlichen Stresses auch von ganz allein.
Nachdem die 8-Uhr-Vorlesung am ersten Tag nämlich zu Ende war, hatte ich nur läppische fünf Stunden frei, um zumindest etwas Schlaf nachzuholen. Gegen 16:15 Uhr stand schon wieder die nächste Vorlesung an – und am Abend feierte dann auch noch der Freund meiner Mitbewohnerin Geburtstag. Obwohl ich am nächsten Morgen schon wieder um menschenunwürdige 14 Uhr an der Uni sein musste. Und wenn jetzt die erste Woche Studium überstanden ist, stehen am Freitag- und Samstagabend auch schon stark beanspruchende WG-Partys an, die ich natürlich schlecht absagen kann. Und wiederum kurz darauf geht es auf eine Seminar-Exkursion nach Brüssel, die selbstverständlich mit extrem viel Arbeit verbunden sein wird: Wir werden das EU-Parlament besuchen, uns die Stadt anschauen und abends zu allem Überfluss noch die ein oder andere Kneipe ansteuern.
Oh ja, das Studentenleben hat mich wieder. Und wie ihr seht: Es ist wirklich hart.
Bis zum nächsten Mal,
Euer Steffen