Sportler auf der Couch?
Die psychologische Betreuung spielt im Spitzensport eine immer größere Rolle. Deshalb ist der Rat von Markus Flemming, 41, sehr gefragt: Der Sportpsychologe war früher selbst Eishockeyprofi und stand kurz vor einem Burn-out.Stefan Moskopp
EINSTIEG: Herr Flemming, was sagen Sie einem Stürmer, der über mehrere Spiele das Tor nicht mehr trifft?
Flemming: Ich mache ihm seine Fähigkeiten bewusst. Ein Stürmer wie Klose oder Gomez, der in einer Saison über 20 Tore erzielt, verlernt ja nicht über Nacht oder von einer Saison zur nächsten das Fußballspielen.
Wie sind diese „Ladehemmungen“ zu erklären?
Flemming: Der Spieler fängt auf einmal an, zu viel nachzudenken. Und verkrampft. Kurz gesagt, früher hat er den Ball einfach ins Tor geschossen, heute schaltet sich der Kopf ein, sobald er den Ball am Fuß hat: „Da ist das Tor, ich hab’ den Ball, ich muss ihn nur noch rein schießen – aber wehe, ich schieße daneben.“
Vermitteln Sie ihm dann eine Technik, wie man seinen Kopf „abschaltet“?
Flemming: Nein, das geht auch nicht. Das ist so, als würde man jemanden sagen: Denk jetzt bloß nicht an einen rosa Elefanten. Ich spreche mit dem Sportler viel mehr über die Situationen, die auf ihn zukommen können und denen er sich stellen muss. Und das Ganze immer vor dem Hintergrund seines Könnens. Ich mache dem Sportler bewusst, dass er die Herausforderung auf Grund seiner Fähigkeiten meistern kann, so wie er es auch früher schon oft getan hat. Das Ganze hat also nichts mit „Tschaka, Tschaka!“ zu tun, sondern mit dem Können, das sich der Sportler über Jahre erarbeitet hat. Denn eines ist klar: Man kann aus einem mittelmäßigen Sportler durch Psychologie keinen Spitzensportler machen.
Setzen Sie denn Videos von früheren Erfolgserlebnissen ein?
Flemming: Das kann man so machen, ich arbeite aber lieber über die Visualisierung durch den Sportler selbst. Er soll diese positiven Bilder aus sich selbst wieder hervorholen. Das kombiniere ich mit Entspannungsübungen. Am wichtigsten sind aber die Gespräche. Der Sportler soll ganz frei berichten, was ihn belastet. Manchmal reicht es schon aus, dem Sportler nur zu spiegeln, wie es gerade in ihm aussieht und dass man so keinen Erfolg haben kann.
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