„Rechnen muss man schon können“
Der Handel ist die größte Ausbildungsbranche in Deutschland. Im Interview klärt Wilfried Malcher vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) auf über Karrierechancen in der Handelsbranche.Stefan Moskopp
EINSTIEG: Herr Malcher, hat der Handel attraktive Ausbildungsmöglichkeiten für Abiturienten zu bieten?
Malcher: Sogar eine ganze Menge: Neben den dualen Studiengängen gibt es im Handel die speziellen Abiturientenprogramme mit besten Karrierechancen, zum Beispiel die Ausbildung zum Handelsassistenten im Einzelhandel oder Handelsfachwirt, kombiniert mit dem Kaufmann bzw. der Kauffrau im Einzelhandel oder im Groß- und Außenhandel.
Erfolgreiche Absolventen dieser Modelle sind oft nach kurzer Zeit schon stellvertretende Markt-, Filial- oder Abteilungsleiter, also im mittleren Management tätig. Nach der ersten Leitungsfunktion ist der Aufstieg zum Gebietsverkaufsleiter oder Bezirksleiter und in weitere Führungspositionen möglich.
EINSTIEG: Rekrutiert der Handel nach wie vor seine Führungskräfte aus dem eigenen Nachwuchs?
Malcher: Ja, zumindest einen sehr großen Teil. Derzeit haben gut 80 Prozent der
Führungskräfte im Einzelhandel ihre Karriere mit beruflicher Aus- und Fortbildung begonnen, ein knappes Viertel davon hat zusätzlich studiert. Etwa jede sechste Führungskraft im Einzelhandel hat die erforderlichen Qualifikationen ausschließlich im Studium erworben. Wir gehen davon aus, dass in der Zukunft der Akademikeranteil im Einzelhandel leicht steigen wird.
EINSTIEG: Wer eignet sich für den Handel?
Malcher: Der Handel ist nach wie vor eine Branche für Leute, die anpacken und etwas bewegen wollen, die außerdem gut analysieren können und entscheidungsstark sind. Und Teamplayer muss man sein, denn gerade im Handel arbeitet man immer im Team.
EINSTIEG: Sind gute Schulleistungen in bestimmten Fächern wichtig?
Malcher: Rechnen muss man schon können! Nicht wenige Ausbildungsanwärter scheitern daran, dass sie die kleine Dreisatzrechnung nicht hinbekommen. In Deutsch sollte man auch gut sein. Und wegen der Internationalisierung des Handels sind zunehmend auch Fremdsprachen wichtig.
EINSTIEG: Apropos, ist eine internationale Karriere im Handel möglich?
Malcher: Da viele deutsche Handelsunternehmen international aufgestellt sind, im Einkauf ohnehin, vielfach aber auch im Vertrieb, werden immer wieder Positionen im Ausland oder mit internationalem Tätigkeitsfeld besetzt. Schon während der Ausbildung verbringen viele Azubis ein paar Wochen in einer ausländischen Niederlassung, wo sie andere Kulturen und auch andere Handelsstrukturen kennen lernen.
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