Zu Gast bei Fremden
In Netzwerken wie Couchsurfing.org bieten Menschen aus aller Welt anderen kostenlose Schlafplätze an. Reisende können so ihren Geldbeutel schonen – und rund um den Globus Freundschaften schließen.Judith Schulte

Zieh das Bettsofa aus - beim Couchsurfing werden Fremde zu Gastgebern und Reiseführern in Personalunion. © Julia Kunze
Die langen Haare der jungen Frau wirbeln wild umher. Sie tanzt und schwingt im zuckenden Licht der bunten Scheinwerfer die Arme vor und zurück. Mit geschlossenen Augen versinkt sie ganz in den elektronischen Beat. Die Musik ihrer früheren Lieblingsband "Asian Dub Foundation" hat Merle schon lange nicht mehr gehört. Daher freut sie sich umso mehr, dass sie hier in Südspanien, ganz in der Nähe von Malaga, mal wieder eins ihrer Konzerte besuchen kann.
Sie ist gemeinsam mit Manuel hier – und das, obwohl sie ihn vor ein paar Tagen erst kennen gelernt hat. Der 24-jährige Spanier bietet auf der Internetseite Couchsurfing.org seine Gästecouch als kostenlosen Schlafplatz an. So hat Merle ihn gefunden. Wegen eines Studienprojektes war die 23-jährige Kölnerin nach Andalusien gekommen. Nach einer Woche reisten ihre Kommilitonen wieder ab. Merle wollte aber noch ein paar Tage Urlaub dranhängen – und suchte sich ihre Unterkunft über Couchsurfing.org: "Ich wollte einfach das Land und das Leben der Menschen hier näher kennen lernen – und das nicht über einen Taschenreiseführer."
Auf der Internet-Plattform bieten Menschen aus fast allen Ländern der Welt anderen ihre Dienste als Gastgeber an: die meisten einen Schlafplatz, andere einen Stadtrundgang oder einfach nur eine Einladung zum Kaffee. Und viele der Gastgeber nehmen gerne selbst ein fremdes Sofa in Anspruch, wenn sie auf Reisen sind. "Couch für Couch" ist das Motto: Den Gründern des Netzwerks geht es darum, Menschen und Orte auf der ganzen Welt miteinander zu verbinden, um Gastfreundschaft, Bildungsaustausch, Gemeinsinn und Toleranz.
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