feedback
Home
Berufswelt Fotografie

Den Finger am Auslöser

Knipser sind dank günstiger Digitalkameras heute fast alle, richtige Fotografen hingegen nur wenige. Einstieg erklärt die Unterschiede und stellt verschiedene Tätigkeitsfelder für Fotografen vor. Daniel Schwitzer
Fotografie

In der professionellen Fotografie gibt es verschiedene Berufsfelder. © Melanie Vollmert / pixelio.de © froodmat / photocase.de

Die Aufforderung "Bitte recht freundlich!" hat Sarah Matiaschek während ihrer Ausbildung zur Fotografin bislang noch nie in den Mund genommen. Kein Wunder, denn wenn sie überhaupt einmal Porträt-Aufnahmen schießt, dann von Verbrechern oder Toten. Die 26-Jährige lernt ihren Beruf am Polizeipräsidium Köln, da bekommt sie zwangsläufig andere Motive vor die Linse als in einem normalen Fotostudio. "Meistens fotografieren wir tatrelevante Gegenstände und Spuren, zum Beispiel Kleidung, gestohlenen Schmuck und Fingerabdrücke", erklärt sie. Ansonsten unterschieden sich die Ausbildungsinhalte aber nicht groß von denen ihrer Mitschüler in der Berufsschule: "Die Basics sind in jedem Fotografenjob dieselben."

 

Wenn Sarah zu einem Einsatz gerufen wird, bespricht sie sich am Tatort zunächst mit ihren Kollegen von der Spurensicherung. Danach macht sie Fotos von der Umgebung, denn Staatsanwaltschaft und Gericht müssen später die Situation vor Ort möglichst gut nachvollziehen können. Polizeifotografen sind immer die ersten, die einen Tatort betreten, um ihn auch wirklich so dokumentieren zu können, wie er vorgefunden wurde. Handelt es sich um einen Fall mit vielen Spuren, zieht sich Sarah dazu einen Steril-Anzug und andere Schuhe an. Nach den Fotografen kommt die Spurensicherung und versucht, Fingerabdrücke oder DNA zu sichern. Das läuft ab wie im Fernsehen: Der Tatort wird genau unter die Lupe genommen und jeder Fund mit einer kleinen Nummer markiert.

 

Am Ende fertigt Sarah dann noch Nahaufnahmen der interessantesten Spuren an. "Einen Mord hatte ich bislang noch nicht, aber ich musste mal in der Gerichtsmedizin ein Mordopfer fotografieren und die verschiedenen Wunden und Einstichstellen dokumentieren", erzählt sie. Der Job sei jedenfalls nichts für Zartbesaitete, im Gegenteil, es könne auch schon mal blutig werden. "Dafür ist jeder Fall aufs Neue wie ein kleines Abenteuer."

 

"Begabung allein reicht nicht"

 

Fotograf ist für viele Abiturienten heute immer noch ein Traumjob. Kein Wunder, bietet er doch eine spannende Mischung aus handwerklicher und kreativer Tätigkeit mit vielen interessanten Spezialisierungen. Grundsätzlich führen zwei Wege in den Beruf: Entweder man absolviert eine dreijährige Lehre, zum Beispiel in einem Fotoatelier, einer Werbeagentur, in Forschungseinrichtungen oder der Industrie. Auch so manche Behörde in Bund, Ländern und Gemeinden bildet Fotografen aus, etwa die Polizei. Oder aber man entscheidet sich für ein Fotografie-Studium an einer Akademie bzw. Hochschule. Während die Lehre eher kommerziell ausgerichtet ist – Azubis lernen auch, wie man einen Businessplan schreibt und was sie im Kundengespräch beachten müssen –, liegt der Schwerpunkt im Studium meist auf der künstlerischen Entfaltung: Die Studierenden fotografieren selbstständig zu vorgegebenen Themen und diskutieren ihre Arbeiten danach mit den Dozenten.

 

"Einen eigenen Stil finden, ein eigenes Werk erschaffen und sich kritisch mit diesem auseinandersetzen, das geht am besten an einer Hochschule", findet Elke Seeger, die an der Folkwang-Hochschule in Essen Fotografie lehrt. Wichtigste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium seien Fantasie und Inspiration, doch auch Fleiß und Ausdauer zählten. "Begabung allein reicht nicht. Man muss auch ein Arbeitstier sein und sich durchwühlen, bis man letztlich zu einem Ergebnis kommt, mit dem man selbst zufrieden ist."

Keyterms:
 
FotografieFotografKunst

More on this topic