Kandidaten ohne Kennzeichen
Anonyme Bewerbungen, die nichts über den Namen, das Alter oder die Herkunft eines Bewerbers verraten: Das Pilotprojekt "anonymisierte Bewerbungsverfahren"setzt sich für weniger Diskriminierung und Chancengleichheit für alle ein.Patrick Agis-Garcin
Im November 2010 hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ein in Deutschland bislang einmaliges Pilotprojekt ins Leben gerufen: Ein Jahr lang probieren fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber – darunter auch Großkonzerne wie die Post oder die Deutsche Telekom – ein neues Bewerbungsverfahren aus, bei dem persönliche Angaben der Bewerber anonymisiert werden. Die teilnehmenden Unternehmen wählen ihre Kandidaten somit aus, ohne deren Namen, Herkunft, Alter oder Geschlecht zu kennen. Auch auf ein Foto wird zunächst verzichtet – allein die Qualifikation zählt.
Erst, nachdem ein Personaler einen Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat, erhält er Einblick in die kompletten Bewerbungsunterlagen. So soll verhindert werden, dass fachlich geeignete Bewerber aufgrund von Vorurteilen noch vor dem ersten Vorstellungsgespräch aussortiert werden. "Es gibt Untersuchungen darüber, dass sich Personaler im Durchschnitt etwa zwei bis vier Minuten lang mit einer Bewerbung beschäftigen", sagt die Leiterin der ADS, Christine Lüders. "Es ist also viel damit gewonnen, wenn wir den Blick in dieser knappen Zeit ausschließlich auf die fachliche Kompetenz lenken können und die Bewerberauswahl so nicht von subjektiven Vorbehalten abhängig machen."
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- Section: Bestimmte Bewerber werden benachteiligt
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