Wer sich nicht verstecken muss, leistet mehr
Eigentlich spielt es im Berufsleben keine Rolle, ob man hetero, bi, schwul oder lesbisch ist. Trotzdem haben viele Angst, sich am Arbeitsplatz zu outen. Immer mehr Unternehmen steuern dagegen und sorgen dafür, dass ihre Mitarbeiter offen leben und arbeiten können.Melanie Walkenbach, Annette Kamps
Schwule Friseure oder lesbische Polizistinnen – berufliche Klischees gibt es jede Menge. Je nachdem, in welcher Branche man arbeitet, scheint die sexuelle Orientierung kein Problem zu sein – oder eben doch: Zwar haben wir inzwischen mit Guido Westerwelle sogar einen schwulen Außenminister, der wiederum häufig von der ebenfalls geouteten Moderatorin Anne Will interviewt wird. Im Profi-Fußball dagegen traut sich noch kein Spieler, offen schwul zu leben – glaubt man Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer, wäre seine Karriere dann auch schnell beendet. Doch wie sieht es abseits der Promi-Welt aus? Schließlich werden nur die wenigsten Jugendlichen Politiker, Fußballer oder Top-Journalistinnen. Die meisten – ob hetero-, homo-, trans- oder bisexuell – starten nach Schule oder Uni in ein ganz "normales" Berufsleben.
So wie Thomas Kraut. Der 26-Jährige arbeitet in der IT-Branche, und für ihn war das Outing in der Firma wie ein Befreiungsschlag: "Man lebt einfach offener, und wenn montags über die Wochenendaktivitäten gesprochen wird, muss ich nicht länger die Tatsachen umbauen, um mich zu verstecken. Meiner Meinung nach lässt es sich dadurch sogar besser arbeiten, weil man eben nicht ständig damit beschäftigt ist, das Thema zu verheimlichen. Und das ist auch äußerst wichtig, schließlich verbringt man einen Großteil seiner Zeit am Arbeitsplatz!" Doch nicht nur der offene Umgang mit Kollegen spielt eine Rolle: Arbeitet man in einer Schule, hat man es mit Schülern und Eltern zu tun, in einer Bank mit Kunden. "Wegen des Kundenkontakts hatte ich schon Angst, mich zu outen," sagt Doreen Trolldenier vom arco-Netzwerk der Commerzbank.
Angst, entlassen zu werden. Angst, nicht befördert zu werden. Angst, nicht so akzeptiert zu werden, wie man ist. Angst, an anderen Dingen gemessen zu werden, als an der eigenen Leistung. Wer damit beschäftigt ist, sich zu verstecken, oder sich vor Diskriminierungen fürchtet, kann weder so unbeschwert arbeiten wie seine Kollegen noch so effektiv: Zehn Prozent weniger Arbeitsleistung durch Verstecken, Verstellen, Demotivierung – von dieser Zahl geht der Völklinger Kreis, der Berufsverband für schwule Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kultur, aus. Der offene Umgang mit den Kollegen zahlt sich also aus, nicht nur fürs eigene Wohlbefinden und Betriebsklima, sondern auch für die Bilanz.
- Abiturienten unter Leistungsdruck: Generation Angst
- EINSTIEG Studien- und Berufsberatung: Mehr als "gute Ratschläge"
- Der einzig wahre Berufswahltest: Welcher Job passt zu mir?
- Die beliebtesten Ausbildungsberufe bei Jugendlichen mit Abitur: Die Top Ten der Ausbildungen
- Berufe rund ums Internet: .:: page under construction



