"Hätte Gott gewollt, dass Frauen fliegen, wäre der Himmel rosa"
Typische Männer- und Frauenberufe, gibt es die heute eigentlich noch? Die Antwort lautet: ja! Von wirklicher Gleichberechtigung kann noch keine Rede sein. Doch so mancher Frau ist es gelungen, eine Männerdomäne zu erobern und als Pilotin, Kapitänin oder Stuntfrau ihren Mann zu stehen.Annette Kamps

Alexandra Pohl ist Kapitänin und Ausbildungsreferentin beim Verband Deutscher Reeder - von wegen Männerberuf.
Wie hoch ist der Frauenanteil in Ihrem Beruf?
Pohl: Der Frauenanteil in der Seeschifffahrt liegt bei circa zwei Prozent, bei den Kapitänen ist es jedoch noch nicht einmal ein Prozent: Es gibt in ganz Deutschland nur acht weibliche Kapitäne! Ähnlich traurig sieht es bei den Schiffsingenieuren aus…
Warum haben Sie sich für eine Ausbildung in der Seefahrt entschieden?
Pohl: Ich wollte unbedingt eine praktische und vielseitige Ausbildung machen und einen Ingenieurberuf ergreifen. Da ich aus Bremen stamme und als Kind schon immer die Handelsschiffe vorbei fahren sah, habe ich mich für eine Laufbahn an Bord entschieden und eine Ausbildung als Schiffsmechanikerin begonnen. Das ist der klassische Einstiegsberuf auf dem Weg zum Kapitän.
Gab es negative Reaktionen auf Ihre Berufswahl?
Pohl: Meiner Mutter wäre es sicher lieber gewesen, ich wäre an Land geblieben. Mein Vater war sehr stolz, meine Freunde fanden es abgefahren. Nur der Berufsberater im Arbeitsamt Bremen meinte: „Die Seefahrt ist nichts für Frauen. Die Verantwortung ist zu groß. Studieren Sie lieber Medizin.“ Das hat mich bestätigt: Jetzt erst recht!
Haben Sie jemals Akzeptanzprobleme im Job gehabt?
Pohl: Ich hatte niemals Schwierigkeiten wegen meines Geschlechts, sondern wurde immer ernst genommen. Während der Ausbildung gab es manchmal eher eine Art „positive Diskriminierung“, indem Kollegen versucht haben, mir Arbeiten, die sie für unangenehm und schwer befanden, abzunehmen. Es blieb aber bei dem Versuch, denn selbstverständlich möchte ich alle Aufgaben, die an Bord anfallen, auch selbst erledigen!
Was mögen Sie besonders an Ihrem Beruf?
Pohl: Die Vielseitigkeit: Neben der Brückenwache, dem eigentlichen „Fahren“ des Schiffes, bin ich für Anlagen im Maschinenraum und deren Wartung verantwortlich. Und weil es immer etwas zu tun gibt, wird es nie langweilig. Man sieht Erfolge sofort – weil eine Maschine wieder läuft, weil man ein besonders gutes Manöver gefahren hat oder eine Landungsoperation schnell und sicher beendet hat. Außerdem fährt man mit seinem Arbeitsplatz um die Welt – lästiges Berufspendeln entfällt also!
Würden Sie jungen Frauen raten, es Ihnen gleich zu tun?
Pohl: Ich rate allen jungen Frauen, sich offen mit „exotischen“ Berufen auseinanderzusetzen und nicht nur in den üblichen Wegen zu denken. Für mich war es genau die richtige Entscheidung, zur See zu fahren. Aber die Besonderheiten der Seefahrt – mehrmonatige Abwesenheit von zuhause, ein grundsätzlich männliches Umfeld, leben und arbeiten auf engem Raum – liegen nicht jedem. Wer täglich den Kontakt zu Freunden und Verwandten braucht, wem es elementar wichtig ist, regelmäßig in die Kneipe, in die Disko oder ins Kino zu gehen, der wird unter Umständen die Zeit an Bord nicht mögen.
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