feedback
Home
Lehrer in den MINT-Fächern

Lernen, besser zu lehren

Warum entsteht ein Regenbogen und wie funktioniert eigentlich eine Digitalkamera? Mit solch lebensnahen Problemstellungen beschäftigten sich angehende Physiklehrer bislang kaum. Doch nun ist Bewegung in die Lehrer-Ausbildung in den MINT-Fächern gekommen. Holger Müller-Hillebrand

Zu theoretisch, zu analytisch, zu weit weg vom Schulunterricht: Die Beobachtung von Jörg Fandrich macht die ganze Crux der gegenwärtigen Lehrerausbildung in den naturwissenschaftlichen Fächern auf einen Schlag deutlich. "Wenn wir wollen, dass zukünftige Lehrkräfte fähig sind, komplexe Fragestellungen zu bearbeiten, müssen wir sie auch darin ausbilden", sagt der Leiter des Schülerlabors "PhysLab" an der Freien Universität (FU) Berlin. "Jeder Lehrer reproduziert im Wesentlichen den Unterricht, den er selbst erfahren hat."

 

Und der ist an den Universitäten oft alles andere als schultauglich, urteilt Oliver Schmitt, der in Süddeutschland Physik und Mathematik auf Lehramt studiert. "In Seminaren und Vorlesungen bin ich als Lehramtler meist ein Exot", berichtet der 27-Jährige. "Ich sitze da zusammen mit Dutzenden von Bachelor-Studierenden, und genauso sind die Inhalte auch angelegt: Auf hohem Niveau wird analysiert, abstrahiert und gerechnet. Ich kann zwar noch mithalten, doch wie ich später das Interesse von Jugendlichen dafür gewinnen und ihnen die Inhalte verständlich darlegen soll, erzählt mir niemand."

Hochschulen denken um


Reformen scheinen also dringend erforderlich. Auch, weil immer weniger Mathe, Physik oder Technik an Schulen unterrichten wollen, obwohl sich MINT-Lehrer nach bestandenem Staatsexamen ihre Schule praktisch aussuchen können. So gab es etwa zuletzt im Physik-Lehramtsstudium satte 15 Prozent weniger Anfänger, während die Neueinschreibungen beim "normalen" Physikstudium leicht gestiegen sind.

 

Doch nun ist Bewegung in die Lehrerausbildung in den MINT-Fächern gekommen. Der andauernde Lehrermangel, stagnierende oder gar sinkende Studierendenzahlen sowie hohe Abbrecherquoten in den Lehramtsstudiengängen haben viele Hochschulen zum Umdenken angeregt. Die Ausbildung soll vor allem praxisorientierter werden. Für solch neue Wege in der MINT-Lehrerbildung hat die Deutsche Telekom-Stiftung, die sich auch für eine Verbesserung des Bildungssystems in den Naturwissenschaften engagiert, vier deutsche Universitäten ausgezeichnet. Der Einsatz der Stiftungsinitiative: 4,5 Millionen Euro für die besten Ideen.

  1. Section: MINT-Lehrer sind im Studium Exoten
  2. Section: Diese Unis werden von der Telekom-Stiftung gefördert
Keyterms:
 
LehramtMINTLehrermangel

More on this topic