Gerne schreiben, gerne lesen - das reicht nicht. In der Buchbranche sind vor allem kreative Köpfe mit kaufmännischem Know-how gefragt.
Monatelang versonnen zu Hause hocken, behutsam Wort für Wort in die Schreibmaschine tippen, das fertige Manuskript zum Lieblingsverlag schicken und sofort veröffentlicht werden: Dieser Wunschtraum erfüllt sich nur selten. Wer Schriftsteller werden will, hat einen steinigen Weg vor sich, und nur wenige können vom Schreiben leben. Doch Berufe rund ums Buch gibt es auch für diejenigen, die nicht zu poetischen Höhenflügen berufen sind. Vom Lektor über den Bibliothekar und den Buchhändler bis hin zum Diplom-Ingenieur Drucktechnik reichen die Möglichkeiten für Abiturienten.
Maren Saretz (26) wollte schon immer Lektorin werden. Ein Lektor betreut die Autoren eines Verlags: Er liest ihre Texte, korrigiert sie und gibt gute Ratschläge. Außerdem sieht er mit dem Auge des Kaufmanns auf das Werk, schätzt ab, welche Bücher auf dem Markt eine Chance haben, welche Auflage sich lohnt und welchen Preis man verlangen kann. Für Maren Saretz ein Traumberuf. Nachdem sie ihr Studium in Kunstgeschichte, Englisch und Französisch abgeschlossen hatte, wollte sie ein Volontariat im Lektorat machen. Sie schrieb über 70 Verlage an - nur ein einziger lud sie zu einem Vorstellungsgespräch ein. »Das war zwar nur ein sehr kleiner Verlag. Aber dass die mich genommen haben, war trotzdem ein Glücksfall,«, sagt sie. Denn Saretz hatte während der Unizeit keine praktischen Erfahrung gesammelt. »Das war ein Fehler«, meint sie heute.
Praktische Erfahrungen sammeln
»Praktika sind neben einem Studienabschluss mittlerweile fast Bedingung, um ein Volontariat im Lektorat zu bekommen«, sagt Eva Martin, Leiterin der Berufsbildung beim Börsenverein des deutschen Buchhandels. Die Verlage können hohe Ansprüche stellen, denn eine Heerschar von Uni-Absolventen, vor allem aus den Magisterstudiengängen, bewirbt sich um die wenigen Volontariatsplätze. Schon bei der Wahl des Studienfachs sollte der Lektor in spe sich daher überlegen, in welchem Bereich er später sein Glück versuchen möchte. So nimmt ein Reiseverlag natürlich lieber einen Touristik-Studenten, der schon mehrfach im Ausland war, als einen Juristen, der erst im letzten Semester sein Fernweh entdeckt hat. Von Vorteil ist zusätzlich eine Berufsausbildung in Verlag oder Buchhandel, in der man kaufmännisches Know-how erworben hat.
Auch mit guten Voraussetzungen bleibt der Weg in eine Festanstellung steinig. Ein bis zwei Jahre dauert das Volontariat bei einem Gehalt, das selten über der Vergütung eines Praktikums liegt. Danach muss der Volontär mit seinen Mitstreitern um die wenigen offenen Stellen unter den insgesamt 3000 bis 5000 Plätzen in deutschen Lektoraten rangeln. Auch ein Problem: Die Konzentration auf dem Buchmarkt nimmt zu: Große Verlage schlucken kleine und mittlere, Abteilungen werden zusammen gelegt, um Arbeitsplätze zu reduzieren.
Übersetzer - Harter Job
Dies geht nicht nur zu Lasten der Lektoren, auch Übersetzer haben mit dem engeren Arbeitsmarkt zu kämpfen. Mona Wodsak, Koordinatorin des Diplom-Studiengangs Literatur-Übersetzen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, beobachtet die Entwicklung daher mit Sorge. »Es wird weniger übersetzt als früher«, sagt sie. »Zwar gibt es einen Trend zu englischer und amerikanischer Literatur. Aber die Verlage setzen dabei eher auf wenige Titel, die sich dafür gut verkaufen.« Der angehende Literaturübersetzer muss schon bei der Bewerbung einige Voraussetzungen mitbringen. In zwei Sprachen seiner Wahl muss er mindestens zehn Punkte auf dem Abi-Zeugnis haben oder seine Kenntnisse in einem Eingangstest nachweisen. Weitere Bedingung sind gute Deutschnoten.