"Die Ausbeutung hat System"
Markus Henriks Praktikanten-Roman "Copy Man" beschreibt das Schicksal von Anton, dessen Job bei einem Markforschungsinstitut sich als unbezahlte Probearbeit entpuppt.Annette Kamps
EINSTIEG: Verarbeiten Sie in "Copy Man" Ihre eigenen Erfahrungen?
Henrik: In meinen Roman sind einige autobiografische Erlebnisse eingeflossen: In einer Episode ruft der Ich-Erzähler Anton aus dem Callcenter bei Freunden an, damit die ihm schnell bei der Beantwortung stumpfsinniger Fragebögen helfen. Besonders schön sind dann beispielsweise Fragen zum Zigarettenkonsum, wenn man die mit militanten Nichtrauchern durchkaut! Ich habe aber auch einige Erzählungen von Freunden verarbeitet.
EINSTIEG: Gibt es Ihrer Meinung nach Branchen, die besonders viele Praktikanten verschleißen?
Henrik: Die Statistiken zeigen, dass insbesondere die Medienindustrie auf unbezahlte hochqualifizierte Kräfte setzt. Die Aussicht auf eine Festanstellung in diesem Metier versprüht offenkundig nach wie vor einen großen Reiz – das wissen die einschlägigen Firmen natürlich für sich zu nutzen. Ein großes Fernsehunternehmen – was wir an dieser Stelle nicht nennen wollen, denn die haben tolle Anwälte – gestaltet das Tagesgeschäft mit 70 Prozent
unbezahlten Praktikanten. Da hat die Ausbeutung System!
EINSTIEG: Worauf sollte man achten, wenn man sich für ein Praktikum bewirbt?
Henrik: Eine Praktikumsstelle darf keine normale Arbeitsstelle ersetzen, das ist eine absolute Grundregel. Man sollte vor dem Praktikum auf einen Arbeitsvertrag bestehen und hinterher ebenso auf ein Abschlusszeugnis. Außerdem sollte man über seine Rechte Bescheid wissen: Als Praktikant hat man ein gesetzliches Anrecht auf geregelte Arbeitszeiten, Versicherungen, Ausgleich für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung und auf Urlaub.
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