Ferienjob gesucht
Seit nunmehr zwei Wochen bin ich auf der Suche nach einem Ferienjob für die nächsten Semesterferien. Bisher leider ohne Erfolg. Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – wobei das Internet für den Heuhaufen steht und die Nadel die "Kurzzeitbeschäftigung" symbolisiert.
Bewerbungen über Bewerbungen liegen kreuz und quer auf meinem Tisch herum, dass ich acht geben muss, sie nicht an die falsche Adresse zu schicken. Einen Brief, in dem ich mein Interesse für die Erweckung von Lernbegeisterung bei Nachhilfeschülern kundtat, steckte ich erst gestern versehentlich in einen Umschlag, der an eine Firma für Motorentechnik adressiert war. Zum Glück bemerkte ich den fatalen Fehler noch rechtzeitig und so mussten die Mitarbeiter des Nachhilfeinstituts keinen Schock erleiden, weil jemand sich mit "Erfahrung in der Industrie - speziell Fehler-Mikroskopie und ölverschmierte Maschinen -, Flexibilität, d.h. auch Nachtschicht möglich" um eine Stelle als Hausaufgabenbetreuer bewarb. Aber das Durcheinander auf dem Schreibtisch ist längst nicht mein einziges Problem. Viel schlimmer war und ist noch immer der Anfang: die Jobrecherche im Internet.
Stundenlang durchforstete ich in den letzten Tagen Homepages mit Slogans wie Dein Traumjob, direkt vor deiner Nase (leider gibt es davon unzählige!) nach vernünftigen Jobangeboten und fand rein gar nichts. Dabei ließ ich mir beim Googlen sicherlich zehn Ausdrücke für den Begriff Ferienbeschäftigung einfallen. Auf keinen Fall kann ich euch auch raten, sollte man "Geld verdienen" in die Sucher-Spalte eingeben. Es sei denn, man glaubt wirklich, dass die 1600 Euro Stundenlohn, die die aufgeführten Homepages versprechen, eine realitätsnahe Vorstellung sind. Oder aber man plant eine Karriere als so genannter Türklingel- Verkäufer von "seriösen Parfums".
Erst nachdem mich dann eine meiner Mitbewohnerinnen auf die Internetseiten der einzelnen Städte verwiesen hatte (Name der Stadt.de) kam ich einen Schritt weiter. Dort nämlich werden zumindest einmal die Firmen aufgelistet, die im näheren Umkreis liegen. (Im Nachhinein muss ich mir selber auch eingestehen, nicht an die Homepages der Arbeitsagenturen gedacht zu haben, was ja nahe liegend ist und wo es tatsächlich auch eine Rubrik für Ferienarbeiten gibt.) So hatte ich am Ende ganze fünf Blatt Papier voll gekritzelt mit Telefonnummern, die ich dann abtelefonierte. Fünfundvierzig Telefongespräche – ohne die vielen Weiterleitungen innerhalb einer Firma wohl bemerkt - habe ich bisher geführt. Im Wechsel begegneten mir dabei Besetzt-Zeichen, Computer- und Menschenstimmen. Außerdem habe ich festgestellt, dass Beethovens Für Elise im Endlosband ein äußerst beliebtes Mittel ist, um den wartenden Anrufer geduldiger zu machen. Diese Wirkung blieb bei mir aber zunehmend aus und stattdessen stellte sich der Gegeneffekt ein, aufkochende Wut auf den Hörer.
In rund dreißig Anrufen erhielt ich direkt eine klare Absage, in vierzehn wurde ich aufgefordert, eine Bewerbung zu schreiben und in einem Telefonat blamierte ich mich hoffnungslos, indem ich - nach über zwanzig Gesprächen mittlerweile völlig entnervt - betonte, über "keine besonderen Fähigkeiten" im industriellen Bereich zu verfügen. Heute habe ich dann drei Absagen aus dem Briefkasten gefischt und stelle mich schon mal auf einen weiteren Telefonmarathon mit Für Elise ein.
Bis nächste Woche,
Eure Carla