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29. Dezember 2009

Steffens UNIversum vom 29. Dezember 2009

Silvester


 

Trotz immer schärferer Richtlinien für mehr Sicherheit im Knallkörperverkehr sorgt sich unser Kolumnist Steffen kurz vorm Silvesterabend um seine körperliche Unversehrtheit. Kein Wunder, bei seinen traumatischen Erfahrungen...

 

Silvester wird in diesem Jahr etwas leiser, dafür umso heller. Wenn man den Herstellern von Feuerwerkskörpern glaubt, ist die Nachfrage nach Böllern zurückgegangen, die Nachfrage nach "Systemfeuerwerken" aber gestiegen. Diese Systemfeuerwerke sind nichts weiter als eine rechteckige Box, in der mehrere Röhrchen stecken. Jedes dieser Röhrchen ist miteinander verbunden – und wenn die Lunte angezündet wird, feuern sie nacheinander ihren Inhalt in die Luft. Erst schießen zum Beispiel ein paar rote Lichter hervor, danach sprüht ein Glühregen aus der Box. Die Menschen stehen daneben und machen – zur Passivität verdammt – "Oh" und "Ah".

 

Und noch eine gute Nachricht: Silvester wird in diesem Jahr auch sicherer. Die Bundesanstalt für Materialforschung hat von 113 neuen Feuerwerks-Produkten 76 nicht zum Verkauf zugelassen. Und 2010 wird mit einer neuen EU-Richtlinie noch mehr ausgesiebt. Dieses Silvester kann man also getrost schon gegen 1 oder 2 Uhr morgens schlafen gehen, da weder gewaltige Kanonenschlag-Explosionen noch lärmendes Geschrei von Kindern mit verbrannten Handflächen die Nacht durchzucken werden.

 

Wer’s glaubt...

 

Menschen sind – gerade zu Silvester – viel zu erfinderisch, um sich von Licht- oder Sicherheitsfanatikern den ganzen Spaß zu verderben. Ich fand es schon vor fast über zehn Jahren bewundernswert, wie mein Cousin sich an einem Böller verletzen konnte: Ein paar Freunde und ich haben uns in einem Wald innerhalb einer Wohnsiedlung mit Feuerwerkskörpern bekriegt. Das war normal, und nie ist etwas passiert. Bis zu jenem Silvesterabend.

 

Mein Cousin hatte von seinen Eltern – wohl in weiser Voraussicht – nicht genügend Böller mitbekommen. Während der Rest also Kilo um Kilo an Knallkörpern aus seinen Rucksäcken zog und in Richtung Feind schleuderte, suchte mein Cousin den Boden nach nicht-explodierten Böllern ab. Nein, das ist kein Scherz. Kinder sind so. Natürlich fand er auch einen B-Böller, der noch nicht in die Luft gegangen war. Diese Option hatte sich das miese, kleine Drecksding aufbewahrt – für den Moment, als mein Cousin es in die Hand nahm. Das Geschrei war groß, aber alle Finger noch dran.

 

Und dann, vor ein paar Jahren, entdeckten wir die Römischen Lichter, die in Sekunden-Intervallen kleine Leuchtkugeln abschießen – die dienten perfekt dazu, auf andere Menschen zu zielen. Auch hier hat es mal wieder jemanden getroffen, der an der ganzen Sache total unbeteiligt war: ein Mädchen bekam eine Leuchtkugel direkt ins Gesicht. Aber auch dieser Unfall hinterließ keine bleibenden Verletzungen.

 

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die Lautstärke und Gefahr von Silvester spaßig in die Höhe zu treiben. Wer kennt nicht die klugen Ideen, Knallfrösche an Raketen zu binden, mehrere Böller auf einmal anzuzünden oder mit Klebeband seine ganz eigenen Systemfeuerwerke zu basteln. Doch eine Erfindung werde ich wohl nie vergessen: die Panzerfaust-Variante.

 

Zwei Freunde hatten sich von irgendwoher ein stabiles, langes Rohr und eine Menge Raketen besorgt. Der eine schulterte das Rohr, der andere schob eine Rakete hinein und zündete sie an. Damit die Funken nicht ins Gesicht schlagen, hatte der Waffenführer eine Skibrille auf. Zusammen sind sie über Felder gerobbt und haben verschiedene Ziele (Häuser) unter Beschuss genommen. Als sie zurückkamen, waren ihre beiden Gesichter rußverschmiert und ihre Kleidung vollkommen dreckig. Doch auch diese Silvester-Aktion hatte keine Nachwirkungen. Naja. Mehr oder weniger. Einer der beiden ist jetzt Offizier bei der Bundeswehr.

 

Guten Rutsch,

 

Euer Steffen

 

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