Ihr wollt ein neues Land kennen lernen und Auslandserfahrung sammeln oder vielleicht einfach etwas studieren, das es in Deutschland nicht gibt? Wie wäre es mit einem Studium in der Nachbarschaft - in den Niederlanden?
Immer mehr deutsche Studenten zieht es in die Niederlande: 13 000 waren dort im Jahr 2006 bereits eingeschrieben. Damit kommt das Nachbarland auf der Auslands-Beliebtheitsskala einheimischer Studis sofort nach den USA und England. Deutsche Abiturienten werden nicht nur von der lockeren holländischen Lebensart angelockt. Vor allem die so genannten "NC-Flüchtlinge" kommen hier auf ihre Kosten, denn Zulassungsbeschränkungen gibt es in den Niederlanden kaum. Auch die Sprache ist kein allzu großes Hindernis: Viele Studiengänge werden auf Englisch angeboten, wer in der deutsch-holländischen Grenzregion studiert, kann mit ein bisschen Glück komplett auf Deutsch studieren. Für alle anderen "Einwanderer" gibt es Sprachkurse.
Andere Länder, ähnliche Sitten
In den Niederlanden hat man die Qual der Wahl zwischen 70 verschiedenen Hochschulen. Das Bildungssystem ähnelt dem deutschen: An den "Universiteiten" steht wissenschaftliches Arbeiten auf dem Studienplan. Die „Hogescholen“, die den deutschen Fachhochschulen entsprechen, bieten dagegen ein praxisorientierteres Studium an. Zugangsvoraussetzung für die Universiteit ist das Abitur, bei den Hogescholen reicht in der Regel die Fachhochschulreife aus. Die Umstellung auf die international anerkannten Bachelor- und Master-Abschlüsse ist im vollen Gange. Das Bachelor-Studium dauert an den Universiteiten drei Jahre und an Hogescholen vier Jahre.
Die gefragtesten Fächer bei den deutschen Studenten in den Niederlanden sind Wirtschaftswissenschaften und Psychologie. Auch medizinische Studiengänge wie Biomedizinische Technik, Laborwesen oder Gesundheitswissenschaften stehen hoch im Kurs. "Gerade Studiengänge, die man in Deutschland nur mit sehr guten Noten belegen kann, sind hier beliebt", sagt Studienberaterin Claudia Hermann von der Universität Maastricht. "Für das Fach Psychologie muss man bei uns nur einen Niederländisch-Test machen und schon ist man drin." Außerdem setzen die Unis auf gute Betreuung: „Deutsche Studienberater wie ich sind keine Seltenheit", so Hermann. Das Studium sei aber kein Zuckerschlecken: "Weniger Ferien und mehr Arbeiten lautet das Motto, alle acht Wochen werden Prüfungen geschrieben." Davon lassen sich aber die wenigsten abschrecken, wenn es um ihr absolutes Wunschfach geht.