One-Hit-Wonder oder Dauerbrenner?

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Der Sieger steht fest: Timon Menge hat beim Wettbewerb "One-Hit-Wonder oder Dauerbrenner?" die beste Plattenkritik geschrieben. Er freut sich über ein Praktikum in der Musikredaktion von DASDING, sowie über das Abo einer Musikzeitschrift. Hier könnt ihr den Text des Nachwuchsjournalisten lesen.

 

 

A Fine Frenzy – One cell in the sea

"Feiner Wahnsinn" bedeutet der Künstlername der 22-jährigen Alison Sudol. Eine gute Betitelung, denn sie macht es selbst dem routinierten Musikjournalisten schwer, eine bessere zu finden. Dabei sind die Feinheiten ihrer Musik offensichtlich. Ihre Stimme ist sanft und zurückhaltend, ihr Klavierspiel gefühlvoll und die texte zeigen sie verträumt und ein wenig verspielt. Lediglich nach dem Wahnsinn muss der Hörer bisweilen ein wenig suchen.

 

Alison ist fünf Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden lassen. Ein Einschnitt in ihr Leben, der sie später an das Ufer der Kreativität treiben soll. Bereits auf der Highschool singt sie in einer Band, steigt jedoch später aus, um sich auf eigene Faust das Klavierspiel beizubringen und selbst Musik zu machen. Das Schreiben der Texte stellt dank ihrer Leidenschaft für Literatur kein Problem dar und so sind alle handwerklichen Voraussetzungen zum Musizieren gegeben. Doch nicht nur die motorischen Fähigkeiten beweist Alison auf ihrem Debüt, denn ihre fantasievollen Texte und das Gefühl in ihrer Stimme ergänzen das Hand- zum Kunstwerk. Dieser Ansicht war wohl auch ein Manager des Majorlabels EMI. Der lud sich kurzerhand zu einer Privataudienz in Alisons Wohnung ein, die ihn dort mit selbstgebackenen Keksen versorgte. Besagtem Manager ist es zu verdanken, dass das Projekt "A fine frenzy" eine Chance bekommen hat und auf „One cell in the sea“ seine Früchte präsentieren darf.


Die erste Singleauskopplung des Albums ist der Song "Almost Lover". Ein ruhiges Klavier, Alisons feine Stimme und genau das richtige Maß an Produktion. Dies ist leider nicht bei allen Songs der Fall, so kommt "Come on, come out" zum Beispiel wesentlich poppiger daher und klingt dabei zeitweise etwas überladen. Dieser Drang zur Marktfähigkeit tut den ruhigen und natürlichen Songs auf dem Album nicht immer gut und entlarvt die mittelmäßigen Lieder des Albums, auch wenn sie naturbelassen ohne weiteres mehr Potential gehabt hätten. Ein anderes Beispiel dafür ist der Track "Last of days", der anfangs eher ruhig und introvertiert wirkt, zur Mitte hin aber deutlich schmalziger klingt. Anderen Songs tut diese Produktionswut wiederum gut, den „Liar, Liar“ gewinnt durch das Schlagzeug und die begleitende Klavierspur ein wenig an Fülle und kommt letztendlich auf das perfekte Maß an Popeinflüssen, während die Folkelemente, allein durch das französisch klingende Akkordeon zu Beginn des Liedes, nicht zu kurz kommen.

 

Abseits dieser ausgewählten Stücke ist "One cell in the sea" eine vielseitige Platte für Romantiker. Naturverbundene, gefühlvolle Texte, eine Stimme, die zwar nicht immer ganz perfekt ist, aber einen unvergleichlichen Charme besitzt und natürlich die wunderschönen Klaviermelodien. Alison Sudol schafft sich mit ihrem Debüt eine eigene kleine Welt, in der Bilder zum Leben erwachen. Kolibris mit Ameisen Kaffee trinken und Elefanten ihre Erdnüsse mit Ratten teilen. Der einzige Störfaktor der CD ist die gelegentliche Überproduktion, doch hat man erst einen richtigen Zugang zu Alisons Texten und ihrer Musik, blendet man alles Überflüssige automatisch aus und träumt einfach mit ihr zusammen. Das einzige was dann noch bleibt sind die schüchterne Fantasie und ein kleines bisschen Wahnsinn.