Chancengleichheit für alle?
Anonymisierte Bewerbungsverfahren, in denen auf persönliche Details wie Namen, Alter oder Herkunft verzichtet wird, sollen gegen Diskriminierungen schützen und die Qualifikation in den Fokus rücken. Nun liegen die Ergebnisse eines Pilotprojekts der Antidiskriminierungsstelle vor.
Name, Alter, Herkunft, Geschlecht, Familienstand – die persönlichen Angaben, die fachlich bestens geeigneten Bewerbern auf dem Weg zum Traumjob zum Verhängnis werden können, sind vielfältig. Im November 2010 startete die Antidiskriminierungsstelle des Bundes daher ein Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungen, bei denen eben jene Details keine Rolle spielen sollen. Im Bewerbungsprozess teilnehmender Unternehmen wie der Post oder der Deutschen Telekom wurden persönliche Details ebenso wie Fotos der Bewerber entweder gar nicht erst angefordert oder nachträglich geschwärzt. Einblick in die vollständigen Bewerbungsunterlagen erhielten die Personalchefs erst, nachdem sie einen Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen hatten – so sollte verhindert werden, dass Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Bewerber oder Frauen mit Kindern aufgrund von Vorurteilen vorschnell aussortiert werden.
Nun hat die Antidiskriminierungsstelle den Abschlussbericht für das Pilotprojekt veröffentlicht. Das Fazit ist tendenziell positiv: "Unser Pilotprojekt hat gezeigt, dass anonymisierte Bewerbungen den Fokus auf die Qualifikation der Bewerbenden lenken und dabei gut umsetzbar sind", sagte Leiterin Christine Lüders. Die Ergebnisse im Einzelnen:
- Die Personalverantwortlichen sind vom anonymisierten Bewerbungsverfahren überzeugt – für sie stellt das Fehlen der persönlichen Details im Allgemeinen kein Problem dar. Besonders das Weglassen eines Bewerbungsfotos fördert demnach die Fokussierung auf die Qualifikation der Bewerber.
- Die Bewerber selbst zeigen sich mehrheitlich ebenfalls zufrieden mit dem Pilotprojekt: 41 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, dass ihre persönliche Chance auf ein Vorstellungsgespräch durch die anonymisierte Bewerbung steigt, nur 26 Prozent schätzen ihre Chancen bei herkömmlichen Verfahren höher ein. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Bewerber gibt sogar an, dass sie ihr persönliches Potenzial im anonymisierten Verfahren besser oder zumindest genauso gut darstellen kann als in herkömmlichen Verfahren.
- Ebenfalls untersucht wurde, welche Effekte die Anonymisierung der Bewerbungen von Gruppen hat, die sonst oft Opfer von Diskriminierungen werden. Frauen haben demnach durch die Anonymisierung tendenziell bessere Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Auch bei Bewerbern mit Migrationshintergrund konnte eine Steigerung der Erfolgschancen beobachtet werden. Zu beachten ist allerdings, dass diese Effekte nicht repräsentativ sind – die meisten Unternehmen, die sich für das Pilotprojekt zur Verfügung stellten, hatten schon zuvor Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt umgesetzt und können somit nicht für die Allgemeinheit stehen.
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