Claudia hatte eine Woche frei und ist in China herum gereist. Vom Bergsee nahe Kanding ist sie begeistert - von chinesischen Toiletten eher nicht.
Nimen hao liebe Community,
ich bin frisch aus dem Urlaub zurück und die "Golden Week" ist nun zu Ende. Nachdem es letzte Woche nicht sehr viel zu berichten gab, kann ich euch heute von vielen neuen Eindrücken erzählen. Letzten Samstag sind wir gegen 23:30 Uhr in Chongqing gelandet. Am Flughafen wurden wir Mädels von Ronald in Empfang genommen, der uns erst einmal in seine WG gebracht hat - quasi der Ausgangspunkt der Reise. Um zu erklären, wer Ronald ist, muss ich etwas ausholen. Cynthia, eine meiner Kolleginnnen, hat früher öfter an Skifreizeiten teilgenommen, und bei einer dieser Ausflüge war Ronald einer der Gruppenleiter. Er ist also schon etwas älter als wir. Eigentlich ist er Rechtsanwalt, nimmt aber zurzeit an einem Masterprogramm teil, das ihn für ein Semester nach China führte.Also, angekommen in der Rechtsanwalts-WG haben wir uns direkt heimisch gefühlt. Viel Platz, gemütliche Sofas, ein riesiger Balkon und eine Grünanlage direkt vor der Haustür. Chongqing liegt übrigens im mittleren Westen Chinas und direkt am Jangtse, dem längsten Fluss des Landes. Da wir für den Rest der Woche ein relativ straffes Tourprogramm vor uns hatten, war Sonntag erst einmal Entspannung angesagt. Für 6,80 Euro den ganzen Tag in Hot Springs (heiße Quellen, meistens im Freien) baden, Obstbuffet umsonst und ein Service wie im 5-Sterne Hotel. Besonders angenehm an den Hot Springs war ein großes Becken mit kaltem Wasser, in dem tausende kleine Fische nur darauf warten, dass jemand seine Füße in das Becken streckt. Die knabbern dann nämlich zu hunderten an der Haut rum, was einen erst einmal schön zum Lachen bringt. Aber danach ist es wie eine wunderbare Fußmassage. Ich bin seit dieser Erfahrung für Goldfische in deutschen Schwimmbädern!
Am Sonntagabend haben wir dann auch Steffen, einen Mitbewohner von Ronald, kennengelernt, der unsere Ausflugstruppe für die Woche komplettiert hat. Am Montag konnte es dann also endlich losgehen. Früh aufstehen, alle duschen, schnelles Frühstück und ab ins Taxi zum Busbahnhof. Leider hatten ziemlich viele Chinesen die gleiche Idee wie wir und die Ticketschlange war unendlich lang. In solchen Momenten hilft es, sich chinesische Gepflogenheiten zur eigenen Tugend zu machen. Ronald hat sich nach zwei Stunden förmlichen Anstehends in die erste Reihe vorgeboxt und nach minutenlanger Diskussion mit Wachbeamten und Schalterpersonal endlich fünf Tickets erkämpft. Nach vier Stunden Busfahrt nach Chengdu plus Hostel-Suche waren wir dann schließlich um 19:00 Uhr in zwei Double-Rooms des "Dragon Hostels" untergebracht. Aber Chengdu war noch nicht das eigentlich Ziel unserer Kurzreise. Am Dienstag lagen immerhin noch acht Stunden Busfahrt vor uns, und so kamen wir schließlich in Kanding in der Sichuan-Provinz an, wo wir in einem Hotel mit Hot Springs eingecheckt haben. Die Hot Springs verströmten einen Schwefelgeruch, es gab keine Duschen und die hygienischen Bedingungen auf über 2000 Metern Höhe, umgeben von Natur und Bergen, waren mehr als gewöhnungsbedürftig. Wir haben gefroren und wussten nicht, wie wir uns waschen sollen, waren umgeben von Furzgeruch und natürlich gab es nur chinesisches Frühstück in dem Laden, was bei uns Mädels schon Überlebensängste auslöste. Aber nach der ersten Nacht, einer Shoppingtour inklusive Kopfmassage beim Friseur und einer ersten Bergwanderung waren wir dann völlig angekommen und Kanding hatte unser Herz erobert. Außerdem haben wir in einem Café drei deutsche Studenten kennengelernt, die uns am Donnerstag direkt zum Bergsee begleitet haben. Ich habe selten etwas Schöneres gesehen! Es tat wirklich gut, so viel frische Luft abzubekommen und mit einer schön gemischten Truppe einen solchen Trip genießen zu können. Weitere Bilder könnt ihr euch übrigens im Internet ansehen; www.picasaweb.google.de/reich.claudia.
Am gleichen Tag haben wir uns noch einen Minibus nach Muxi genommen. Eigentlich wollten wir dort den Gletscherpark besichtigen, was leider aufgrund des Nebels dann nicht möglich war. Dafür habe ich die größten Spinnen meines Lebens gesehen, was ich persönlich als keine sonderliche Bereicherung empfunden habe….Nach dieser Woche habe ich mich dazu entschlossen, ab sofort die Rubrik "Nice to know" in meinen Blog einzufügen. Darin werde ich immer über Dinge berichten, die typisch für China sind und jeden vor bösen Überraschungen bewahren soll ;)Diese Woche ist nice to know: In China sind sogenannte Western Toilets, wie wir sie von zu Hause kennen, eher die Ausnahme. Hier ist es eher üblich, dass die Toilette ein Becken im Boden darstellt, über das man sich hockt und sein Geschäft macht. Außerdem sollte sich jeder Chinareisende angewöhnen, immer Toilettenpapier in der Tasche zu haben...Nächste Woche gibt es mehr von "Nice to know". Außerdem fange ich nächste Woche mein Tutorium in International Business Management an. Bis jetzt sieht es nach viel Stress aus, aber auch davon gibt es nächste Woche mehr. Ich wünsch euch was,
Zai jian Claudia
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