Unterrichtsausfall, überfüllte Klassen, Kunst- und Technikunterricht beim Hausmeister. Derlei Horrorszenarien werden entworfen, wenn es um die Zukunft an deutschen Schulen geht. Tatsache ist, dass in Deutschland derzeit ein Mangel an Lehrern herrscht. Gute Jobperspektiven also für diejenigen, die gerade ihr Referendariat beendet haben. Wie aber sieht es für die aus, die demnächst erst ins Studium starten wollen?

Bis vor ein paar Jahren sah es für Lehramtsanwärter noch schlecht aus. Wer nicht gerade Physik an einer Schule für Erziehungsschwierige unterrichten wollte, musste sich erst einmal ein paar Monate bzw. Jahre mit Nachhilfe und Vertretungsstunden durchschlagen. Inzwischen haben sich die Chancen auf eine Anstellung erheblich verbessert. An vielen Schulen herrscht bereits jetzt Lehrermangel und nach Aussagen von Lehrerverbänden und Kultusministerkonferenz (KMK) wird sich die Situation noch verschärfen: Deutschlands Pädagogen sind mit durchschnittlich 48 Jahren nicht gerade die jüngsten und so werden etwa 40 Prozent der derzeit aktiven 790 000 Lehrer in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Haupt- und Berufsschulen sind in „Mangelfächern“ wie Naturwissenschaften und Technik schon jetzt dazu übergegangen, Quereinsteiger einzustellen.
Eine Jobgarantie für Lehrer wird es jedoch nicht geben, vielmehr hängt die Nachfrage stark von Bundesland, Fach und Schulform ab. Für Florian Münch beispielsweise sieht es gut aus. Der 27-Jährige hat an der Uni Würzburg Bio, Chemie und Sport studiert und beginnt im Februar mit seinem Referendariat. Mit seiner Fächerkombination muss er sich wenig Sorgen machen: Physik- und Mathematik-, aber auch Religions- und Musiklehrer für weiterführende Schulen werden auch in Zukunft gesuchter sein als jemand, der Deutsch und Englisch an der Grundschule unterrichtet. Doch auch die Wahl eines zurzeit gesuchten Faches schützt nicht automatisch davor, später arbeitslos zu werden, warnt der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger: „Das Problem an solchen Prognosen ist, dass in dem Augenblick, in dem Lehrermangel konstatiert wird, die Studienanfängerzahlen hochgehen. Entscheidend ist, dass man das nötige Rüstzeug mitbringt. Dazu gehören: große Motivation, Begeisterung für das eigene Fach, Liebe zu Kindern, hohe Belastbarkeit.“
Auch mal hart durchgreifen können
In erster Linie solltet ihr euch also darüber klar werden, ob ihr überhaupt für den Lehrerjob geeignet seid. Wenn ihr gut erklären und mit jungen Menschen umgehen könnt, starke Nerven habt und euch nicht davor scheut, auch mal hart durchzugreifen, bringt ihr die wichtigsten Voraussetzungen mit. Kriterien wie Gehalt und Arbeitszeiten sollten für die Berufswahl zwar nicht ausschlaggebend sein, doch das Lehramt ist ein durchaus attraktiver Berufszweig. So konnte auch Florian bei seiner Berufsentscheidung das Angenehme mit dem Praktischen verbinden: „Ich arbeite gerne mit Jugendlichen und mit einem Sportstudium ist das Lehramt beinahe die einzige Möglichkeit, einigermaßen zuverlässig und entsprechend seiner Ausbildungszeit Geld zu verdienen.“